Tschirnau – Die Chronik

 

letzte Änderung: 21.05.2007

 

Zur Bedeutung des Namens Tschirnau.


1284

Aussetzung des Dorfes Tschirnau.


1376

Im Dorf Ober-Tschirnau wird eine Kirche erwähnt.


1492

Tschirnau gehört zum Besitz der Burggrafen zu Dohna.


1496

Papst Alexander XI. erhob die Kirche zur Ablaßkirche.


1513

Burggraf Heinrich von Dohna erhält als Besitzer der Tschirnauer Güter vom Kaiser das Recht zur Gründung einer Stadt nach deutschem Recht.


1538

Die Brüder Alexander und Balthasar I. Stosch kaufen das Gut Ober-Tschirnau für 12000 Dukaten.


1540

Bestätigung der Stadtrechte an Alexander und Balthasar I. von Stosch durch Ferdinand I.


1551

Tschirnau soll evangelisch geworden sein.


1583

Nochmalige Bestätigung der Stadtrechte an Balthasar II. von Stosch durch Kaiser Rudolph II.


1584

In der Zeit von 1584 bis 1600 wurde die Stadt auf dem Gebiet von 3 Bauerngütern zwischen Ober- und Nieder-Tschirnau errichtet.


1591

Die Stadt erhält eine Verfassung. Der Rat bestand aus dem Bürgermeister, 4 Ratmännern und dem Notar.


1593

Balthasar II. Stosch erbaut das Rathaus.


1596

Tschirnau wurde mit Wall und Graben befestigt.


1599

Das Ober-Tschirnauer Tor stand nur bis 1599.


1600

Um 1600 standen bereits 100 Häuser.


1606

eine Lateinschule in Tschirnau.


1610

Die evang. Begräbniskirche wird gebaut.


1612

Bestätigung der Stadtrechte durch Mathias.


1618-48 Dreißigjähriger Krieg


1619

Bau einer Orgel in der kath. Kirche durch Zacharias Friedel, Orgelbauer in Bunzlau.


1622

Bestätigung der Stadtrechte durch Ferdinand II.


1626

Am 27.Juli fielen 200 Mann von den Dänischen und Manßfeldischen Völkern hier ein und plünderten das Schloß.


1627

Kaiserliche Soldaten vom Merodischen (Nordischen) Regiment überfielen Gr-Tschirne zur Nachtzeit, wurden aber von der hier stehenden Salve Guarde abgetrieben.


1628

Im November verließ der größte Teil der Bürgerschaft die Stadt, weil sie befürchteten, daß der militärische Gewissenszwang auch sie treffen könnte.

Am 27.12. kam ein Fähnlein Lichtensteiner Dragoner und blieben bis 5.1.1629, ließen aber die Bürger in ihrer Religion, als sie 3800 Floren (=Gulden) erhielten.


1630

Vom 10. bis 20.1. lagen 150 Kaiserliche in der Stadt. Sie kamen noch einmal im April, September und Oktober.


1631

Die Gr-Tschirner mußten zur Verpflegung der in Guhrau liegenden Kaiserlichen 253 Taler 27 Groschen zahlen.


1632

Das Städtchen wurde durch abwechselnde Überfälle der Kaiserlichen, Schwedischen und Sächsischen Truppen hart mitgenommen.


1633

Schwedische, sächsische und brandenburgische Truppen ziehen durch die Stadt.

Im August kamen die bei Steinau geschlagenen Schweden und plünderten 2 Tage lang.


1634

Am 21. Mai plündern 15 Kaiserliche die adligen Häuser.

Am 5.Juni mußten die Tschirner wegen feindlicher Einfälle flüchten.

Am 8. Juni kam Obr. Stachniz mit seinen Truppen und plünderte die Stadt.


1635

Die Stadt muß 350 Rthl. an die Kaiserlichen zahlen.

Im Juli flüchten die Einwohner wegen der Annäherung der Sachsen und Schweden nach Polen. Am 19. Juli plündern 2 Kompanien die verlassene Stadt.

Am 12. November erpreßt der Kaiserl. Ober Wachtmeister Joach. Vogdt 607 Rthlr. von der Stadt.


1636

Um eine Plünderung der Stadt zu verhindern, liefern die Tschirnauer unter den Erbherrn Gebrüder von Stosch den in kaiserlichen Diensten stehenden Polen am 10.9.bei Katschkau ein Gefecht, in dem bei den Polen 2 Mann und 2 Pferde erschossen werden, die Stosch aber sämtlich gefangen werden.


1638

Am 2.2. früh 4 Uhr werden die Tschirnauer Schützen durch Trommelschlag unter die Waffen gerufen, um den Grundherrn Kaspar von Stosch, der sich in der Nacht mit seinen Hochzeitsgästen in die Stadt geflüchtet hat, gegen 100 fremde Kriegsreiter zu schützen.

Vom 1. bis 23.8. lag ein Kays. Obristens Leib-Kompagnie 50 Pferde stark in der Stadt.

Vom 7.10. bis 1.11. hat sich der Hauptmann Florens v. Mediger einquartiert.

Am 20.9. kamen 20 schwedische Reiter vor die Stadt und nahmen die Pferde mit.


1639

Im September vertreiben die Tschirnauer noch 25 schwedische Reiter, werden dann auch schwedisch.


1640

Der schwedische Obrist Lieutenant Friedrich Hofmann erpreßt 3000 Rthlr.

abwechselnde Überfälle der Kaiserlischen und der Schweden.

Am 20. März plündern 30 Mann vom Stahlhansischen Chor, welches in Guhrau einquartiert war.


1641

abwechselnde Überfälle der Schweden und Kaiserlichen.


1642

13.2. Überfall von 14 Reitern.

31.5. Überfall der Schweden.

Die Orgel soll durch Schweden zerstört worden sein.


1643

7.11. Plünderung von Kaiserlichen.


1644

Am 9. und 10.Oktober plündern die zu Guhrau in Kaiserlichen Diensten stehenden Polen die Tschirnauer Güter. Im selben Monat kamen die Schweden.


1645

mehrere Überfälle der Schweden.


1646

mehrere Überfälle der Schweden und Kaiserlichen.

Am 2.Juli traf der schwedische General Wittemberg in Tschirnau ein.


1653

8.12. Die Stadtkirche und die Begräbniskirche werden geschlossen.


1654

29. Januar Die Kirchen werden für den kath. Gottesdienst geöffnet.


1656

bekennende (ev.) Brüdergemeinde, kamen aus Lissa nach dem Brand 1656.


1692

Bestätigung und Erweiterung der Stadtrechte um 2 Roß- u. Viehmärkte durch Kaiser Leopold.

Der Landesälteste des Glogauer Fürstentums und des Guhrauer Kreises, George Abraham von Stosch, verpachtet seine Güter Ober Tschirnau, Ellguth, Neusorge, Sulkau und das Dorf Katschkau an den Amtmann Georg Dürrschmidt auf 3 Jahre.


1702

Erneuerung der Orgel.


1713

Seit 1713 gehörten die Güter Katschkau, Lestwitzhof, Neuvorwerk, Niederellgut, Neusorge, Sulkau, Ober-Tschirnau, ab 1793 auch Roniken, etwa 10.000 Morgen, der Familie von Lestwitz.


1723

Bestätigung und Erweiterung der Stadtrechte um einen 3. Jahrmarkt durch Karl VI.


1733

Gründung der Müllerzunft.


1736

Pest


1742

Neubau der evang. Kirche.

Brand in der Polnischen Vorstadt.


1743

17.2. Einweihung der evang. Kirche.


1744

Errichtung der Orgel durch Anton Jung, Orgelbauer zu Landeck.


1747

Bau des Pfarrhauses.


1756-63 Siebenjähriger Krieg


1758

Am 1.Juli kam ein russisches Kommando unter Befehl des Kosakenoberst Puschkanof nach Tschirnau, forderte 1500 Taler Brandschatzung und 15 Pferde, begnügte sich aber mit 300 Taler.


1759

Am 31. Mai wurden von einem russischen Kommando die Häuser geplündert, alles in denselben zerschlagen, die Mannespersonen grausam mißhandelt, die Weibspersonen geschändet, die Kirchen beraubt, ...

Am 18.6. verloren Russen ein Scharmützel gegen Preußen.


1761

Die ganze russische Armee unter Feldmarschall Graf von Buturlin zog durch die Stadt.


1771

11.7. Blitzeinschlag im Kirchturm.


1778

Carl Rudolf von Lestwitz erhält den für seine Stiftung notwendigen landesherrlichen Consens durch König Friedrich II.


1781

Garnison 1 Eskadron der grünen Husaren (bis 1787).

 

1785
Januar: Baron von Tschammer auf Nieder-Tschirnau und Quaritz stirbt.


1787

Es gibt 103 Wohnhäuser.

Garnison Husaren-Regiment v. Czettritz (bis 1794).


1788

König Friedrich Wilhem II. erneuert den Consens für die Stiftung von Carl Rudolf von Lestwitz.


1790

Es gibt 62 Tuchmacher und einen Tuchscherer.

Im Stadtgebiet gibt es 4 Windmühlen.


1791

Tschirnau, Ober -, dem von Lestwitz gehörig, enthält 1 Schloß, 1 Vorwerk, 1 Schulhaus, 18 Bauern, 15 Gärtner, 20 Häusler, 7 Mühlen, 27 andere Häuser, 507 Einwohner.

Tschirnau, Nieder-, Gutsbesitzer ist der Freiherr v. Tscharnmer, und es befinden sich hier 1 Schloß, 2 Vorwerke, 18 Dienstbauern 16 Frey-, 24 Dreschgärtner, 3 Häusler 5 Windmühlen, 16 andere Häuser, Summa 83 Feuerstellen mit 499 Einwohnern, mit Feldmühle.


1793

Das evang. Schulhaus wird erbaut.


1799

1799/1800 wird das neue Rathaus errichtet.


1801

Der Magistrat unterstützt die Stadt Rawitsch nach dem Stadtbrand mit 42 Taler 12 Silbergroschen 6 Pfennige. Weiter werden ein Viertel Scheffel Erbsen, etwas Graupe und 17 Brote gespendet.


1803

9.8. Karl Rudolph von Lestwitz, Besitzer von Gut Tschirnau u.a., stirbt und verfügt testamentarisch die Errichtung eines adligen Fräuleinstifts auf seinem Besitz.


1806

Die Schützengilde liefert 25 Gewehre an das Magazin in Glogau ab.


1813-1815 Befreiungskriege


1813

„Verzeichnis der in der Stadt Groß-Tschirnau eingesammelten Beträge: Vom Justiz-Commissions-Rath Hr. Fischbach 35 Rthlr., vom Wirtschafts-Inspector Hr. Kade 10 Rthlr., von der Frau Hofräthin Fülleborn 7 Rthlr., vom Pastor Hr. Schultz 5 Rthlr., vom Accise-Einnehmer Hr. Blumberg 5 Rthlr., vom Handelsmann Hr. Löwenstätt 6 Rthlr., vom Pfarrer Hr. Pohl 3 Rthlr., vom Senator Hr. Fiedler 3 Rthlr., von der Wittwe Handtkin 2 Rthlr., vom Kämmerer Hr. Hasenkrug 2 Rthlr., vom Rector Hr. Jäckel 1 Rthlr., vom Cantor Hr. Parchwitz 1 Rthlr., vom Fräulein von Haugwitz 1 Rthlr., vom Controlleur Hr. Kühn 1 Rthlr., vom Pachtbrauer Hr. Siemon 1 Rthlr., vom Tuchmachermittel 5 Rthlr., von den Bürgern und übrigen Einwohnern sind eingegangen 16 Rthlr. 10 sgl., von der Wittwe Nerlichin 1 Rthlr., Von diesen Beiträgen sind 35 Rthlr. einem Freiwilligen gezahlt, und für den Rest von 70 Rthlr. 8 gl. 100 ½ Elle graues Tuch angeschafft worden.“


1814

Tschirnau hat ein Grenz-Accise- und Zoll-Amt.


1815

29.9. Eröffnung eines adligen Fräuleinstifts auf dem ehem. Besitz von Karl Rudolph von Lestwitz (+1803).


1816

1.5. Das Accise-, Zoll- und Consumtions-Steuer-Amt Tschirnau wird dem steuerräthlichen Departement des Steuerraths Herrn Beudel zu Militsch zur Aufsicht und Revision zugeteilt.

Das Polnische oder Reisener Tor wird abgerissen.


1817

21.9. Brand im Dorf Ober-Tschirnau, durch Hilfe aus Ober-Ellguth und Triebusch, unter Leitung des dortigen Amtsmanns Martini, gelöscht.


1819

1.6. Das Accise-, Zoll- und Consumtions-Steuer-Amt wird aufgehoben und als Unter-Steuer-Amt, dem Haupt-Steuer-Amt Wohlau unterstehend, errichtet.

September: Der evangelische Schullehrer Carl Oswald Kahl in Kloptau wird Schullehrer in Groß-Nieder-Tschirne.


1820

Schulhaus vom Grundherr und Gemeinde erbaut.


1822

Februar: „Die zeitherigen Curatoren des evangelischen Fräulein-Stifts zu Groß-Tschirnau, Landrath Graf von Carmer und Freiherr von Richthofen, sind auf ihren Antrag von dem Curatorio entbunden und zu ihren Nachfolgern ernannt: der Freiherr von Stosch auf Gleinig und Graf von Röder auf Glumbowitz.“


1823

Die Begräbniskirche wird verlängert.

Die Tuch- und Wollwaren-Schau-Anstalt Tschirnau ist aufgehoben. Damit können dort hergestellte Tuche ohne öffentliche Beglaubigung in den Handelsverkehr gelangen.


1824

Gründung eines Vereins zur Unterhaltung einer Flachsspinn-Anstalt für arme Kinder, um sie nach den Schulstunden am Betteln zu hindern, mit 2 Lehrerinnen.

Die Zahlung der Stadt Tschirnau an die Schlesische städtische Feuer-Societät beträgt 224 Rtlr., 12 Sgr. 4 Pf., das Catastrum (Versicherungsbeitrag) 26.575 Rtlr. Für Tschirnau werden für 1823 keine Brandschäden angegeben.


1825

Die Krammarkt Cantate wird vom 1.5. auf den 2.5., der Krammarkt Laurent vom 7.8. auf den 8.8. und der Krammarkt Martini wird vom 6.11. auf den 7.11. (alle von Sonntag auf Montag) verlegt.

Die Zahlung der Stadt Tschirnau an die Schlesische städtische Feuer-Societät beträgt 76 Rtlr., 23 Sgr. 2 Pf., das Catastrum (Versicherungsbeitrag) 26.575 Rtlr. Es sind keine Brandschäden für 1824 angegeben.

Die Zahlung der Stadt Tschirnau zur Vergütung der Bombardements-Schäden der schlesischen Festungsstädte aus dem Jahr 1806 beträgt 240 Rtlr. 12 Sgr. 9 Pf.


1828

Zu den 3 Märkten gehört seit 1828 ein Viehmarkt.


1829

Das Nieder-Tschirnauer Tor wird abgerissen.


1830

Das Guhrauer, auch Ellguther Tor genannt, wird abgerissen.


1831

Ein Institut zur Erziehung und Besserung verwahrloster Kinder entstand, als ein Unbekannter dem evang. Pastor Schulz 50 Rtl. für diesen Zweck übersandte.


1838

Das massive kath. Schulhaus wird errichtet.

Seit 1.12. besteht eine kgl. Postexpedition.


1844

Das Schießhaus wird erweitert.


1845

Bau einer Stärkefabrik in Nieder-Tschirnau.

Nieder-Tschirnau: Besitzer Baron von Tschammer u. Quaritz, 91 Häuser, 3 herrsch. Vorwerke, 1 ev. Schule nur für den Ort, 1 Lehrer, 1 Wassermühle (Feldmühle genannt), 5 Windmühlen, 1 Walkmühle, 1 Brauerei, 1 Brennerei, 5 Handwerker, 1 Getreidehändler, 1247 Schafe (Schafe), 426 Rinder, 532 Ew.

Ober-Tschirnau: Besitzer von Lestwitz'sches Fräulein Stift, 110 Häuser, 1 herrsch. Vorwerk, 1 kath. Wiedmuth von Tschirnau, 9 Windmühlen, 1 Brauerei, 1 Brennerei, 7 Leinwebstühle, 11 andere Handwerker, 3 Händler, früher Erdäpfel-Anbau und Samenverkauf des Wirtschafts-Inspektor Wiester, 637 Ew.


Beschreibung der Stadt aus „Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien ...“ von J.G. Knie, 2. Auflage Breslau 1845:

Stadt, Reg. Breslau, OLG und Fürstentum bis 1809 auch Kammer-Departement Glogau und bis 1816 Reg.-Bez. Liegnitz. Als Mediatstadt erbaut seit 1515 mit Erlaubnis des böhmischen Königs Wladislaus durch Heinrich, Burggrafen zu Dohna, den damaligen Grundherrn, und noch jetzt civil und crim. unter dem herrsch. Stadt-Gericht und dem damit verbundenen Patrim-Gerichts-Amt der Groß- und Ober-Tschirnauer Stiftsgüter des von Lestwitz'schen Fräuleinstifts, Stadtrichter Hertel am Ort. Der das Städtchen umgebende Wall ist größtenteils abgetragen und gänzlich sind es seit 1830 die 3 Torschreiberhäuser an den 3 Toren: dem Guhrauer, dem Polnischen und Nieder-Tschirnauer, 1840 zählte man 103 Wohnhäuser, deren 90 noch hölzern, 60 Ställe, Scheuern etc., 15 öffentliche Gebäude, 798 Ew. (ev. 722, kath. 76), männl. 356, weibl. 442, in 148 Ehen. Unter den Bürgern mit dürftigem Nahrungsbetriebe sind nur 6 Ackerbesitzer, 80 Handwerker, unter diesen 3 Leinweber mit 5 Stühlen und 3 Tuchmacher mit 3 Stühlen (der letzteren waren 1814 noch 120 im Gange). Von 3 Bockwindmühlen gehören 2 zum Domin. Ober-Tschirnau, nur 1 zur Stadt, wo auch 1 Roßlohmühle, 2 Gasthäuser, 3 Schankhäuser, 6 Kaufleute, 2 Garnhändler, 23 Victualienhändler. Die übrigen Einwohner sind Wollspinner, Tagearbeiter und Ortsarme. 3 Jahrmärkte, mit jedem seit 1828 ein Viehmarkt verbunden, kein Wochenmarkt. In dem zu Ober-Tschirnau gehörenden, aber unmittelbar an die Stadt grenzenden, von einem Kanale umgebenden sehr schönen großartigen Schloße mit anliegendem weitläufigen Garten, ist der Sitz des von Lestwitz'schen evang. Fräulein-Stifts, welches Karl Rudolph von Lestwitz, den 27.8.1803 kinderlos gestorben, durch Schenkung seiner Güter Ober-Tschirnau, Katschkau, Roniken (hat ein sehr schönes Schloß und 2 Vorwerke), mit Friedrichshuld, Sulkau mit Neusorge und Nieder-Ellguth dahin errichtete, daß hier unter einer Äbtissin und einer Priorin mehrere evang. arme adlige Fräulein unterhalten und auswärts noch 13, jede mit 100 und resp. 50 Rtl. jährlich unterstützt werden, auch armen Studierenden werden Stipendien und Offizieren Unterstützung auf Beschaffung der Equipage gewährt. Die im Stift wohnenden Fräulein unterrichten Mädchen aus der Stadt und den Stiftsdörfern in weiblichen Arbeiten. Eröffnet wurde das Stift den 29.9.1815, anfangs mit 6 Fräulein, jetzt sind 10 im Stift und 16 werden außerhalb unterstützt. Ein neues Fräulein über diese Zahl kann nur dann eingeführt oder eine neue Stiftsstelle errichtet werden, wenn 6000 Rtl. erspart sind. Die gegenwärtigen Curatoren sind, unter Verantwortlichkeit an die kgl. Regierung, der Reichsgraf von Rödern zu Breslau, früher auf Glumbowitz und der Landschafts-Direktor von Tschammer auf Hochbeltsch. Außerdem bestehen noch bei dem Stifte 22 800 Rtl. Fond zur Unterstützung von Armen, an welche monatlich 25 Taler verteilt werden zur Bezahlung des Schulgeldes für arme Kinder, Verbesserung der Lehrer in der Stadt und auf den Stiftsdörfern, sowie zur Unterhaltung eines Stiftsarztes und freier Medizin für die Armen, welche ebenfalls Schenkung des edlen von Lestwitz sind. Eine 1833 von der Frau Obrist-Lieutenant v. Freitag, geb. v. Mauderode zu Löwenberg, für das Stift beabsichtigte Schenkung von 10 000 Rtl. ist nicht zur Perception gelangt.

Kirchen und Schulen der Stadt: Eine 1742 aus Fachwerk durch Albrecht von Lestwitz erbaute, am Sonntage Sexagesimä 1743 geweihte ev. Pfarrkirche ohne Turm innerhalb der Stadt unweit des Stiftsgebäudes, mit Pastor und Mittagsprediger, der zugleich Rektor der Schule, Patron die Kuratoren des von Lestwitz'sches Fräuleinstifts, keine Wiedmuth, eingepfarrt: Tschirnau (Stadt, Nieder, Ober), Ober- u. Nieder-Ellguth, Poln-Bortschen, Katschkau mit Lestwitzhof, Neuvorwerk zu Gabel, Roniken mit Friedrichshuld, Sulkau mit Neusorge und Waldvorwerk (Superint. Guhrau oder Herrnstadt), 1 ev. hölzerne Begräbniskirche und 1 gemauerte Gruft der Herrschaft Ober-Tschirnau, auf dem der Stadt zur Zierde gereichenden und gleich nördlich von ihr gelegenen Begräbnisplatze, den grüne Stacketten zwischen gemauerten Pfeilern umschließen und verschiedene schöne Denkmale schmücken, 1 Betstube der erweckten Seelen oder der seit 1789 vom Staate genehmigten Filial-Brüder-Gesellschaft zu Neusalz in 1 Privathaus am Markte, deren Unterhaltung von den Zinsen eines von dem Freiherrn von Lestwitz ausgesetzten Legats besorgt wird. 1 kath. massive Pfarrkirche auf dem sie umgebenen Gottesacker, war schon 1496 so im Rufe, daß Papst Alexander XI. sie zur Ablaßkirche erhob, der schöne Turm trägt 1 Uhr, das Geläute auf ihm ist simultan, Patron das von Lestwitz'sche Fräuleinstift und Domin. Nieder-Tschirnau, Pfarrer hat Wiedmuth, eingepfarrt: Stadt und Nieder-u. Ober-Tschirnau, Ober- und Nieder-Ellguth, Poln- u. Heinzebortschen, Neusorge und Neuvorwerk. als Gäste: Geischen, Porlewitz und Saborwitz, verbunden sind Gabel mit Teilkirche und Wiedmuth, zu der eingepfarrt Gabel und Sulkau, Katschkau mit Mutterkirche und Wiedmuth (eingepfarrt Katschkau, Roniken und Friedrichshuld) und deren Teilkirche Graben mit 2 Wiedm. und dem eingepf. Sallschütz, die Orte sämtlich zum Dezem verpflichtet, der aber jetzt ruht. 1 ev. Schule, das schöne Schulhaus ist massiv 1793 bis 94 mit 3 Eingängen durch v. Lestwitz erbaut, 3 Lehrer, Rektor zugleich Mittagsprediger, Kantor und noch ein Lehrer, Collat. das Kuratorium des Fräuleinstifts, eingeschult Ober-Tschirnau und Neuvorwerk. Die Schule hat 300 Rtl. Legat, die Zinsen auf Schulgeld Armer, nämlich 100 Rtl. Zugehörsches, 100 Rtl. Kantor Nerlichsches, 50 Rtl. Pohlsches und 50 Rtl. Reiselsches Legat, sowie Anteil an den Zinsen eines von Lestwitzschen Legats per 1000 Rtl. auf Freischule Armer und eines andern von 200 Rtl. auf Prämien Fleißiger für sämtliche Schulen des Ober-Tschirnauer Patronats, zu Tschirnau, Katschkau, Sulkau und Nieder-Ellguth. 1 kath. Schule mit 1 Lehrer, zugleich Kantor, das Schulhaus massiv erbaut 1838, Collat wie Kirche, eingeschult: die kath. Eingepfarrten incl. Sulkau, Gäste schicken die verbundenen Parochien Gabel und Katschkau erst mit dem 12ten Jahre, Inspekt. Guhrau, 2000 Rtl. Stiftung des 1835 verstorbenen Pfarrer Pohl auf Schulgeld und Bekleidung Armer, für jetzt noch im lebenslängliche Genuß einer im Testament bestimmten andern Person, 1 Flachsspinn-Anstalt für arme Kinder, um sie nach den Schulstunden am Betteln zu hindern, mit 2 Lehrerinnen, unterhalten durch einen Verein, besteht seit 1824, gibt 1 Silbergroschen für den Strähn Garn, Prämien für feines Gespinnst und wöchentliche Geschenke an Lebensmitteln, 1 Institut zur Erziehung und Besserung verwahrloster Kinder, entstanden seit 1831, wo ein Unbekannter dem dem evang. Pastor Schulz 50 Rtl. für den Zweck übersandte, welche von diesem nebst andern Gaben unter Mitwirkung von Frau Assessor von Seidlitz zur Höhe des statutenmäßigen Fonds von 700, jetzt schon von 800 Rtl. aufgesammelt sind. Ein Kind ist erzogen und entlassen, gegenwärtig eins in Pflege. Vorsteher sind der ev. Pastor, der Bürgermeister und der Stadtrichter. Ferner trifft man ein Hospital für Arme aus der Stadt und den Stiftsdörfern, 1 massives Rathaus für Magistrat und Stadtgericht, Versammlung der Stadtverordneten, 1 kgl. Post-Expedition seit dem 1.12.1838,1 evang. Pfarrhaus, 1 Totengräberhaus, beide hölzern, 1 massives kath. Pfarrhaus, 1 Bürgerschießhaus, 1 Spritzenhaus mit der Stadtwaage verbunden, 1 Röhrleitung und 3 Pumpen versorgen die Stadt mit Wasser. Der Ort, wie vermerkt, seit 1515 Stadt erhielt Rathaus und Rat erst 1586-88. Litt viele Plünderungen im 30jährigen Kriege, wo die Bürger oft nach Polen entflohen, desgleichen im 7jährigen Krieg. Russen verloren 1759 am 18.6. ein Scharmützel gegen Preußen. An die v. Lestwitz'sche Familie sind Stadt und Herrschaft bereit 1713 gekommen.

Filialgemeinde der Rongeschen Sekte (13 Familien).


1859

Die Kirche erhält ihren vorgebauten steinernen Turm.


1873

Die Begräbniskirche erhält einen Querchorumbau.


1883

Dem praktischen Arzt Dr. Peter Grobelny in Kobylin, Kr. Krotoschin, wird die kommissarische Verwaltung der Kreis-Wundarztstelle des Kreises Guhrau unter Anweisung des Wohnsitzes in Tschirnau zunächst für die Dauer eines Jahres übertragen.


1889

Das neue Schießhaus wird errichtet.


1894

Ober-Tschirnau: wie 1898

Nieder-Tschirnau: Besitzer: Eugen Freiherr von Tschammer-Quaritz, Majoratsherr auf Quaritz, Pächter: Arthur Freiherr von Tschammer-Quaritz in Quaritz, Inspektor: Schönwälder, sonst wie 1898


1898

Besitzer des Rittergut Ober-Tschirnau mit Sulkau, Neusorge, Neuvorwerk u. Nieder-Ellguth: von Lestwitz'sches Fräuleinstift, Verwalter: Insp. Jänisch, Rentmeister: Fordan, Fläche 1340 ha: 863 ha Acker, 143 ha Wiesen, 10 ha Weiden, 248 ha Holzungen, 18 ha Wasser, 68 ha Hofraum, Erdsteuer-Reinertrag 17433 M, Brennerei, Dampfmühle

Besitzer Rittergut Nieder-Tschirnau (zum Majorat Quaritz, Kr. Glogau gehörig): Eugen Frhr. von Tschammer-Quaritz, Majoratsherr auf Quaritz, Pächter: Arthur Frhr. v. Tschammer-Quaritz in Quaritz, Insp.: Hentschel, Fläche 525 ha: 300 ha Acker, 125 ha Wiesen, 74 ha Holzungen, 13 ha Weiden, 2 ha Wasser, 11 ha Hofraum, Grundsteuer-Reinertrag 6825 M, Stärkefabrik mit Dampfbetrieb


1904

Die Ostseite des Marktes brennt nieder.

In Tschirnau sind Etagenhaus-Neubauten folgender Bauherrn geplant: Kaufmann Kutzner, Sattlermeister Richter, Barbier Liebelt, Bäckermeister Jercke und Klempnermeister Bartsch. Ausführender aller Vorhaben ist Baumeister Methner aus Bojanowo.


1905

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.


1909

Nieder Tschirnau: Die Lehrerstelle an der evang. Schule wird zum 1.10. frei und soll wieder besetzt werden

Am 16.7.1909 wird ein Mietentschädigungs-Tarif für Volksschullehrer und Lehrerinnen festgesetzt:

Servisklasse IVd (Leiter von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen 200 M jährlich, andere Schulleiter und Lehrer 160 M jährlich, Lehrerinnen 110 M jährlich)

Tschirnau: Die dritte Lehrerstelle an der evang. Schule in Tschirnau ist frei und soll wieder besetzt werden.


1912

Die Kapelle auf dem evang. Friedhof wird neu geweiht.


1913

18./19.10. Einweihung der neuen Turnhalle.


1919

Die Gemeinde Nieder Tschirnau muß 3 ha (unbewohnt) an Polen abtreten.


1923

Gründung des Vereins für Bewegungsspiele.


1927

Im Frühjahr 1927 sandte Lehrer Grande, Kaltebortschen, Eisenschmelzklumpen von einer Fundstelle südwestlich von Tschirnau ein (etwa 500 – 400 v. Chr.). Sie stammen von einem dem Stiftsgut Tschirnau gehörigen Acker und wurden beim Tiefpflügen gefunden. Dicht dabei lag ein frühgermanischer Gefäßrest. Für das Heimatmuseum Guhrau zurückgestellt.


1945

22.1. Räumung der Stadt

25.1. Besetzung durch die Russen.

Verlust des Stadtrechts.