Die Dörfer im Kreis Guhrau


Königsbruch

(in den "Schlesischen Provinzialblättern" 1787/1788 Friedrichsbruch, 1945 Lugi)

(1787 Kr. Herrnstadt, bis 31.12.1817 Kreis Wohlau)

(ev. Königsbruch, kath. Herrnstadt, StA Herrnstadt, AG Herrnstadt, Amtsbezirk Bobile, Hebammen-Niederlassungsbezirk Herrnstadt-Bobile)


Das Kriegerdenkmal in Königsbruch


 

 
 

1909

1914

 

 

Blick auf die Kirche von Königsbruch, August 2006

(Foto: Diane Schwede)


Kirchenbücher, die vor 1945 vorhanden waren


evangelisch


Taufen ab 1788

Trauungen ab 1788

Tote ab 1788

Konfirmanden ab 1827

Beicht- u. Abendmahlsbücher ab 1788


Duplikate beim Landgericht Glogau


evangelisch


Taufen 1795-1874, es fehlt 1810

Trauungen 1795-1874, es fehlt 1810

Tote 1795-1874, es fehlt 1810


Kirchenbücher, die nach 1945 vorhanden sind


in polnischen staatlichen Archiven


keine


verfilmte Kirchenbücher bei LDS


keine


Chronik


1782

Friedrich der Große läßt im Forstrevier Bobile im ausgedehnten Terrain der „dürren Haide“ Königsbruch anlegen.


1784

Im Herbst waren sämtliche Stellen an Kolonisten vergeben.

Die reformierten Pfälzer baten, die neu zu erbauende Kirche ihnen zu überlassen, was aber abgelehnt wurde.


1785

Ende April schlug die Glogauer Kammer den Namen für die Kolonie vor, der bestätigt wurde.

Die Gemeinde bekam 27,168 ha Acker und 34,5 ha Wiese. Der Küsteracker hatte 4,509 ha Acker und 51,1 ar Wiese.

Beginn der Rodung des Kirchplatzes, die aber aus Geldmangel im selben Jahr wieder eingestellt wurde.


1786

Berufung des Lehrers


1787

22.8. Grundsteinlegung für eine Kirche durch den Oberamtmann Denker und Weihung des Platzes durch Pastor Ulrici. Für den Bau der Kirche spendete der König 6000 Rtlr.

worin ebenfalls 11 Freistellen befindlich


1788

Kirche und Schulhaus sind fertig.

 

aus "Schlesische Provinzialblätter" 11/1788:


"Einweihung der evangelischen Colonie-Kirche zu Königsbruch, und der damit verbundenen Installation das dasigen Herrn Pastors Herrmann. Am 19. October, bald nach 9 Uhr, führten der Herr Kriegs- u. Domainen-Rath Caspari als Deputirter der Königl. Glogauschen Krieges- u. Dom. Cammer, u. der Wohlauische Superintendent Herr Schulze, als Deputirter des Königl. Glogauschen Ober-Consistorii, den zu installierenden Prediger bis an die Kirchthüre, wohin die sacra vasa in gehöriger Ordnung vor ihnen hergetragen wurden. Ihnen folgte, nach den Beamten des Domainen-Amtes zu Herrnstadt, die ansehnliche Begleitung von dazu gebetenen Fremden. An der Kirchthüre, zu deren beiden Seiten die Schuljugend mit ihrem Lehrer stand, hielt der Herr Kriegsrath an den Herrn Superintendenten eine kurze Rede und übergab ihm die Kirchenschlüssel. Dieser, nachdem er damit die Kirche eröfnet, übergab selbige wieder mit einer kurzen Rede dem neuen Prediger, wobay der Vers: Heut schleußt wieder auf die Thür :c gesungen wurde. Nachdem der ganze Zug in die Kirche vollendet, unter fortwährenden Pauken und Trompetenschall vom Herrn Superintendenten die Vasa sacra aufs Altar in gehöriger Ordnung gestellt, und das Morgenlied gesungen: Licht vom Licht erleuchte mich :c verlas derselbe ein dieser Handlung entsprechendes Gebet vor dem Altar, worauf außer dem gewöhnlichen: Allein Gott in der Höh sey Ehr :c das Lied: Sey Lob und Ehr dem höchsten Gut :c angestimmt wurde. Nach deßen Endigung verrichtete der Herr Superintendent die Einweihung und Installations-Rede über Exord. 20, v. 24., der Herr Senior Ulrici aus Herrnstadt aber in der Sacristey den Beicht-Actum mit dem dazu sich eingefundenen Brautpaar aus Königsbruch, der Jungfer Catharina Hiersin und dem Junggesellen Christoph Illguth. Hierauf wurde: Nun preiset alle :c gesungen, und vom Herrn Cantor Scholz aus Herrnstadt eine vortrefliche Musik aufgeführt. Nach diesem verlas der Herr Superintendent den 100ten Psalm vor dem Altar; Mit dem Ende des Glaubens, der hierauf gesungen wurde, betrat der neue Prediger die Kanzel und hielt seine Anzugs-Predigt über 2 Cor. 7, v. 16. Ich freue mich, daß ich mich zu euch alles versehen darf: Er redete von der Freudigkeit eines Lehrers, der seyn Amt mit dem größten Vertrauen zu der ihm anvertrauten neu errichteten Colonie-Gemeinde antritt. Nach verrichteter Predigt wurde der Lobgesang angestimmt: Herr Gott dich loben wir :c und vom Herrn Senior Ulrici und dem neuen Pastor das heilige Abendmahl ausgeteilet. Nach dem Schluße der Communion wurde vom Herrn Senior Schwarts aus Stroppen das erste Taufen verrichtet, und zwar an des Königsbrucher Organisten Patschke, neugebohrnem Sohne, wobei die mehresten der zur geschehenen Einweihung Deputirte und gebetene Fremde die Pathenstelle vertraten. Die Wichtigkeit dieser doppelten Feierlichkeit hatte eine ungemein große Menge von nahen und auf einige Meilen weit entfernten Fremden herbeigezogen, die mit dem gerührtesten Herzen dieser Handlung beiwohnten."

 

(Foto: Diane Schwede)

 

aus „Schlesische Glocken in bayrischen Kirchen“ in „Jahrbuch für schlesische Kirchengeschichte“ Bd. 60/1981:

Die schlichte Kirche wie das Pfarrhaus wurden 1776-1785 im Zopfstil errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Glocken, allerdings etwas später nach Fertigstellung des Turmes. Unter der Krone aus Öse und 6 Bügeln mit Köpfen von Menschen umschließt ohne Stege eine Girlande mit Medaillons im typischen Empirestil den Oberteil der Glocke. Auf der Flanke weit unten steht die Jahreszahl des Gusses. „Anno 1788“. Unter den 3 Stegen die Worte: „Goss mich Johann Gottlieb Meyer in Liegnitz“. Die Glocke hat eine Höhe von 68 cm und wiegt 212 kg. Heute läutet sie in der Stadtgemeinde Sonthofen, Kr. Oberallgäu, in der Täufer-Johannes-Kirche, der evang. Stadtgemeinde. Die Kirche in Königsbrück ist erhalten, im Innern umgestaltet und hat poln.-kath. Ritus.

1789

Den reformierten Pfälzern mußte verboten werden, ihre Toten selbst zu begraben.


1794

29. Mai König Friedrich Wilhelm II. besucht die Kolonie.


1828

Die Kirche bekommt eine Orgel.


1845

Besitzer: kgl. Domänenamt Herrnstadt

24 Häuser, 1 herrsch. Vorwerk, 1 ev. Pfarrkirche erbaut durch König Friedrich Wilhelm II. für die 4 Kolonien Königsbruch, Wilhelmsbruch, Bartschdorf und Herrndorf, 1 ev. Schule, eingeschult Wilhelmsbruch und Bartschdorf, jetzt auch der Teil, wo sonst eine evang. ref. Schule stand, deren nun noch vorhandenes kgl. Schulhaus reserviert bleibt, 1 Windmühle, 4 Handwerker, 1 Krämer, 145 Rinder


1909

Am 16.7.1909 wird ein Mietentschädigungs-Tarif für Volksschullehrer und Lehrerinnen festgesetzt:

Servisklasse IVd (Leiter von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen 200 M jährlich, andere Schulleiter und Lehrer 160 M jährlich, Lehrerinnen 110 M jährlich)


1910

15 Wirtschaften.


Evang. Geistliche


25.9.1788-1826

Abr. Gottlob Herrmann, vorher Rektor in Stroppen, oo 20.10.1788 mit Frl. Schuch


1827-1834

Christian Gottlieb Neuwierth


1834-1864

Carl Adolf Feige


1865-1871

Gustav Liebeherr


1871-1878

Christoph Paul Ad. Riedel


1878-1886

Gustav Eduard Sucker


1887-1893

Gottlieb Berthold Albert Meltzer


1893-1911

Gotth. Arth. Heinrich Ernst Kühn


1911-1925

Louis August Richard Johannes Reimann


1926-1937

Friedrich Neumann


-1939

Lic. Dr. Gerhard Hultsch


1940-1943

Friedrich Wilhelm Wenzel (gef. 17.2.1943 im Osten)


1944-1945

Karl Wurm


Erbschulzen


1784

Schuch


Bürgermeister


1935/1941

Oskar Littmann


Lehrer


1.2.1787-1798

Paschke


1798-1828

Koßlitz


1828-1872

Herrnwald


1872-(1910)

Oskar Zwirner

+ 1914


1926/1935

Staehr


Ursprüngliche Kolonisten


1. Joh. Paul Schröder, aus Krafkohl b. Danzig

2. Johann Hoffmann, aus Poln.-Damme, zuletzt in Lauskowe, Invalide

3. Joh. Hartmann Schuch, aus Reichen b. Frankfurt a. M., Invalide, Erbscholtiseibesitzer

4. Joh. Gottlieb Leopold, aus Leubel

5. Joh. Hierse, aus Pocklawe oder Nesigode im Trachenbergischen

6. Joh. Gottfried Littmann, aus Militsch

7. Christoph Schwede, aus Nisigawe (Nisigode?) bei Trachenberg, Invalide

8. Daniel Claasen, (aus Reichenberg?), Danziger Kolonist

9. Gottlieb Ponicke (Pohnke), aus Ohrau bei Danzig

10. Johann Klemm, aus Ohrau bei Danzig

 

Einwohnerzahlen


1787 94 Ew.

1788 113 Ew.

1845 203 Ew.

1905 176 Ew.

1919 174 Ew.

1925 176 Ew.

1933 156 Ew.

1939 152 Ew.


letzte Änderung: 20.01.2010