Die Dörfer im Kreis Guhrau

 

Ereignisse aus der Geschichte der niederschlesischen Dörfer Birkenhain und Sophienthal im Kreis Guhrau

 

1310 bis 1947

 

Erinnerung an die ehemaligen deutschen Einwohner und ihre Geschichte

 

Autoren:

Dr. Hermann Wandschneider

Ingeborg Wandschneider geb. Baumert (aus Birkenhain)

Bad Orb 2007

 

Zweiter Abschnitt

 

Slesow im Herzogtum Oels und unter der Herrschaft böhmischer und ungarischer Könige

(1312 – 1525)

*****

1312

Slesow kommt zum Herzogtum Oels

Schon im Jahre 1312 wurde das große Glogauer- Herzogtum in eine westliche und östliche Hälfte geteilt. In der östlichen Hälfte entstand das Herzogtum Oels. Dazu kamen die Städte Wohlau, Winzig und Herrnstadt mit ihren Weichbildern, die fast zwei Jahrhunderte mit dem Herzogtum Oels vereint blieben.[1]

Das Herzogtum Oels hatte sich ebenso wie andere schlesische Herzog-, Fürsten- und Teilfürstentümer im Jahre 1329 freiwillig unter die Lehnshoheit der Böhmischen Krone, unter die Herrschaft des damaligen Königs Johann von Böhmen gestellt. Allerdings war diese “freiwillige Unterstellung” Ergebnis der kriegerischen Auseinandersetzung um die Beherrschung der schlesischen Herzogtümer im Grenzbereich zu Polen zwischen dem König von Polen, Boleslaus, und dem König von Böhmen, Johann. Während Herzog Heinrich VI. von Breslau zur Abwehr der territorialen und ökonomisch-finanziellen Begehrlichkeiten des Königs Boleslaus den König von Böhmen zur Hilfe rief und sein Land an die Böhmische Krone abtrat, hatten sich die Herzöge von Steinau, Sagan und Oels mit Boleslaus gegen Johann verbündet. So führte die kurzzeitige Liaison der drei schlesischen Herzöge mit Boleslaus zur Unterwerfung unter das Böhmische Königshaus. Das gleiche Schicksal ereilte zunächst den Herzog von Glogau und nach und nach, in nur wenigen Jahren die Herzöge von Münsterberg, Schweidnitz und Jauer.

Der Prozess der Unterordnung aller Teile Schlesiens unter die Herrschaft des Böhmischen Königshauses war etwa 1368 vollendet. Schlesien gehörte seitdem zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und war somit auch an Deutschland mittelbar gebunden. Der polnische König Kasimir III von Polen hatte zwischenzeitlich, in dem - am 24. August 1335 unterzeichneten und im Jahre 1339 ratifizierten - Vertrag von Trentschin (Ungarn) „auf alle Ansprüche auf die unter böhmische Lehnshoheit oder in unmittelbare Landesherrschaft des Königs von Böhmen getretenen schlesischen Gebiete“ verzichtet.[2]

1375

Slesow gehört für längere Zeit zum Herrnstädter-Weichbild – Wandlung des Dorfnamens von “Slesow” zu “Schlaswiz”

Slesow verblieb nach der Bildung des Herzogtums Oels und seiner Unterstellung unter die Lehnsoberhoheit der Böhmischen Könige zunächst noch im Guhrauer Weichbild und so im Herzogtum Glogau. Erst nach der Schaffung des Weichbildes von Riczen (Rützen), dass sich bis nach Lübchen hinzog und so das Guhrauer Weichbild im Süden geographisch “zerschnitt”, wurde Slesow in das Weichbild der Stadt Herrnstadt und damit in das Herzogtum Oels eingeordnet. Das dürfte um 1375 gewesen sein. Das Herrnstädter-Weichbild schloss in dieser Zeit in seinem südlichen Grenzbereich noch das 2 ½ km von Slesow entfernt liegende Gimmel in sich ein.

Nicht nur die Zugehörigkeit des Dorfes zu den Weichbildern wechselte im 14./15. Jahrhundert, auch der Dorfname “Slesow” machte in der Zeitspanne nach 1310 eine Wandlung zu demNamen “Schlaswiz” und später zu “Schlaschwitz” durch.

Bemerkenswert ist, dass noch im Jahre 1941 das Grundbuchamt beim Amtsgericht Herrnstadt die gesamte Gemarkung des Rittergutes Sophienthal mit den Dörfern Sophienthal und Tscheschenheide (1936 in Birkenhain umbenannt) unter dem Grundbuchtitel “Gutsbezirk Schlaßwitz” geführt wurde. Das Rittergut Sophienthal trug die Grundbuchbezeichnung “Schlaßwitz Gut”. Die Grundstückseigner aus den Dörfern Sophienthal und Birkenhain waren ebenfalls unter gesonderten Seiten im Grundbuch “Gutsbezirk Schlaßwitz” erfasst.[3]

Dieser Sachverhalt weist darauf hin, dass ganz offensichtlich über Jahrhunderte die amtliche Bezeichnung des Grund und Bodens des Areals des Dorfes in den Grundbüchern nicht geändert wurde.

Weder der vielfache Wechsel der Grundbesitzer, noch die mehrfache Umbenennungen des offiziellen Dorfnamens [von Schlaswiz/Schlaswitz - zu Tscheschen Heyde (17.Jahrhundert) - zu Tscheschenheyde (um 1740) - zu Tscheschenheide (19.Jahrhundert) - zu Birkenhain (1936)] führten zur Änderung des Flurnamens des Areals in den Grundbüchern. Auch die Errichtung des Rittergutes Sophienthal (in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts) änderte daran nichts. Es blieb bei der Grundbuchbezeichnung “Schlaschwitz” bzw. “Schlaßwitz”.

15./16. Jahrhundert

Über Erschwernisse in der Entwicklung der Dörfer im „Zwischenstromland“ zwischen Oder und Bartsch und den Kampf ihrer Bewohner um ihre Existenzsicherung

War die Landnahme, das Siedeln in diesem damals noch nicht kultivierten, nicht urbanen und überdies unsicheren Landstrich schon ein riesiges Wagnis für die herbeigerufenen Siedler, Bauern und Landarbeiter, so forderten der Aufbau, die Entwicklung und der Erhalt der gegründeten landwirtschaftlichen Existenzen den Menschen unermessliche Anstrengungen, Leistungen und Opfer ab, die viele auf Dauer nicht erbringen konnten.

Die Gewalten der Natur, besonders die Hochwasserüberflutungen von Oder und Bartsch und andere Naturkatastrophen setzten ihren landwirtschaftlichen Besitz, ihre Wohnhütten und Stallungen immer wieder unter Wasser oder vernichteten die Ernte. Wiederkehrende Dürrejahre und eisige, lang andauernde Winter vernichteten ebenso viele Existenzen. Hungersnöte und Epidemien wie Pest, Cholera u. a. brachten ungezählten Menschen im Guhrauer und Wohlauer Land in damaliger Zeit den Tod.

Andere Siedler, die den Naturgewalten nicht standhalten konnten, oder aus anderen wirtschaftlichen Gründen in die Zwangslage gerieten, ihre Abgaben und Pflichten gegenüber den Grundherren nicht mehr zahlen bzw. erfüllen  konnten, verloren ihren bäuerlichen Besitz und mussten sich bei den Grundherren als besitzlose Untertanen verdingen.

Häufige Kriegshandlungen in diesen Gebieten vernichteten ebenfalls viele Existenzen. So wurde Schlesien durch den Einfall der Hussiten und deren Raubzüge besonders in den Jahren 1425 bis 1434 immer wieder verwüstet. „An dem Scheiterhaufen zu Costnitz, wo Jan Hus 1415 verbrannt worden war, entzündete sich die Fackel des Hussitenkrieges, welcher 15 Jahre lang Böhmen und seine Nachbarländer, darunter besonders Schlesien zerfleischte.“[4] Diese Kriegshandlungen erreichten auch das Guhrauer- und Wohlauer Land.

Chronisten berichten über große Verwüstungen, Raub und menschliches Leid im Bereich der Orte Winzig, Steinau, Gimmel und Herrnstadt, besonders in den Jahren 1428 und 1432. Am 29. Juni 1432 fielen die Hussiten in die von Schlaswiz nur ca. 11 km entfernt liegende Stadt Winzig ein und brannten sie nieder. Ein solches Schicksal widerfuhr am selben Tag auch dem Kloster Leubus. Nachdem Winzig in Flammen aufgegangen war, zogen die Hussiten-Krieger weiter. Sie dehnten ihre Raubzüge auf das nähere und weitere Umland von Winzig und Herrnstadt aus. Das bedeutete, dass Schlaswiz und weitere benachbarte Dörfer ebenfalls betroffen gewesen sein dürften.

Die nächsten Kriegshandlungen ließen nicht lange auf sich warten. Vier Jahrzehnte später waren es kriegerische Auseinandersetzungen, die nach dem Tod des seit 1458 regierenden Königs von Böhmen, Georg von Podiebrad, im Jahre 1471 um seine Nachfolge zwischen Matthias Corvinus - König von Ungarn - und dem zum König von Böhmen gewählten polnischen Prinzen Wladislav entbrannten. „Der Krieg zwischen beiden tobte in Schlesien, und das Fürstentum Oels hatte viel zu leiden; doch Matthias ging daraus als Sieger hervor. Als die Polen 1474 bei Steinau über die Oder nach ihrer Heimat zogen, wurde auch die Winziger Gegend von diesen Horden berührt, die mit Brennen und Morden überall wüteten.“[5] Die Herrschaft des ungarischen Königs und Königs von Böhmen, Matthias Corvinus, dauerte bis zu seinem Tode im Jahre 1490.

Danach herrschte sein langjähriger Widersacher, König Wladislav (1490-1516), über Schlesien. Ihm folgte König Ludwig (1516-1526).

In dieser Zeitspanne gab es im Bereich der Standesherrschaft Militsch mit Rützen, Winzig und Herrnstadt einen mehrfachen Wechsel der regionalen Herren, der Besitzverhältnisse, von denen auch Schlaswiz – als Teil des Herrnstädter-Weichbildes - betroffen war.[6] So schenkte König Wladislav von Böhmen diese Standesherrschaft seinem Kämmerer, dem Freiherrn Sigismund von Kurzbach. Als dieser 1513 starb, teilten sich seine beiden Söhne Johann und Heinrich von Kurzbach dieses Erbe. Im Jahre 1525 verkauften sie Herrnstadt, Winzig und Rützen an Herzog Friedrich II. von Liegnitz-Brieg-Wohlau.

 

zurück zum Inhaltsverzeichnis


[1] Richard Juhnke,  Wohlau Geschichte des Fürstentums und des Kreises, 1965, Holzner Verlag, Würzburg, S. 21, 88 ff.

[2] Siehe: Winfried Irgang, Werner Bein, Helmut Neubach: Schlesien – Geschichte, Kultur und Wirtschaft, 1995 Köln, Verlag Wissenschaft und Politik, (Historische Landeskunde, Deutsche Geschichte im Osten, Band 4, Herausgegeben von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen), S. 47.

[3] Siehe: Urkunde, Amtsgericht Herrnstadt, 21. 11. 1941, Geschäftsnummer. Schlaßwitz Gut, Am 17. November 1941 ist der Landwirt Karl Wiedenroth in Sophienthal Kreis Guhrau auf Grund der Auflassung vom 8. November 1941 als Eigentümer der in Sophienthal und Birkenhain gelegenen im Grundbuche von Schlaßwitz Gut Sophienthal Band I Blatt 1, Birkenhain Band I Blatt 25, bisher auf den Namen des Landwirts Hellmuth Schiller in Sophienthal eingetragenen Grundstücke in das Grundbuch eingetragen worden. Original der Urkunde bei Dr. Henning Wiedenroth in Würzburg; Kopie bei den Autoren.

[4] Heinrich Schubert, Chronik der Stadt Winzig, 1914, Winzig, Druck von W. Petzold, Inh. Fritz Petzold, Verlag Magistrat, S. 17 f.

[5] Ebenda, S. 19.

[6] Siehe: Internetseiten von Dirk Steindorf-Sabath: Stadt und Kreis Guhrau - Die Städte – Herrnstadt -http://dirk.steindorf-sabath.com/guhrau.html