Die Dörfer im Kreis Guhrau


Kainzen

(1310 Kenzyna, 1321 Kentzin, 1945 Kajecin)

(ev. Guhrau, kath. Guhrau, 1876 StA Kloden, StA Guhrau, AG Guhrau, Amtsbezirk Kloden, Hebammen-Niederlassungsbezirk Guhrau-Tschirnau)


Chronik


1310

Kainzen wird Guhrauer Stadtdorf.


1321

Bestätigung der Rechte der Stadt und Verkauf der Hoheitsrechte über Altguhrau, Jästersheim und Kainzen an Guhrau durch Herzog Johann von Glogau. Urkunde ausgestellt in Seitsch am 13. Juli 1321


1328

Gerichtsbarkeit über Jästersheim, Altguhrau, Kainzen, Gaisbach und Tschiläsen an die Stadt Guhrau, ausgestellt in Guhrau am 25. November 1328.


1458

Am Allerheiligentage schenkt Herzog Wlodko von Glogau und Guhrau dem Franziskanerorden eine Sandfläche in der Vorstadt von Guhrau zur Anlage eines Klosters.


1765

evang. Schule.


1773

Im August stürzen im Sturm 2 Mühlen um.


1791

ist ein Kämmereygut der Stadt Guhrau und hat 1 Schulhaus, 1 Freygut, 19 Dienstbauern, 2 Gärtner, 9 Häusler, 8 andere Häuser, Feuerstellen 58.


1792

Bei Sturm werden 3 Mühlen umgeworfen.


1845

63 Häuser, 1 Freischoltisei, Am Ort noch 1 Kirchhof einer eingegangenen Nebenkirche von Guhrau, 1 ev. Schule, 1 Lehrer, eingeschult Gr. Kloden, Mittel-Friedrichswaldau, Kl. Kloden wird jetzt an Schätz überwiesen, 1 Windmühle, 1 Böttcher, 1 Schmied, 4 Händler


1869

Während der Decksaison 1869 werden auf der Station Kainzen 3 Beschäler des Königlich Schlesischen Land-Gestüts zu Leubus stationiert.


1870

Während der Decksaison 1870 werden in Kainzen 2 Beschäler stationiert.


1909

Folgende Pferde des Kgl. Niederschlesischen Landgestüts zu Leubus werden in Kainzen als Deckhengste ab 1.2.1909 stationiert: "Nebelstern" (Fuchs, Engl. Vollblut, 10 M Deckpreis), "Athlet" (Fuchs, Belgier, 15 M Deckpreis), "Wanderer" (Rappe, Oldenburger, 12 M Deckpreis), "Nathan" (braun, Belgier, 15 M Deckpreis).

Am 16.7.1909 wird ein Mietentschädigungs-Tarif für Volksschullehrer und Lehrerinnen festgesetzt:

Servisklasse IVd (Leiter von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen 200 M jährlich, andere Schulleiter und Lehrer 160 M jährlich, Lehrerinnen 110 M jährlich)


1931

Der Ziegeleiteich wird zur Badeanstalt umgebaut und mit einem Gauschwimmfest eröffnet.


zur Geschichte des Klosters in „Guhrau Franziskanerkloster“ von Lucius Teichmann, in Jahrbuch der Friedrich-Wilhelm-Universität Breslau, 1987:


Vergil Greiderer schreibt 1777 im ersten Band seines kritischen Werkes „Germania Franciscana“ , daß Herzog Wladislaw von Teschen und Glogau 1457 vom Apostolischen Stuhl die Erlaubnis erhalten habe, zu Ehren des heiligen Franziskus in Guhrau für die Minoriten ein Kloster zu bauen. Auch der Breslauer Bischof Peter Nowag hätte bereits 1457 seine Einwilligung dazu gegeben (muß wohl heißen 1456; denn 1457 war der Bischof schon tot). 1462 sei der fertige Bau bezogen worden „höchstwahrscheinlich von Observanten“; das war die strenge Reformbewegung im Franziskanerorden. Im Gesamtkatalog aller Observantenklöster vom Jahre 1506 fehlt jedoch Guhrau. Greiderer meint, dies sei entweder ein Fehler des Schreibers oder aber das Kloster habe damals nicht mehr bestanden. Hier jedoch irrt der Autor. Guhrau ist nämlich niemals von Observanten besetzt gewesen, sondern gehörte zur böhmischen Ordensprovinz, die damals bereits zum Konventualismus hinneigte, d.h. zu jener Richtung im Orden, die jedem Kloster Besitz und feste Einkünfte zugestand. In seiner Gründungsurkunde schenkte der Herzog Wladislaw (1457) mit Zustimmung des Breslauer Bischofs Jodocus (+1467) und des Pfarrers von Guhrau den Brüdern außer einen Bauplatz in Kainzen (Kenczin), 1 km östlich von Guhrau gelegen, auch einen Fischteich, also einen Besitz, was von den Observanten grundsätzlich abgelehnt wurde. 1511 verkauft Valentin von Krossen „im reiche Behemen und Polen minister“ eine Wiese an die Stadt Guhrau. Valentin von Krossen war aber kein Observanten-Vikar, sondern Provinzial der böhmischen (Konventualen-) Provinz. Das Kloster muß im Laufe der Zeit sogar eine größere Zahl von Liegenschaften besessen haben; denn bei den Landtagsverhandlungen 1549 lautete ein Punkt der Tagesordnung: „Sigmund von Kottwitz über einige Äcker von seinen Eltern dem nun abgebrochenen Kloster bei Guhrau geschenkt.Bericht über das Kloster.“ Auch Kaiser Ferdinand gab am 29. November 1549 Befehl, über den Besitz des ehemaligen Guhrauer Klosters Erkundigungen einzuziehen. „Es ist bekannt, daß unter Jakob von Salza (1520-1539) das Kloster abgebrochen und dieses Material zum Bau einer neuen Kirche in Guhrau verwendet wurde und daß mehrere Klosteräcker zum Unterhalt dieser Kirche bestimmt wurden. So können wir wohl ohne Zweifel annehmen, daß noch mehr Güter dem anbgebrochenen Kloster gestiftet worden sind.“ (Greiderer). Weder der Bericht des Sigmund von Kottwitz über das Kloster und die von seinen Eltern geschenkten Äcker noch das Ergebnis der vom Kaiser anbefohlenen Erkundigungen über die Besitzverhältnisse des Klosterssind erhalten, zumindest in Prager Archiven bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. Um 1534 soll das Kloster bereits verlassen gewesen sein. Über seine äußere Form, die Zahl seiner Bewohner ist nichts überliefert, und die Zeit hat jede sichtbare Spur seiner Existenz getilgt. Im Wissen der Guhrauer Bürger muß jedoch die Erinnerung an das verschwundene Franziskanerkloster über 100 Jahre lebendig geblieben sein; denn am 29. März 1653 schreiben Bürgermeister und Ratmannen von Guhrau dem Vikar im Glogauer Franziskanerkloster, P.Samuel Scheyrer, „ihrem hochzuverehrenden Freund“ einen Brief. Sie bitten, daß die Franziskaner wieder nach Guhrau kommen möchten. Ihr früheres Kloster in Kainzen sei zwar völlig zerstört; aber die Brüder könnten die Fronleichnamskapelle, die zur Katharinenkirche gehört, erhalten und dort ein Kloster bauen. Sie bitten den Glogauer Vikar,er möge dieses Anliegen dem Provinzial unterbreiten und unterstützen. Tatsächlich stellte der Provinzial Ägidius Tollein noch 1653 einen entsprechenden Antrag an die Stadt, doch ist aus dem Plan nichts geworden. Die Gründe des Scheiterns sind nicht bekannt. Man vermutete, daß die benachbarte polnische Franziskanerprovinz diese Niederlassung verhindert habe, weil sie selber in Guhrau ein Kloster gründen wollte. Diesem Gerücht widersprach ganz entschieden der Provinzial der polnischen Provinz P. Athanasius in einem sehr freundschaftlich gehaltenen Brief vom 28. Januar 1654 an den Provinzial der Bohemia. Er bedauerte, daß er ihn bei seinem Besuch in Neisse nicht angetroffen habe, weil er gern manches mit ihm mündlich besprochen hätte. In jedem Fall aber wollte er ihm versichern, daß die polnische Provinz nicht die geringste Absicht habe oder hatte, in Guhrau ein Kloster zu gründen. Sie hätte in Polen selbst mehr Angebote als sie annehmen könnte. So darf vermutet werden, daß der Plan einer Klostergründung in Guhrau am Widerstand des Ortspfarrers gescheitert ist. Quellen: Prag, Zentralarchiv AF, Karton 178, Nr. 3031.


Pfarrer


1611-1615

Martinus Leschius sen.

 

1615-

Martin Eitner


Bürgermeister


1612

George Fahrenholtz

 

1617

George Scholtz

 

1935/1941

Otto Stritzke


Erbschulzen


Martin Eitner


(1590) - 1592

Barthel/Bartholomäus Eitner, + 23.05.1592


1603

Jakob Maron


Lehrer


(vor 1678)

Christoph Eitner


1765

Harsch


-März 1814

Sommer, dann nach Breslau

 

1935

Wende

Weißhaupt

Stephan


Einwohner


Martin Eitner, Erbschulz in Kainzen, oo Dorothea Müller, * 1514, + 1606

Sohn v. Martin Eitner: Bartholomäus Eitner, Erbschulz in Kainzen, + 23.Mai 1592, oo Martha Hentschel

Sohn von Bartholomäus Eitner: Martin Eitner, * 17.6.1590 Guhrau, ooI. 17.9.1612 mit Maria Fahrenholtz, 1 Sohn Martin, ooII. 23.1.1617 mit Susanna Scholtz (beide Töchter des jeweiligen Bürgermeisters)

Gustav HÄTSCHER, Forstarbeiter, Kainzen, 1935 2. Stellvertr. Beisitzer aus dem Stand der Arbeitnehmer im Versicherungsamt für den Kreis Guhrau einschl. der Städte

Adolf Stritzke, Gärtner, 1935 Amtsvorsteher Amt Kloden

Ewald Günther, Landwirt, 1935 stellv. Amtsvorsteher Amt Kloden

Max Schmidt, Landwirt, 1935 Schiedsmann in Kainzen

1791 307 Ew.

1845 477 Ew.

1919 481 Ew.

1925 557 Ew.

1933 652 Ew.

1939 659 Ew.


letzte Änderung: 31.10.2007