Guhrau

Aus der Chronik der Höheren Bürgerschule Guhrau


letzte Änderung: 09.12.2008

 

1863 beschlossen die Stadtverordneten, eine Höhere Bürgerschule einzurichten. Diese wurde 1864 eröffnet. 1868 wurde sie um eine Höhere Töchterschule erweitert, die bis 1875 bestand. 1884 wurde die inzwischen als Realprogymnasium bezeichnete Schule aufgehoben.

 

1876

Rector: Dr. Lundehn

Lehrer: Dr. Bergholz, Schmidt, Folchert, Büttner, Weitze, Dorn

Kath. Religionslehrer: Kaplan Jungnitz


Aus „Neunter Jahresberichtüber die zu Entlassungs-Prüfungen berechtigte Höhere Bürger-Schule zu Guhrau“

 erstattet von Dr. A. G. Lundehn, Rector, Guhrau 1875

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„Das abgelaufene Schuljahr, eines der wenigen seit Gründung der Schule, das keinen Wechsel in den Lehrkräften aufzuweisen hat, brachte gleich in seinem Beginne die wichtige Veränderung, daß auch die hiesige höhere Bürgerschule durch Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien Herrn v. Nordenflycht vom 4. April 1874 aus dem Ressort der Königlichen Regierung, zu dem sie bisher gehört hatte, in das des Königlichen Provinzial-Schul-Kollegium's zu Breslau überging. Das Lehrer-Kollegium der Anstalt fühlte sich bei dieser Gelegenheit gedrungen, der bisherigen hohen Aufsichtsbehörde und insbesondere dem hochverehrten Revisor Herrn Konsistorial- und Regierungs-Schulrath Bellmann seinen ergebensten Dank für die Förderung, welche der Schule seit ihrer Gründung in reichem Maße zutheil geworden war.

Am 23. Juni unterzog demnach der Königl. Provinzial-Schulrath Hr. Dr. Sommerbrodt die Anstalt einer Revision und wohnte Vormittags und Nachmittags in den einzelnen Klassen dem Unterrichte der verschiedenen Lehrer bei. Unsere Hoffnung aber, der Anstalt eine höhere Berechtigung zu verschaffen, scheiterte an der Unmöglichkeit, den Etat auf die Höhe zu bringen, welche Se. Excellenz der Herr Unterrichts-Minister durch den Erlaß vom 28. März 1874 als durchaus wünschenswerth vorgeschrieben hat. Da nun auch ein Gesuch um Unterstützung seitens des Staates nur dann auf Berücksichtigung zu rechnen hatte, wenn das Schulgeld in sämmtlichen Klassen durchschnittlich 72 Mark pro Jahr betrug, so beschlossen die städtischen Behörden, die Schulgeldsätze vom 1. Januar d.J. ab zunächst in der Weise zu normiren, daß in Sexta und Quinta einheimische Schüler jährlich 54 Mark, auswärtige 60 Mark, in allen übrigen Klassen aber sämmtliche Schüler 72 Mark zahlen sollten. Aus den zu erwartenden Mehreinnahmen wurde für die Stellen der beiden ersten wissenschaftlichen Lehrer eine Zulage von je 150 Mark bewilligt, so daß die resp. Gehälter jetzt 2400 und 2100 Mark betragen. Eine gleiche Erhöhung steht auch für die dritte Stelle in Aussicht.

Sehr erfreulich war es für die Schule, daß infolge des vom Kuratorium auf Anlaß des Rektors gestellten Gesuches Se. Excellenz der Herr Unterrichtsminister dem ersten Lehrer der höheren Bürgerschule Herrn Dr. Deventer durch hohe Verfügung vom 22. Juni d.J. den Oberlehrer-Titel verlieh. Leider aber folgte dem freudigen Ereigniß die Widerwärtigkeit, daß Herr Dr. Deventer, der Berufung des Königl. Provinzial-Schul-Kollegiums zum Oberlehrer an das Gymnasium in Glatz Folge gebend, bereits im November d.J. seine hiesige Stellung kündigte, um mit Ablauf des Schuljahres an die Stätte seines neuen Wirkungskreises überzusiedeln. Die Anstalt verliert in ihm, der nur 1 ½ Jahre lang ihr seine reiche Kraft widmete, einen Lehrer, der sich mit ganzer Seele seinem Berufe hingab und durch seine ausgebreiteten Kenntnisse, vorzüglich auch in der englischen Sprache, deren Studium er in London selbst wiederholt, und zuletzt noch im Sommer vorigen Jahres, mit regstem Eifer oblag, die seiner Leitung anvertrauten Schüler anregte und förderte. In gleicher Weise bedauern die Lehrer, und insbesondere der Rektor, dem er ein treuer Freund und Gehilfe geworden, den Weggang eines Kollegen, der durch seine Biederkeit und männliche Offenheit Allen lieb geworden. Möge er in dem erweiterten Wirkungskreise volle Befriedrigung finden; unser Aller herzlichste Wünsche begleiten ihn.

Am 8. Oktober hatte der Rektor die Ehre, dem Königl. Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Herrn von Nordenflycht, der von Köben aus zu einem kurzen Besuche unsrer Stadt herübergekommen war, die Räumlichkeiten der Schule zu zeigen. Der Herr Oberpräsident sprach seine Zufriedenheit über dieselben aus und hatte zugleich die Freundlichkeit, auf einige wünschenswerthe Verbesserungen aufmerksam zu machen. Dies hatte zur Folge, daß die Patronats-Behörde noch im November v.J. in sämmtlichen Klassenzimmern einfache, aber durchaus praktische Ventilations-Vorrichtungen anbringen und in der Aula für die dort aufgestellten Büsten Nischen malen ließ, von deren rothem Grunde sich die weißen Büsten allerdings höchst vortheilhaft abheben. Um aber die Ausschmückung der Aula zu vermehren, beauftragte Herr Baumeister L. Grunwald den Rektor, die beiden Büsten Friedrich's des Großen und Friedrich Wilhelm's III. zu beschaffen, die er der Anstalt zum Geschenk machte. Der Unterzeichnete kann es sich nicht versagen, dem freundlichen Gönner der Schule auch an dieser Stelle seinen herzlichsten Dank auszusprechen.

Am Schlusse des Sommer-Semesters waren es gerade vierzig Jahre her, daß Herr Weitze ein Lehramt in der Stadt Guhrau angetreten hatte, damals an der Stadtschule, von der er im Oktober 1865 an die höhere Bürgerschule überging. Der Rektor nahm bei der Censur, mit welcher das Semester beschlossen wurde, und der auch der Präses des Kuratoriums Hr. Bürgermeister Dierich und Hr. Pastor prim. Knorr beiwohnten, Gelegenheit, dem unermüdlich treuen Lehrer einige Worte der Anerkennung seines reich gesegneten Wirkens auszusprechen, während Hr. Bürgermeister Dierich ihn einlud, dem kleinen Festmahle beizuwohnen, welches ihm zu Ehren für den Abend arrangirt war. Die Verdienste des hochgeachteten Lehrers, der in unserer Stadt gar viele seiner ehemaligen Schüler in den verschiedensten Berufsarten wirken sieht, sind auch zu unsrer größten Freude von den hohen und höchsten Behörden dadurch anerkannt worden, daß auf ihren Vorschlag Se. Majestät unser Allergnädigster Kaiser und König am diesjährigen Ordensfeste unserm verehrten Kollegen den Adler der Inhaber des Hohenzollern-Ordens verliehen hat. Möge Hr. Weitze noch manches Jahr hindurch sich dieser Auszeichnung erfreuen und in ungeschwächter Kraft und Rüstigkeit an unsrer Schule arbeiten!

Von sonstigen die Schule betreffenden Ereignissen ist, der chronologischen Ordnung nach, folgendes zu berichten. Am 24. Juni wurde der, während des Sommer-Semesters um 7 Uhr beginnende Unterricht von 9 Uhr ab ausgesetzt, weil die erste, nach den neuen Gesetzen gewählte, Kreis-Synode in unserer Aula ihre Sitzung hielt, an welcher der Rektor, der von dem Kirchenrathe zum Mitgliede derselben gewählt war, theilnahm. Die Sommerferien begannen, mit Genehmigung des Kgl. Prov. Schulkollegiums, an unsrer Anstalt, wegen des am 7. und 8. Juli stattfindenden Kinderfestes, erst am 11. Juli und dauerten bis zum 10. August.

Am 2. September fiel der Unterricht wegen der Sedanfeier aus. Vormittags wohnten Lehrer und Schüler der kirchlichen Feier bei; Nachmittags zogen sämmtliche Schulen, von den verehrl. städtischen Behörden geleitet, mit Musik nach Friedrichswaldau, wo sich die Jugend an verschiedenen Spielen ergötzte. An die Schüler der höheren Bürgerschule wurden bei dieser Gelegenheit eine Anzahl Bücher als Prämien vertheilt. Gegen Abend wurde dann die Rückkehr zur Stadt mit einer großen Zahl bunter Lampions angetreten; an dem auf der Promenade stehenden Denkmal wurde ein kurzer Halt gemacht und nach Absingung eines Liedes vom Unterzeichneten eine kleine Ansprache gehalten, in welcher er zur Nachahmung des Beispiels aufforderte, das die gefallenen Helden gegeben. Ein kräftiges Hoch auf Se. Majestät unsern hochgeliebten Kaiser und Herrn weckte das Echo des Waldes, und nachdem die Volkshymne gesungen, zog die muntere Schar noch bis zum Schulgebäude, um dort mit dem schönem Liede „Nun danket Alle Gott“ auch dem Herrn der Heerscharen des Dankes Zoll für diesen Ehrentag des großen deutschen Vaterlandes darzubringen.

Das Sommer-Semester wurde am 26. September geschlossen, das Winter-Semester am 12. Oktober begonnen. Am 2. November mußte der Unterricht von 9 Uhr an ausgesetzt werden wegen der für die Ventilation erforderlichen baulichen Einrichtungen. Die Weihnachtsferien begannen, den ergangenen Verfügungen gemäß, am 23. Dezember und endeten mit dem 5. Januar, so daß also am 6. Januar der Unterricht im neuen Jahre wieder anfing.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wird in diesem Jahre am 22. März Morgens 8 Uhr durch eine kürzere Feier begangen werden, damit Lehrer und Schüler sich an dem Gottesdienste betheiligen können; die Festrede wird Herr Lehrer Folchert halten.

Der Gesundheitszustand der Lehrer war im Ganzen ein ziemlich günstiger. Im Sommer wurde zwar der Rektor öfter noch von seinen Leiden heimgesucht, und mußte zuweilen den Sekundanern auf seinem Zimmer Unterricht ertheilen; im Winter aber durfte er nur für einzelne Stunden und – Gott sei Dank – recht selten seine Lektionen aussetzen. Auch die Herren Schmidt und Dorn waren glücklicherweise nur auf sehr kurze Zeit genöthigt, das Zimmer zu hüten und ihre Stunden auszusetzen. Herr Oberlehrer Dr. Deventer war, seiner Reise nach London wegen, drei Tage vor den Sommerferien beurlaubt. Unter den Schülern sind nur sehr wenige, länger andauernde Krankheitsfälle vorgekommen.“


Aus„Vierzehnter Jahresbericht über die zu Entlassungs-Prüfungen berechtigte Höhere Bürger-Schule zu Guhrau“

von Dr. Feodor Rhode, Rektor, Guhrau 1880


„Das Schuljahr wurde am 21. April eröffnet. Der Lehrbetrieb erlitt während desselben keine erheblichen Störungen. Vom 28. April bis 10. Mai war Hr. Dr. Nemitz zu vertreten, der zu einer militärischen Uebung einberufen war; vom 18. bis 21. Juni der Rektor, der an der Direktoren-Konferenz in Hirschberg teilnahm; ferner waren 3 Lehrer auf je einen bis 3 Tage in persönlichen Angelegenheiten beurlaubt.

Wegen Krankheiten einzelner Lehrer waren an 23 Tagen Vertretungen nötig.

Am 2. Mai starb, 67 Jahre alt, der pensionirte Lehrer Herr Carl Weitze, der der Schule seit ihrer Gründung bis Ostern 1876 angehört hatte. An dem, Sonntag den 4. Mai stattfindenden, Leichenbegängnis beteiligten sich sämmtliche Lehrer und Schüler.

Schulfeste. Am 11. Juni fand ein Schulaktus zur Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten statt, bei welchem Herr Scheuermann die Festrede hielt, in welcher er ein ausführliches und erhebendes Lebensbild des erhabenen Jubelpaares vorführte. Daran schloß sich, da der 11. Juni zugleich der Tag der Maria-Deventer-Stiftungist, die Vertheilung der Prämien aus den von dem edlen Stifter wiederum übersendeten elf englischen Büchern. Prämiirt werden konnte für dies Mal nur ein Schüler; die damals noch nicht verwendeten Bücher wurden daher reservirt und gelangten beim Jahresschluß am 20. December zur Vertheilung unter 4 Schüler der Secunda und Tertia, welche seitdem durch erhebliche Fortschritte im Englischen einer solchen Prämiirung würdig geworden waren. - Am 16. Juni vormittags beteiligte sich die Schule an dem zur Feier des schlesischen Gustav-Adolf-Vereins, welcher hierorts seine Jahresversammlung abhielt, stattfindenden Festzuge und dem darauf folgenden Gottesdienste. - Den 1. Juli nachmittags beteiligte sich die Schule in herkömmlicher Weise an dem sogen. Kinderfeste. Aus den bewilligten üblichen Prämiengeldern erhielten 5 Schüler Bücher. - Den 2. September wurde der Sedan-Tag durch einen Schulaktus gefeiert, bei welchem Herr Winter die Festrede hielt, deren Kern eine treffend durchgeführte Parallele Kaiser Wilhelms mit Friedrich Barbarossa bildete. - Am 25. September nachmittags fand ein gemeinschaftlicher Spaziergang nach Friedrichswaldau statt.

Außer den genannten Tagen fiel der Unterricht noch aus: Den 5. Mai nachmittags (wegen der Einführung des Herrn Bürgermeisters Melde); den 12. Juni von 9-11 Uhr (wegen der Wahl eines evangelischen Geistlichen, an der sich die meisten Lehrer beteiligten); den 30. September von 9-11 Uhr (wegen der Urwahlen zum Abgeordnetenhause).

Die Ferien wurden sämmtlich nach der im vorigen Programm S. 7 mitgeteilten Festsetzung abgehalten. Für die großen Ferien wurde ein Versuch mit der Einrichtung einer sogen. Ferienschule gemacht im Sinne der Ministerial-Verfügung vom 6. November 1858. An derselben beteiligten sich 29 Schüler (16 Sextaner, 9 Quintaner, 4 Quartaner), welche an 21 Tagen von 8-10 Uhr von einem Lehrer bei ihren Ferienarbeiten beaufsichtigt und mit Rat und Nachhülfe unterstützt und gefördert wurden. Die Einrichtunghat sich durchaus als Heilsam bewährt und ist den Angehörigen der betr. Schüler nach manchen dem Unterzeichneten gemachten Erklärungen sehr erwünscht gewesen. Denjenigen Mitgliedern des Lehrerkollegiums, welche auf den Wunsch des Rektors diesem Zwecke einen Theil ihrer Ferien opferten, spricht derselbe auch an dieser Stelle seinen Dank aus.

Der Gesundheitszusatnd der Schüler war im Ganzen ein erfreulicher. Um so schmerzlicher traf es uns, als der Tod aus dem Kreise unsrer Schüler ein Opfer forderte. Am 18. September starb im Alter von 13 ½ Jahr der Untersecundaner Otto Schmidt am Nervenfieber; ein Knabe, der durch die Zuverlässigkeit seines Charakters, seinen regen Lerneifer und seine ungewöhnliche geistige Begabung zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. In der Andacht am 20. Sept. widmete ihm der Rektor einen Nachruf und die Schule gab am 21. dem Entschlafenen das Geleit zu seiner Ruhestätte.“


Aus „Fünfzehnter Jahresbericht über die zu Entlassungs-Prüfungen berechtigte Höhere Bürger-Schule zu Guhrau“

von Dr. Feodor Rhode, Rektor, Guhrau 1881


„Das verflossene Schuljahr, welches am 8. April eröffnet wurde, hat manche Störungen des Lehrbetriebes gebracht. Wegen Krankheit einzelner Lehrer waren an 41 Tagen Vertretungen notwendig; außerdem waren einzelne Lehrer im ganzen an 10 Tagen beurlaubt. Der Gesundheitszustand unter den Schülern war ein befriedigender.

Schulfeste. Am 2. September Sedanfest, an welchem der Rektor die Festrede hielt. Am 3. September Spaziergang der Schule nach Rützen. Am 21. März Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät, bei welcher Herr Winter die Festrede hielt, in der die Frage benatwortet wurde, durch welche Eigenschaften und Vorzüge die Hohenzollern die Liebe des Volkes verdient haben.

Die Ferien wurden nach der Vorschrift abgehalten. An der Ferienschule während der großen Ferien (cf. das vorjährige Programm S. 4) beteiligten sich 20 Schüler aus den drei unteren Klassen.

Von den außerordentlichen Ereignissen ist nur der Besuch des Herrn Oberpräsidenten von Seydewitz am 13. October zu erwähnen, welcher wegen der Teilnahme an der Feier des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des Königlichen Landrats Herrn von Goßler hier anwesend war. Zum tiefen Bedauern des Rektors fiel dieser Besuch gerade in die Ferien, so daß keine Gelegenheit geboten wurde dem hohen Gaste zu zeigen, ob die Schule etwas leistet, und nur die Räumlichkeiten besichtigt werden konnten.

Die Entlassungsprüfung unter dem Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrats Dr. Slawitzky wird erst am 9. April stattfinden.“


Aus „Sechzehnter Jahresbericht über die zu Entlassungs-Prüfungen berechtigte Höhere Bürger-Schule zu Guhrau“

von Dr. Feodor Rhode, Rektor, Guhrau 1882


„Veränderungen im Lehrerkollegium. Herr Schmidt war von Beginn des Schuljahres an beurlaubt und trat am 1. October in den Ruhestand. Seine Stelle wird verwaltet durch den Schulamts-Kandidaten Herrn Dr. Reim, welcher bereits bei Eröffnung am 2. Mai sein Amt antreten konnte. Am 7. Januar verschied nach mehrwöchentlichen Leiden Herr Büttner im Alter von 74 Jahren. Dem treuen und gewissenhaften Lehrer, dem zuverlässigen Kollegen, dem wackern und biedern Manne ist ein ehren- und liebevolles Andenken bei Allen sicher, welche zu ihm in einer Beziehung gestanden haben. Am 10. Januar gab die Schule ihm das Geleit zu seiner Ruhestätte. An seine Stelle wurde Herr Pastor Behrens als evangelischer Religionslehrer gewonnen, welcher am 23. Januar, nachdem die Genehmigung des Königl. Provinzial-Schul-Kollegiums eingetroffen war, durch den Rektor im Beisein des Kuratoriums in dies Amt eingeführt wurde. Die übrigen früher von Herrn Büttner erteilten Lektionen werden durch die anderen Lehrer vertreten.

Wegen Krankheit war außer Herrn Büttner (vom 7.-13. August, vom 1.-14. December und vom 19.-22. December) nur Herr Dörner an 2 Tagen zu vertreten, aus andern Gründen Herr Pastor Behrens an 2 Tagen. Herr Dr. Nemitz war vom 23. Mai bis 3. Juni zu einer militärischen Uebung einberufen.

Die Ferien wurden zum ersten Male nach der neuen Ordnung abgehalten (Osterferien 9. April bis 2. Mai, Pfingstf. 4.-9. Juni, Herbstf. 13. August – 19. September, Weihnachtsf. 21. December 1881 bis 5. Januar 1882). An der während der großen Ferien eingerichteten Ferienschule beteiligten sich 20 Schüler.

Den 21. März Nachm. wurde der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers durch eine Vorfeier begangen, bei welcher der Rektor die Festrede hielt.

Am 24. März fand unter Vorsitz des Königl. Provinzial-Schulrats Herrn Dr. Slawitzky die Entlassungsprüfung statt. Der Ober-Sekundaner Hantke erhielt das Zeugnis der Reife. (Zum vorjährigen Programm ist noch die Notiz hinzuzufügen, daß in der Prüfung am 9. April 1881 die Ober-Sekundaner Rakette und Rothe das Reifezeugnis erhielten.)“


Aus„Siebzehnter Jahresbericht über das Realprogymnasium zu Guhrau“

von Dr. Feodor Rhode, Rektor, Guhrau 1883


„Eröffnung des Schuljahres 24. April. Am 19. Mai wohnte der Königliche Provinzial-Schulrat Herr Dr. Slawitzky dem Unterrichte in einigen Klassen bei und überzeugte sich von der Beschaffenheit der vorhandenen Lehrmittel. Der Unterricht fiel auf höhere Anordnung aus: den 5. Juni (Erhebung der allgemeinen Berufsstatistik), den 25. Januar (Feier der silbernen Hochzeit des kronprinzlichen Paares). Am Nachmittage des 3. October wurde ein wurde ein Schulspaziergang nach Rützen gemacht. Am 10. März fand die Entlassungsprüfung unter dem Vorsitze des Kgl. Prov.-Schulrats Herrn Dr. Slawitzky statt; die beiden Sekundaner Benno Grunwald und Eberhard Liebeherr erhielten das Zeugnis der Reife, ersterer unter Dispensation von der mündlichen Prüfung. Ueber die oben erwähnte Angelegenheit (Am 9. Januar 1883 wird mitgeteilt, daß der Herr Minister durch Erlaß vom 18. December 1882 die Auflösung des hiesigen Realprogymnasiums genehmigt, in der Weise, daß Ostern 1883 die Sexta, Ostern 1884 die übrigen Klassen aufgehoben werden.) wird in dem nächsten Programm ein zusammenhängender Bericht erstattet werden. Das Schuljahr wird geschlossen werden Mittwoch den 21. März mit einem internen Schulaktus zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers, wobei der Rektor eine Ansprache halten wird. An demselben Tage erhalten die Schüler ihre Censuren. Die feierliche Entlassung der beiden Abiturienten wird sich an das öffentliche Examen anschließen.“