Kreis Guhrau / Schlesien


Die Evangelischen während der Gegenreformation


letzte Änderung: 08.10.2001


Aus den Kirchenvisitationsprotokollen von 1679 und 1687:

Guhrau 1687: Die meisten sind Ketzer. Sie halten die Feste. Die Katholischen besuchen die hiesige Kirche eifrig; die Ketzer meiden sie. Sie gehen in lutherische Gotteshäuser eine Meile weit nach Rützen und Geischen. Guhrau hat ca. 300 Bürger, von denen kaum der 3. Teil katholisch und auf den Dörfern, ausgenommen die unständigen Familien, 6 oder 7 Gärtner katholisch.

Altguhrau 1687: Hier besteht weder ein Pfarr- noch ein Küsterhaus. Die Kirche wird seit 28 Jahren durch einen Kaplan versorgt. Die Pfarrkinder sind meist Ketzer. Sie halten die Feste, besuchen an den Tagen, wo hier das Hochamt gefeiert wird, die Kirche; an anderen Tagen gehen sie nach Rützen.

Tschirnau 1687: Die meisten sind Ketzer. Sie meiden die Kirche, gehen mit Taufen und Hochzeiten nach Schlemsdorf und Geischen.

Katschkau: Außer zweien sind alle Ketzer. Sie halten die Feste, besuchen gelegentlich die Kirche, gehen mit den Taufen nach Schlemsdorf und Bojanowo.

Graben 1687: Beerdigungen werden vom Pfarrer nicht begleitet, da sie sich selbst beerdigen. Er bekommt trotzdem von der Beerdigung einen Taler oder rhein. Gulden. Ein lutherischer Ökonom verwaltet die accidentien. Dieser war so kühn, daß er sich Pfarrkaplan nannte. Der Visitor befürchtet, daß er in seinem Hause Zusammenkünfte hält und aus der lutherischen Postille liest, was er aber nicht erfahren konnte.

Schabenau 1679: Die Pfarrkinder besuchen die eigene Kirche nicht; alle gehen außerhalb des Herzogtums zu den Ketzern zum großen Schaden der eigenen Kirche. Der Pfarrer erteilt keinen Katechismusunterricht. Er zählt nur 17 Katholiken unter seiner Herrschaft. 25 Osterkommunikanten.

Gleinig: Die meisten sind Ketzer. Sie halten die Feste, besuchen gelegentlich fleißig die Kirche.

Gr. Osten: Die meisten sind Ketzer. Sie halten zwar die Feste, verschmähen aber den Katechismusunterricht und den Gottesdienst, lassen ihre Kinder in Rützen taufen. Nur die Pfarrkinder von Neugut werden unter Strafe von der Herrschaft (Jungfernstift Glogau) gezwungen, die hiesige Kirche zu besuchen und die Kinder hier taufen zu lassen.

Konradswaldau: Katholisch sind die Pächter der Pfarräcker mit Frau und Kindern, der Rinderhirt mit Weib und Kindern und der eine oder andere Dienstbote.

Seitsch: Untersteht dem Kloster Leubus. Hier sind im Kirchspiel 2 Teile kath. und 1 Teil andersgläubig. Viele Ketzer besuchen die Kirche an Sonn- und Feiertagen. Einige gehen mit ihren Kindern auswärts zur Taufe, andere lassen hier taufen.

Als im Jahre 1654 die evangelischen Kirchen des Guhrauer Bezirkes eingezogen wurden, gingen die Gläubigen Sonntag für Sonntag meilenweit in die Kirchen des benachbarten Polen, nach Schlichtingsheim, Reisen, Schlemsdorf oder des Wohlauer Fürstentums nach Geischen und Sandewalde.