Die Dörfer im Kreis Guhrau

 

Ereignisse aus der Geschichte der niederschlesischen Dörfer Birkenhain und Sophienthal im Kreis Guhrau

 

1310 bis 1947

 

Erinnerung an die ehemaligen deutschen Einwohner und ihre Geschichte

 

Autoren:

Dr. Hermann Wandschneider

Ingeborg Wandschneider geb. Baumert (aus Birkenhain)

Bad Orb 2007

 

Vierter Abschnitt

 

Tscheschen Heyde und Sophienthal im preußischen Schlesien und im deutschen Kaiserreich

(1740 – 1918)

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1740 - 1745

Tscheschen Heyde mit seinen herrschaftlichen Vorwerken  in der nun preußischen Provinz Schlesien

1740/1741 besetzten die Truppen des Preußenkönigs Friedrich II., „Friedrich der Große“ genannt, in wenigen Monaten ganz Schlesien und sicherten im Verlauf des Ersten Schlesischen Krieges (1740 bis 1742) die preußische Herrschaft in Schlesien. Die Herrschaft des österreichisch-habsburger Kaiserhauses in Schlesien ging zu Ende. Preußen konnte dadurch eine ökonomisch leistungsfähige und geistig-kulturell entwickelte Provinz erobern und so sein Staatsgebiet um mehr als ein Drittel vergrößern. Damit hatte Preußen wichtige Vorraussetzungen dafür geschaffen, seine seit langem angestrebte “Eingliederung... in die Reihe europäischer Großmächte”[1], zu erreichen. Um die Ergebnisse des Ersten Schlesischen Krieges gegenüber Österreich und anderen europäischen Mächten abzusichern, begann Preußen 1744 den Zweiten Schlesischen Krieg und siegte im Jahre 1745. Der “... Dresdner Friede vom 25. Dezember 1745 bestätigte den preußischen Besitz Schlesiens. Internationale Garantien im Rahmen des Aachener Friedens (1748) sowie eine Reichsgarantie von 1751 sollten auf Wunsch Friedrichs zur Sicherung seiner Herrschaft in Schlesien beitragen. In all diesen Verträgen war jedoch bereits der Keim für neue Konflikte gelegt...”[2]

Das nun schon mehr als 500 Jahre existierende Schlesien mit seiner überwiegend deutschen, deutschrechtlichen Prägung wurde seit 1740 in das königlich-preußische Staatswesen eingeordnet. Eine neue Struktur der Macht- und Verwaltungsorgane entstand. Im Zuge dieser Maßnahmen erfuhren die politische Rolle und die Machtpositionen der Großgrundbesitzer in der Wirtschaft, im Staatsgefüge und vor allem im Militär eine beträchtliche Stärkung. Sie bildeten künftighin eine wichtige stabilisierende Säule in der preußischen Provinz Schlesien. Für die Formierung der nun preußischen Provinz waren die sich vor allem nach den drei schlesischen Kriegen herausbildende überwiegend freundliche Haltung von größeren Teilen der Bevölkerung in den überwiegend protestantischen Gebieten in Nordschlesien zum preußischen Königshaus und die eingeleiteten Reformen in der staatlichen Organisation und verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen von Wichtigkeit.

Zunächst wurden die zwei Regierungs- und Verwaltungsgebiete Breslau und Glogau gebildet. Kurze Zeit später wurde ein drittes in Oberschlesien - mit Oppeln als Sitz der neuen Verwaltungsbehörden - aufgebaut. Sie wurden von so genannten Kriegs- und Domänenkammern geleitet. Zur Verwaltung der ländlichen Kreise wurden Landratsämter eingerichtet und von Landräten geführt. In seinem Buch “Wohlau/ Geschichte des Fürstentums und des Kreises” aus dem Jahre 1965 schreibt Richard Juhnke: “Der Glogauer Bezirk wurde in 16 Kreise eingeteilt. Aus den bisher im Fürstentum vorhandenen sechs Kreisen entstanden die beiden Kreise Steinau und Wohlau... Der Kreis Wohlau umfasste die bisherigen Kreise Wohlau, Winzig, Herrnstadt und Rützen, erhielt dazu die Orte des Pogeler Halts und die Dörfer Krehlau und Kl. Bauschwitz des Preichauer Halts.”[3] Damit gehörte jetzt Tscheschen Heyde (weiterhin auch Schlaßwitz bzw. Schlaschwitz genannt) mit seinem im Ortsbereich liegenden herrschaftlichen Vorwerk und dem zweiten herrschaftlichen Anwesen “Sophienthal” zum Kreis Wohlau. Diese Veränderungen in der Verwaltungsstruktur wurden nach 1742 wirksam.

Die evangelischen Christen aus Tscheschen Heyde verblieben weiterhin in der evangelischen Kirchengemeinde Gimmel und hatten so ihre Kirche und ihren Pastor Helwig, ab 1746 Pastor Donndorf, in unmittelbarer Nähe.

Die katholischen Gläubigen hingegen hatten den weiten Weg nach Herrnstadt, später nach Köben, zurückzulegen, wenn sie ihre kirchliche Heimstatt aufsuchen wollten. Zum Kirchgang nach Köben gehörte dann das Übersetzen über die Oder mit Hilfe einer Fähre vom Fährkretscham zur Stadt Köben.

Abb. 6 - Blick auf die Oder und Köben in der Nähe der Fährüberquerungsstelle

Die Kopie dieser Ansichtskarte stellte Tomasz Mietlicki aus Glogów zur Verfügung.

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 1757

Der Siebenjährige Krieg erreicht Sophienthal und Tscheschenheyde – “Friedrich der Große” in Sophienthal

Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763) – auch dritter schlesischer Krieg genannt - erfasste im Jahre 1757 unmittelbar die Kreise Guhrau, Steinau und Wohlau. So gerieten die Einwohner der Gebiete um Winzig, Gimmel und auch von Tscheschenheyde sowie des nun schon existierenden, neu erbauten Schlosses Sophienthal in den Strudel der Kämpfe zwischen den Preußischen Truppen und der Armee der Österreicher (der Kaiserlichen) und deren Verbündete. Sie hatten vor allem unter den zu dieser Zeit mit den Kaiserlichen verbündeten russischen Truppen zu leiden.

Im Oktober/November 1757, zu Beginn des Krieges, besetzten die österreichischen Truppen die Oderstadt Steinau. Sie jagten die preußischen Beamten aus den Ämtern und errichteten ihre Militär-Administration im Steinauer Gebiet. Diese trieb hohe Steuern und Lieferungen für die österreichischen Truppen in maßlos hohen Mengen ein und zwang die Bevölkerung zur Huldigung der Kaiserin von Österreich, Maria Theresia. Diese kurze aber für die Bevölkerung verlustreiche Episode fand mit dem Sieg der preußischen Truppen unter König Friedrich II. bei Leuthen ihr Ende.

Schlimmer traf es die Niederschlesier rechts und links der Oder in den folgenden Kriegsjahren. „Im Jahre 1759 begannen die Leiden der Bevölkerung durch russische Truppen. Ein russisches Korps unter General Tottleben hatte in Hünern bei Winzig sein Hauptquartier aufgeschlagen.“[4] Die Kosaken durchstreiften das gesamte Gebiet links und rechts der Oder und terrorisierten die Menschen, plünderten die Städte und Dörfer.

Am 10. Oktober 1759 brannten russische Truppen die Stadt Guhrau völlig nieder. Zwölf Tage später schossen sie Herrnstadt in Brand und brandschatzten in einer Reihe von Dörfern des Umlandes. Allerdings konnten sie von hier aus nicht über die Bartsch in südliche Richtung vordringen. Einheiten des Preußischen Heeres hatten im Oktober 1759 die Oder bei Köben überquert, um die Bartschlinie zu halten. Die preußischen Truppen bezogen bei Lübchen und im Bereich des Rittergutes Sophienthal ihre Lager. Auch auf den nahe gelegenen Höhen bei Hünern waren starke Kräfte der preußischen Truppen in Stellung gegangen und verhinderten das weitere Vorrücken der sich im Winziger Raum festgesetzten russischen Truppenteile in nördlicher Richtung.

Bei dieser Gelegenheit kam der Preußische König “Friedrich der Große” nach Sophienthal. Er hatte in seinem Köbener Hauptquartier einen schweren Gichtanfall erlitten und musste seine Leiden kurieren. Dafür schien ihm das Schloss, das neu errichtete große Herrenhaus auf dem etwas abseits von Tscheschenheyde gelegenem Areal der entstehenden Anlagen des künftigen Rittergutes Sophienthal ein geeigneter und sicherer Ort zu sein. Allerdings trat keine wesentliche gesundheitliche Besserung seines Leidens ein. Deshalb ließ sich der König Anfang November 1759 in einer Sänfte zum Fährkretscham transportieren und - nach dem Übersetzen über die Oder - zum Schloss Köben und weiter nach Glogau tragen.[5] So hatten auch die Einwohner von Tscheschenheyde für wenige Wochen ihren König ganz in ihrer Nähe. Ob sie es wussten, ist nicht überliefert. Aber dadurch, dass sich Friedrich II. hier aufhielt, konnten sich die Menschen in dieser Gegend wenigstens in diesen Wochen des Krieges einigermaßen sicher fühlen. Es kann sein, dass “Friedrich dem Großen” der Aufenthalt auf Rittergut Sophienthal in guter Erinnerung blieb.

Auch in den folgenden Jahren des Siebenjährigen Krieges waren die Gefahren für die im Wohlauer und Guhrauer Land geschundenen Menschen nicht gebannt. In den Jahren 1761 und 1762 drangen die noch mit Österreich verbündeten russischen Truppen mehrfach in diese niederschlesischen Gebiete mordend und plündernd ein. Die evangelische Kirchengemeinde Gimmel und ihren Pastor Samuel Christian Hofmann traf es besonders hart. Aus den Aufzeichnungen dieser Zeit, die Pastor Ernst Boy in seiner Schrift „Historische Nachrichten von Gimmel“  im Jahre 1804 verarbeitete, ergibt sich das folgende Bild über diese Leiden: „Auch erlebte Pastor Hofmann in Gimmel das traurige Schicksal des 7jährigen Krieges und desselben eine jämmerliche Theurung. Denn zu jetziger Zeit kostete der Scheffel Korn 16 Rtlr, ein Pfd. Rindfleisch 16 Böhmen, ein Quart Butter 16 Böhmen, ein Quart Bier 1 guten Groschen und so verhältnismäßig alle Lebensmittel. In diesem Kriege wurden nicht nur die Einwohner Gimmel’s jämmerlich geängstet und geplündert, sondern auch die Grundherrschaft angetastet und sogar die Kirche von verschiedenen Kirchengeräten beraubt. Auch Pastor Hofmann selbst wurde sehr gemißhandelt: Einige Russen warfen ihn einstmals einen Strick um den Leib, führten ihn zwischen Pferden, unter dem kläglichen Geschrei seiner Gemeinde zum Dorf hinaus, und droheten ihn ums Leben zu bringen. Doch aber wurde er durch eine Summe Geldes am Leben erhalten.“[6]

Was mag diesen Menschen wohl durch den Kopf gegangen sein, als in den ersten Apriltagen des Jahres 1762 die eben noch marodierenden russischen Truppen - die auf Grund der Vereinbarungen zwischen dem russischen Zaren und dem preußischen König gerade Bündnispartner geworden waren - nun als „Freunde der Schlesier“ durch Herrnstadt, Steinau und andere Ortschaften marschierten? - Doch was zählte nun noch das vorher erlittene Leid der Schlesier? Preußen siegte mit Hilfe der neuen Verbündeten über die Österreicher und deren verbliebenen Bündnispartnern. Der Weg zum schweren Wiederaufbau Schlesiens und ganz Preußens war frei. So konnte sich damals der geschichtliche Verlauf rasch ändern.

Übrigens blieb Pastor Samuel Christian Hofmann - nach seiner Rettung vor dem Erschießungskommando der Russen - seiner Kirchengemeinde und so auch den evangelischen Christen aus Sophienthal und Tscheschenheyde noch 17 Jahre treu. „Im Jahr 1778 den 5 ten August aber wurde er vor dem Altar vom Schlage gerührt, während er einen Leichen-Sermon hielt und die Worte betete: Komm, o Tod! Du Schlafes Bruder. Nach einigen Minuten gab er in der Sacristei seinen Geist auf. Sein Grab ist dicht an der Sacristei.“[7]

Abb. 7 - Frühere evangelische Kirche in Gimmel – März 1996

Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Frau Elly Richter geb. Nowak. Ihr Vater war der Häusler Wilhelm Nowak aus Sophienthal. Frau Richter, wohnhaft in Gräfenhain, widmete das Foto dieser Chronik mit den Worten: „Heimat bleibt immer Heimat!“

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 Sein Nachfolger war der in Kleinkotzen bei Liegnitz am 11. Juli 1752 geborene Pastor Ernst Boy. Er wirkte von 1779 bis 1791 als Pastor der evangelischen Kirchengemeinde von Gimmel, in die die Dörfer Tscheschen, Sophienthal nebst Schlaschwitz (Tscheschenheyde), Neuvorwerk und Schmögerle weiterhin eingepfarrt waren. Pastor Boy lebte – wie er schrieb - mit seiner „unvergesslichen Lehnsherrschaft und lieben Kirchengemeinde in der traulichsten Freundschaft und genoß unter ihnen manch herzliche Freudenstunden“[8] Aus diesen Aufzeichnungen geht jedoch auch hervor, dass er zum Beispiel mit der Herrschaft des Rittergutes Sophienthal nicht so ein gutes Einvernehmen hatte.

Pastor Boy war offenbar sehr darum bemüht, die im Jahre 1770 im Fürstentum Wohlau abgeschaffte Feier in der Christnacht in den evangelischen Gemeinden wieder einzuführen. Doch er scheiterte, trotz mehrmaligen Vortragens dieses ihm und seiner Gemeinde wichtigen Anliegens, beim kirchlichen Consistorio. Erfolgreich war er hingegen in seinem Bemühen, für die Kinder der Gemeinde, die das erste Mal am heiligen Abendmahl teilnahmen, dieses in einem gesonderten „aparten“ Gottesdienst am grünen Donnerstag zu feiern. Bis 1769 wurde dieses Ereignis immer erst am Karfreitag zusammen mit der gesamten Gemeinde begangen.

1765

Erste zuverlässige statistische Daten zu Tscheschenheyde

Nach den Kämpfen und Zerstörungen im Siebenjährigen Krieges normalisierte sich der Lebensrhythmus im preußischen Schlesien allmählich. Mit dem Wiederaufbau der Städte und Dörfer wurde gemäß der von Friedrich II. erlassenen Order unverzüglich begonnen. Die Verwaltungsarbeit war von den Zwängen des Kriegsrechtes, der Kriegsverwaltung und Kriegswirtschaft zu “befreien” und auf die Erfordernisse des Wiederaufbaus und des Übergangs zu einer längeren Friedensperiode umzustellen.

Durch erste umfangreichere “topographisch-statistische Erhebungen“ verschafften sich die königlichen Behörden in Breslau einen Überblick über die Situation in den Städten, Dominien, Rittergütern und Dörfern Schlesiens. Sie erarbeiteten eine Dokumentensammlung über die “Beschaffenheit des Landes“. Diese Aktenbestände der damaligen Königlichen Generallandschaftsdirektion Breslau überdauerten die Zeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von den polnischen Behörden in das Staatsarchiv der Stadt und Woiwodschaft Wroclaw überführt. Wissenschaftler der polnischen Akademie der Wissenschaften haben 1975 das ursprünglich in Handschrift verfasste Material zusammengestellt, bewertet, kommentiert und als Publikation herausgegeben.[9] Sie stehen seither der Forschung zur schlesischen Geschichte zur Verfügung. Der ursprüngliche deutsche Titel lautete:

„Grundsteuer- und Bevölkerungstabellen der schlesischen Dörfer um 1765“

Diesem Material legten die damaligen preußischen Behörden in Breslau die statistischen Daten des Grundsteuerkataster aus den Jahren 1743 bis 1748 zugrunde und verknüpften diese mit den in den Jahren 1763 bis 1764 erhobenen statistischen Werte und Zahlen zu den Besitz- und Eigentumsverhältnissen und zur ökonomischen und sozialen Lage um 1765. „Das Zahlenmaterial der Steuertabellen stammt aus verschiedenen Jahren. Es beginnt mit den Katasterangaben aus den Jahren 1743 – 1748 und schließt mit dem Verzeichnis der Großgrundbesitzer aus den Jahren 1863 – 1864. Die Hervorhebung des Katasterwertes der Güter, der Steuerproblematik, sowie der Tatsache, daß in die übrigen Rubriken dasjenige Material angenommen wurde, das direkt mit der Grundsteuer zusammenhängt, beweist, daß die Quellenschrift im Kreise der schlesischen Steuerbehörden und für ihre Zwecke entstanden ist.“[10]

So erlangen wir durch dieses Material erstmals auch einen detaillierten Einblick in die Besitzverhältnisse in Tscheschenheyde, in den Wert des Dominiums und in die Höhe der an die Königliche Staatskasse im Jahre 1748 zu zahlenden Steuern - bezogen auf den friderizianischen Kataster. Diese Statistiken vermitteln auch einen Einblick in die ökonomische und soziale Lage des Dorfes Tscheschenheyde mit seinem herrschaftlichen Vorwerk, seinem Dominium. Zugleich erfolgte so die Festlegung der vom Gutsbesitzer und den Dorfbewohnern zu zahlenden Steuern und anderer Abgaben an den Staat.

Im Jahre 1765 gehörte das Dorf Tscheschenheyde mit seinen beiden herrschaftlichen Vorwerken dem Rittergutsbesitzer Herrn von Haase. Offenbar residierte die Familie “von Haase“ aber schon vor dem Siebenjährigen Krieg, vor 1758, in Tscheschenheyde. Die zur Ritterschaft im Fürstentum Wohlau gehörenden Grundherren “von Haase”[11]  waren zu dieser Zeit auch im Besitz der Dörfer Ober- und Nieder-Rädlitz.

Die statistischen Dokumente vermitteln zugleich Informationen über den Wert des Grundbesitzes im Areal von Tscheschenheyde. Er belief sich nach den Eintragungen des Katasters (Catastro) auf 10.293 Rtl. (Reichsthaler). Die monatlich zu entrichtenden Steuern wurden für die direkten Gutsbesitzungen (Dominii) mit 12,51 Rtl. und für den vorhandenen Rustikalbesitz (Rusticalis) mit 2,81 Rtl. beziffert.

Der Rustikalbesitz befand sich überwiegend in der Verfügung von 13 Freileuten (Freigärtnern). Sie mussten zu dieser Zeit an den Gutsbesitzer Zinsen und die staatlichen Steueranteile zahlen und andere finanzielle sowie materielle Leistungen erbringen. Weiterhin lebten im Dorf Tscheschenheyde 8 Gärtner und 4 Häusler mit ihren Familien. Darunter waren 4 Handwerker. In Tscheschenheyde gab es demnach um 1765 keine Hüfner[12] oder Bauern.

1785

Hochwasserkatastrophe in den Niederungen um Gimmel

Im Mai 1785 wurde die Gegend um Gimmel von einer großflächigen Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Die Oder war wieder einmal über ihre Ufer getreten und mit allen ihren zerstörerischen Wassergewalten über die Menschen, Tiere, über Haus und Hof, Wiesen und Äcker hereingebrochen. Hiervon war offenbar auch das Areal von Tscheschenheyde betroffen.

Rückblickend auf dieses, mehrere Wochen andauernde Ereignis schrieb Pastor Boy aus Gimmel die folgenden Sätze nieder: „Auch grässliche Wasserfluten überschwemmten im Mai 1785 einen großen Theil der Gegend von Gimmel. Die mehrtest Dämme wurden gesprengt, fruchtbringende Felder, Wiesen und Gärten mit Sand überschüttet, verschiedne Menschen und Vieh ersäuft, und die eingepfarrte Nachbarschaft musste einige Wochen lang von der Kirche entfernt bleiben.“[13]

Es gehörte zum Lebensrhythmus der Menschen in dieser Gegend um Gimmel, in den nur etwa 7 km von der Oder entfernt liegenden Ortschaften Sophienthal und Tscheschenheyde mit dem Oderhochwasser zu leben und mit den Folgen der immer wieder eintretenden Hochwasserkatastrophen fertig zu werden. Soweit wie möglich trafen die Menschen dieser Gegend auch eine Reihe von Schutzmaßnahmen. So galt bei den Alteingesessenen in Tscheschenheyde die Erfahrung als Richtschnur ihrer Vorsorge: “Vor Feuer kann man weglaufen, vor den plötzlich hereinbrechenden Hochwasserfluten nicht!” Deshalb gehörte der hinter der Stallung mit Kiel nach oben aufgebockte Ruderkahn zum lebenserhaltenden Inventar mancher Gehöfte in Sophienthal und Tscheschenheyde. So „ruhten“ beispielsweise diese Utensilien aus schweren Hochwasserzeiten noch bis ins 20. Jahrhundert hinein auf den Höfen von Wilhelm Baumert und Ida Goletz geb. Fischer. Den alten Kahn hinter dem Stallgebäude des Hofes von Ida Goletz hatte noch deren Vater, Hermann Fischer, angefertigt. Der gelernte Zimmermann wusste von den Gewalten der immer wiederkehrenden Hochwasserfluten von Oder und Bartsch nicht nur aus Erzählungen seiner Vorfahren, sondern auch aus eigenem Erleben im heimatlichen Dorf.

1787

Das Koloniedorf Sophienthal wird errichtet

Nach dem Siebenjährigen Krieg, der zu großen Verwüstungen in Schlesien geführt hatte, begann in ganz Schlesien eine längere Periode des Wiederaufbaus. Zugleich wurde mit der Realisierung notwendiger Reformvorhaben in den Bereichen der Verwaltung, der Wirtschaft, der Bildung und der Wissenschaft begonnen. Offenbar gab es in diesem Zeitraum auch Veränderungen in der bisherigen Verwaltungsstruktur. Aus den historischen Untersuchungen von Richard Juhnke zum Fürstentum und zum Kreis Wohlau ergibt sich, dass in dieser Zeit im Fürstentum und im Kreis Wohlau die Rolle der Städte und deren Amtsfunktionen in Bezug der ihnen zugeordneten Dörfer und Güter gestärkt wurde.[14] Zum Kreis Wohlau gehörten demnach 1787 die Städte  Wohlau, Winzig und Herrnstadt und die in ihre früheren Kreisgrenzen eingeordneten Ortschaften und Rittergüter.

Die noch auf Geheiß des Preußenkönigs Friedrich II., mit seinem Edikt vom 28. August 1773 eingeleiteten Maßnahmen zur Ansiedlung von Landarbeitern, Bauern und auch von Handwerkern aus anderen Teilen Preußens und anderen deutschen Landesteilen in den ausgebluteten schlesischen Dörfern und in neu zu errichtende so genannte Koloniedörfer wurden nach seinem Tode zu Ende geführt.

Im Rahmen dieser landesweiten Aktion entstand in unmittelbarer Nähe des herrschaftlichen Schlosses Sophienthal das Koloniedorf Sophienthal. Im neuen Dorf Sophienthal, aber auch im alten Tscheschenheyde wurden in diesem Zeitraum weitere „Neubürger“ mit ihren Familien angesiedelt.

Weiterentwicklung von Tscheschenheyde und Sophienthal als einheitliche kommunal-politische und soziale Organisationsform

Tscheschenheyde mit dem abseits gelegenen Schloss Sophienthal einschließlich seiner neu errichteten massiven Gutsanlagen und dem in Tscheschenheyde seit Jahrhunderten vorhandenen kleineren herrschaftlichen Besitz sowie das neu entstandene Koloniedorf „Sophienthal“ gehörten einer Grundherrschaft.

Sie bildeten eine einheitliche kommunale, verwaltungsmäßige und soziale Organisation. Diese wurde zu dieser Zeit in den landrätlichen Verzeichnissen noch unter dem Namen „Tscheschenheyde“ geführt. Grundherr war nun der Oberamtmann, Hauptmann Gallinsky. Nach den „Beyträge(n) zur Beschreibung von Schlesien“, Bd. 7, von F. A. Zimmermann dürfte Gallinsky den Besitz in Tscheschenheide/Sophienthal von dem Vorbesitzer, Herrn von Haase, im Verlaufe der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts erworben haben.

Nach den bisherigen Recherchen befand sich die Grundherrschaft von Tscheschenheyde und Sophienthal bis etwa 1832 in den Händen von Gallinsky.[15] Nicht geklärt werden konnte bisher, seit welchem Zeitpunkt das in Tscheschenheyde gelegene herrschaftliche Vorwerk unter dem Rechtstitel eines Lehngutes geführt wurde. In der von Beyer verfassten „Statistisch-topographische(n) Uebersicht des Departements der Königlich Preußischen Regierung in Breslau“ aus dem Jahre 1819 findet sich eine solche Klassifizierung. Sie fand sich allerdings weder in den für die Autoren zugänglichen Dokumenten früherer Jahrhunderte, noch in solchen recherchierten Materialien, die sich auf die Besitzverhältnisse in Tscheschenheide nach 1832 beziehen.

Zur sozialen Struktur in den beiden Dörfern sind folgende Daten aus dem Jahre 1787 bekannt:

o       Danach lebten in Tscheschenheyde 139 Einwohner. Es gab 24 Gärtnerstellen und eine Häuslerei sowie zwei Gemeindehäuser.

o       Im Koloniedorf Sophienthal wurden zu diesem Zeitpunkt 46 Einwohner gezählt, darunter waren neun Gärtner.[16] Unterdessen hatte der Gutsherr eine Windmühle errichten lassen. Die Windmühle war unmittelbar hinter dem Ortsrand von Tscheschenheyde – Richtung Sophienthal – erbaut worden. Überliefert ist, dass zumindest drei Generationen der Familie Rose aus Tscheschenheyde/Tscheschenheide diese Mühle betrieben. Man nannte sie deshalb die “Rose-Mühle”.

o       Insgesamt lebten im Jahre 1787 in den beiden Dörfern Tscheschenheyde und Sophienthal 185 Einwohner.

o       Die vorliegenden statistischen Angaben zeigen, dass in der sozialen Struktur der Dörfer Tscheschenheyde und Sophienthal die 25 Gärtner mit ihren Familien einen dominierenden Platz einnahmen.

Charakteristika der Gärtner, Freigärtner und Häusler  in den schlesischen Dörfern

In der einschlägigen Literatur zur Regional- und Familienforschung in Schlesien, z. B. in der „Böhm - Chronik“, werden die Gärtner- und Häuslerstellen wie folgt beschrieben: „Die GÄRTNER hatten außer Haus, Hof und Garten nur wenig Ackerland. Sie besaßen verschiedenerlei Vieh, allerdings keine Pferde. Ihr Dienst für die Herrschaft bestand hauptsächlich in Handdiensten. Wegen der geringen Ertragsfähigkeit ihrer Stelle übten sie gewöhnlich nebenbei ein Handwerk aus; wenn sie keins beherrschten, verdingten sie sich als Tagelöhner. Die HÄUSLER hatten die kleinsten Rustikalstellen inne, denn zu einer Häuslerstelle gehörten nur Hof und Garten und so gut wie kein Ackerland. Zwar hielten die Häusler auch Vieh, vor allem Kleinvieh, sie konnten aber vom Ackerbau und von der Viehhaltung nicht leben und arbeiteten hauptsächlich als Handwerker, Tagelöhner oder Gutsarbeiter. Ihre Dienste für das Dominium bestanden aus Handdiensten, das heißt, sie mussten für eine festgesetzte Anzahl von Tagen mit einer bestimmten Anzahl von Familienangehörigen der Gutsherrschaft zur Verfügung stehen.“[17]

Diese von den Gärtnern und Häuslern und deren Familien für die Gutherrschaft zu leistenden „Handarbeiten“ waren eine Form der damals dominierenden Fronarbeit auf dem Lande. Sie mussten auch von den zahlreichen Kindern der Gärtner und Häusler, oftmals schon vor dem 10. Lebensjahr, geleistet werden.

Etwas günstiger waren die sogenannten Freileute, Freigärtner und Freihäusler gestellt. Sie waren allerdings zu dieser Zeit im preußischen Schlesien ebenso wenig „frei“ von der herrschaftlichen Untertänigkeit gegenüber dem Gutsherrn, wie die schlesischen Bauern oder die anderen Dorfbewohner. Die Fron unterschied sich nur in der Art und Weise, der von den einzelnen sozialen Gruppen zu erbringenden Leistungen. So hatten die „Freigärtner“ an die Gutsherrschaft vorwiegend Geldzins zu zahlen und Naturalabgaben zu leisten.

Wie viele der im Jahre 1787 in den Dörfern Tscheschenheyde und Sophienthal ansässigen 24 Gärtner sich in der „Vorzugsposition“ des „Freigärtners“ befanden, ist nicht genau bekannt. Berechtigt ist jedoch die Annahme, dass ebenso wie um 1765 die größere Anzahl der Gärtnerstellen in den beiden Dörfern von Freigärtnern, von „Besitzern“ von Rustikalstellen bewirtschaftet wurden. Immerhin waren die schlesischen Gutsherren durch das Edikt des Preußischen Königs zur Schaffung der Koloniedörfer verpflichtet, vorwiegend Freigärtnerstellen einzurichten. Für die Anlage einer solchen Stelle erhielten die Grundbesitzer 150 Reichsthaler Entschädigung aus der Staatskasse.[18]

Ihre Größe lag etwa zwischen 4 und 30 Morgen. Die in diesen Stellen angesiedelten „Kolonisten“ sollten keine Erbuntertanen, sondern freie Leute sein. Ihnen sollte es gestattet sein, nach Ablauf von drei Freijahren ihren Wohnort wechseln zu können, ohne Abzugsgeld zu zahlen. Ihre Kinder sollten vom Gesindezwangsdienst frei sein. Ins Land gerufene ausländische Freigärtner und deren mitgebrachten Söhne waren überdies vom Militärdienst befreit.

In den staatlichen, kirchlichen und städtischen Kolonien brauchten die Kolonisten kein Kaufgeld entrichten, erhielten Ackergerät, Vieh und Saatgetreide und ein Morgen der Fläche wurde auf Staatskosten gerodet. Nach acht Jahren hatten die Kolonisten einen jährlichen Grundzins zu zahlen und Holzhackerarbeiten im Walde zu leisten. In den von Grundbesitzern angelegten Dörfern bestimmten die Grundherren die Höhe des Grundzinses.

Die Siedler wurden jedoch hier später nicht selten in ihren Rechten beschränkt. Wir wissen nicht, inwieweit die Ereignisse der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 bis in den Nordosten Niederschlesiens wirkten. Doch zeitgeschichtliche Überlieferungen lassen erkennen, dass diese Vorgänge nicht ganz ohne Einfluss auf das Geschehen in den Dörfern blieben. Es kam allerdings nicht zu strukturellen Veränderungen in den sozial-ökonomischen Verhältnissen. Die Allianz zwischen dem Preußischen Königshaus und den Großgrundbesitzern, dem Landadel verhinderte tief greifende demokratische Wandlungen in den Dörfern.

Unter Wahrung der grundlegenden ökonomischen und politischen Interessen sowie Machtpositionen der Grundbesitzer, vor allem der Rittergutsbesitzer innerhalb des königlich-preußischen Staatsapparates, der Armee, der Wirtschaft etc. wurden nur partielle Verbesserungen für die Untertanen in den Dörfern zugelassen. Es wäre deshalb auch ein Trugschluss, die „Ablösungsverordnungen“ und “Reform-Edikte” des Preußischen Königs und seiner Regierung und die bis in die Güter, in die Dörfer reichenden praktischen Maßnahmen als reale „Bauernbefreiung“ in Schlesien zu betrachten. Besonders die soziale Lage, die Lebensverhältnisse der Landarbeiter der Dominien, der Rittergüter blieben erbärmlich.

Auch die Untertänigkeit blieb als wesentlicher Bestandteil feudaler Herrschaft weiterhin bestehen, wenn auch die schlimmsten Zwänge der Fronherrschaft in den Dörfern, vor allem für die Freileute im Laufe der Jahrzehnte gelockert wurden. Doch für alle Dorfbewohner blieb der Rittergutsbesitzer, der Gutsherr bis zum Jahre 1928 der Gerichtsherr aller Untertanen im Dorf.

Es handelte sich um die sogenannte Patrimonialgerichtsbarkeit, einer Form der niederen Gerichtsbarkeit. Sie „...war an den Besitz eines Gutes (patrimonium) gebunden“.[19] Vor dem Gutsherrn bzw. vor einem von ihm berufenen juristisch ausgebildeten Gerichtsdirektor wurden vor allem Eigentums-, Familien-, Erb- und Gutsherrenrechte aber auch strafrechtliche Delikte, wie Beleidigungen, Raufereien u. a. verhandelt und entschieden.[20] Der Rittergutsbesitzer, der Gutsherr übte überdies im Bereich seines Gutes, seines Gutsbezirks die Polizeigewalt aus.

Wie in den anderen schlesischen Dörfern konnten auch in Tscheschenheyde und Sophienthal die Freigärtner nach 1848 sich allmählich aus dem gutsherrschaftlichen System der persönlichen Abhängigkeit und Fron „herausarbeiten“. Durch Pacht von Wiesen und Ackerland, Kauf von Splitterflächen oder Land aus Konkursverfahren (Subhastation), Erbschaft und Einheirat konnten eine Reihe dieser Freigärtner ihren Besitz vergrößern und so ihre soziale Stellung in einem bescheidenen Maße verbessern. Allerdings war das ein lang andauernder und äußerst schwieriger Prozess, der sich über mehrere Generationen vollzog.

Dabei erforderten nicht nur die in dieser Region immer wieder hereinbrechenden Hochwasserkatastrophen von Oder und Bartsch den aufopferungsvollen Einsatz aller Familienmitglieder. Auch die schlechteren Bodenverhältnisse und die oftmals unzureichende Fruchtbarkeit von Ackerflächen verlangten den aufstrebenden Bauern und ihren Familien alles ab, erschwerten die Arbeit und das Leben beträchtlich. Hinzu kamen Zins-, Steuer- und Abgabenlasten. Auch das in dieser Zeit zu zahlende Schulgeld für die zahlreichen Kinder in diesen Familien zehrte an der Substanz, an den Existenzgrundlagen dieser Höfe und der Familien.

Zu den Familien auf einer Freigärtnerstelle gehörte auch die Familie Fischer.[21]

Ihr geschichtlicher Weg bis ins 20. Jahrhundert soll nachfolgend beispielhaft für die Entwicklungsverläufe und Leistungen aller Familien auf Freigärtnerstellen aus Sophienthal und Tscheschenheyde skizziert werden.

Die Anwesenheit der Familie Fischer und ihre Arbeit im Bereich von Sophienthal - Tscheschenheyde lässt sich zumindest bis in die Zeit des Entstehens des Koloniedorfes Sophienthal zurückverfolgen. Ihre anfänglich noch stark eingeschränkte Verfügung über einen „bescheidenen“ kleinen Hof mit den nur wenige Morgen zählenden Garten-, Acker- und Wiesenflächen wurden von den Nachkommen mit großer Zielstrebigkeit in kleinen Schritten über den Zeitraum der folgenden 150 Jahre zu einem einträglichen landwirtschaftlichen Betrieb vergrößert und entwickelt.

Zunächst ging das nur über Zupachtungen von kleinen Bodenflächen. Sie wurden deshalb vom Gutsbesitzer weiter gegeben, weil sie wenig Ertrag brachten oder durch ihre abgeschiedene oder durch Hochwasser gefährdete Lage für den Gutsbetrieb nicht effektiv zu bewirtschaften waren.

Wie sehr sich die Fischers und auch die anderen Familien mit der Bearbeitung des Bodens abmühen mussten, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass den Freigärtnern, Rustikalstellenbesitzern zur damaligen Zeit für die Garten-, Acker- und Wiesenbewirtschaftung außer einer Kuh keine anderen Zugmittel zur Verfügung standen. Da jedoch die hier und dort vorhandene Kuh vor allem zur Milcherzeugung für die große Anzahl der Kinder in den Familien erforderlich war, galt die menschliche Zugkraft der Familienmitglieder immer als das Mittel der ersten Wahl. Angemerkt sei in diesem Zusammenhang, dass fast alle Familien zur Milch- und Butterversorgung Ziegen hielten. Eine Ziege gehörte auch zur “Mitgift”, die die Braut in den Hausstand der Ehe mit einbrachte.

Obwohl die Familie Fischer schon früh das Privileg des Freigärtners hatte, reichte das, was nach Abzug der materiellen und finanziellen Leistungen für den Gutsbesitzer blieb, kaum für die große Familie zum Leben aus. Die unzureichenden Lebensbedingungen im Dorf zwangen häufig die Familien dazu, die heranwachsenden Söhne in die Handwerkerausbildung bzw. in Arbeitsverhältnisse in der näheren oder weiteren Umgebung zu schicken. Auch ein Teil der Töchter musste in herrschaftlichen Haushalten in den Städten - vornehmlich in Winzig, Wohlau, Köben, Guhrau, Breslau oder gar in Berlin - als Haushaltshilfen ein Arbeitsverhältnis aufnehmen. Allerdings mussten sowohl die Fischers – als auch die anderen Familien in Sophienthal und Tscheschenheide - beständig ausreichende Arbeitskräfte für das Gut vorhalten.

So kam es in der Familie Fischer dazu, dass der 1847 geborene Sohn Hermann Fischer  nach dem Besuch der Dorfschule zunächst den Beruf des Zimmermanns erlernte und sich den Wind der Fremde um die Nase wehen lassen musste. Als er dann gemäß dem damals in Schlesien noch geltenden „Jüngstenrecht“ die Rustikalstelle des Vaters übernehmen musste, kehrte er um 1870 mit seiner Braut, mit der am 24. Januar 1846 geborenen Auguste Merscher ins Dorf zurück. Die Hochzeit fand in Sophienthal statt. Auguste Fischer starb am 28. Januar 1914.

Aus den Überlieferungen der Familie ergibt sich jedoch, dass auch Hermann Fischer die sich rasch vergrößernde Familie nur dadurch „über Wasser“ halten konnte, weil er über mehrere Jahrzehnte neben seiner schweren landwirtschaftlichen Arbeit in Sophienthal auch weiterhin als Zimmermann im Gutsbezirk und im benachbartem Gimmel arbeitete. Das sicherte eine bessere Versorgung der zahlreichen Kinder und die erforderlichen finanziellen Mittel für die Vergrößerung des landwirtschaftlichen Besitzes. Dadurch wiederum konnte Hermann Fischer um 1870 in Tscheschenheide ein Grundstück erwerben und sich darauf ein eigenes Wohnhaus und die entsprechenden Stallungen selbst bauen. Insgesamt erblickten in diesem Haus zwölf Kinder der Familie Hermann Fischer das Licht der Welt. Der größte Teil der Familie verließ später das Heimatdorf.

Der 1876 geborene Sohn Karl Fischer brachte es bis zum Schmiedemeister und übernahm die Schmiede im Dorf Sophienthal. Er heiratete die aus Tscheschenheide stammende Bertha Goletz (*1881). Im Verlauf der Jahre von 1910 bis 1926 erblickten in der Familie von Karl und Bertha Fischer 1 Tochter und 6 Söhne das Licht der Welt. Der jüngste Sohn Fritz Fischer (*1907) trat in die beruflichen “Fußstapfen” seines Vaters und wurde ebenfalls Schmied.

Die 1882 geborene Ida Fischer, jüngste Tochter von Hermann Fischer und seiner Ehefrau Auguste, verließ nach der Beendigung der Dorfschulzeit Tscheschenheide, um in verschiedenen herrschaftlichen Haushalten in Breslau ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Jahre 1912 heirateten Ida Fischer und der in Sophienthal lebende Adolph Carl Goletz. Doch der Ehe und dem Glück der beiden war keine lange Zeit beschieden. Adolph Goletz gehörte schon bald zu den Gefallenen im Ersten Weltkrieg. Ida Goletz musste die beiden Kinder Alfred (*1912) und Frieda Goletz (*1915) alleine großziehen und zugleich nach der Erkrankung ihres Vaters, Hermann Fischer (+ um 1932), dessen Landwirtschaft, Versorgung und Pflege übernehmen. Sie brachte den Hof durch die schwere Zeit der Inflation zu Beginn der 20ziger Jahre, durch die Zeit der Weimarer Republik und zählte 1941 zu den angesehenen Landwirten des Dorfes. Sie übergab schließlich ihren Besitz in der Größe von ca. 8 Hektar an ihren Sohn Alfred Goletz.

Ähnliche Lebensabläufe lassen sich auch über die anderen langansässigen Familien aus Sophienthal und Tscheschenheide schildern. Immerhin schafften es vorwiegend die Nachkommen der Rustikalbesitzer, die von ihren Vorfahren übernommenen landwirtschaftlichen Anwesen in den Jahrzehnten von 1840 bis 1940 zu kleineren oder größeren Landwirtschaftsbetrieben zu entwickeln. Im Jahre 1940 gab es 29 Landwirte  in der Gemarkung der Gemeinde Sophienthal.

1806 - 1815

Tscheschenheyde und Sophienthal in der Zeit der Besetzung Schlesiens durch die Armeen Napoleons

Napoleons Truppen besetzten ab Herbst 1806 Schlesien. Die französische Besetzung dauert bis in die Zeit der Befreiungskriege 1812/1814 an. Sie endet faktisch mit dem Sieg der Truppen Preußens unter der Führung von Marschall Blücher über das französische Heer an dem schlesischen Fluss „Katzbach“ und mit der Rückeroberung Glogaus am 10. April 1814. An diesem Kriegsgeschehen war auch Maximilian Baumert - Vater des später in Tscheschenheyde arbeitenden Dorfschullehrers Adolph Baumert - als Adjutant Blüchers beteiligt.[22]

Die Zeit der französischen Besetzung wurde auch für die Bewohner von Tscheschenheyde und Sophienthal in den Jahren der “Franzosenzeit” zu einer nur schwer zu ertragenden Last. Sie mussten nicht nur die großen finanziellen und materiellen Lasten der französischen Besatzungsmacht und deren Verbündete mittragen, die Preußen und besonders auch den Schlesiern abpresst wurden. Sie waren ebenso ganz unmittelbar dem Treiben der französischen Soldateska ausgesetzt. Plünderungen, Vergewaltigungen von Frauen, Beschlagnahme von Fahr- und Transportmitteln waren keine Seltenheit.

Überliefert ist, dass der von Winzig kommende und an Tscheschenheyde sowie an dem Wirtshaus “Eichkretscham” in Richtung Norden führende Handels- und Verkehrsweg von den Armeen Napoleons während des Kriegszuges gegen Russland und auch nach ihrer Niederlage in der Zeit ihres Rückmarsches genutzt wurde.

Im Bereich des zu Tscheschenheyde gehörenden Wirtshauses „Eichkretscham“ soll sich über längere Zeit ein Versorgungs- und Nachschublager des französischen Heeres befunden haben. Noch Jahrzehnte danach, so wurde erzählt, sollen in diesem Areal immer wieder französische und andere „Schatzgräber“ angetroffen worden sein, die nach angeblich hier vergrabener napoleonischer Kriegsbeute suchten.

Verhielten sich die Bewohner dieser Gegend zunächst überwiegend „friedfertig“ und duldend, sollte sich das, wie überall in Schlesien, auch im Gebiet zwischen Bartsch und Oder bald ändern. Ganz allmählich entwickelte sich eine Stimmung der Empörung und des Widerstands gegen die französischen Besatzungstruppen. Noch vor Beginn des Befreiungskrieges gegen Napoleon soll es zu vereinzelten Widerstandsaktionen gegen französische militärische Einrichtungen und Angehörige der französischen Besatzungstruppen in der Umgebung von Sophienthal und Tscheschenheide gekommen sein.

Ob sie allerdings nach dem Abrücken der fliehenden französischen Truppen mit den in großer Anzahl durch das Guhrauer Land ziehenden Verfolger, mit den russischen Streitkräften glücklicher waren, ist fraglich. Immerhin musste die deutsche Bevölkerung über längere Zeiträume häufig große Mengen an Nahrung und starken Branntwein für die russischen Soldaten und ebenso Futtermittel für die Pferde des Militärs zur Verfügung stellen.

1818

Tscheschenheide und Sophienthal kommen zum Kreis Guhrau

Im Ergebnis des “Wiener Kongresses” (1814/15), der nach der Niederlage Napoleons den Friedensschluss in Europa herbeiführte, besiegelte und die Machtverhältnisse in Europa neu ordnete, konnte Preußen sein Territorium und seinen politischen Einfluss in Deutschland beträchtlich ausdehnen. Auch die Provinz Schlesien vergrößerte sich.[23]

Unter diesen günstigen Bedingungen begann in Schlesien nach Jahren des Ausraubens des Landes und des wirtschaftlichen Niedergangs, der Leiden der schlesischen Bevölkerung durch französische Besatzung und des Kriegsgeschehens eine längere Periode des Wiederaufbaus. Sie verlangte der Bevölkerung in Stadt und Land große Opfer und Arbeitsleistungen ab. Gemeinsames Ziel des Preußischen Königshauses, seiner Verwaltungsorgane, der Gutsherren, des Bürgertums und anderer Bevölkerungsgruppen war es, möglichst rasch ein modernes, wirtschaftlich starkes Schlesien zu gestalten. Vor allem die Arbeiter in den Städten, die Landarbeiter, die alten und kranken Menschen, hofften und drängten zunehmend auf eine Verbesserung ihrer dramatisch schlechten Lebenssituation und sozialen Lage.

Zum Programm der Stärkung der Machtstrukturen und des Wiederaufbaus in Schlesien gehörte vorrangig die Schaffung einer zuverlässig und effektiv arbeitenden Zivilverwaltung. Das schloss eine umfassende Verwaltungsreform in sich ein. Ihre Grundzüge wurden in der Verordnung der königlich-preußischen Regierung vom 30. April 1815 bestimmt.[24] Danach galt unter anderem für die Monarchie eine dreistufige Gliederung in Provinzen, Regierungsbezirke und Landkreise. Zunächst begann in der Provinz Schlesien der Aufbau von vier Regierungsbezirken – Breslau, Liegnitz, Oppeln und Reichenbach. Der Bezirk Reichenbach wurde jedoch aus “Sparsamkeitsgründen” schon 1820 wieder aufgelöst. Im Verlaufe dieser Jahre hörte das Fürstentum Wohlau auf zu existieren.

Im Regierungsbezirk Breslau erfolgte eine Neustrukturierung vieler Kreise. Insgesamt gab es nun 14 Kreise. Darunter befanden sich die Kreise Wohlau und Guhrau. Wie in den anderen 12 Kreisen des Regierungsbezirks erfolgten auch im Kreis Wohlau und Guhrau sowohl Ausgliederungen von Ortschaften und Teilflächen aus dem Bestand beider Kreise, als auch Eingliederungen von Ortschaften und Flächen aus anderen Kreisen. “Der Kreis Wohlau verlor von seinem bisherigen Besitz 50 Ortschaften nördlich der Bartsch mit Herrnstadt und dem Weichbild von Rützen an den Kreis Guhrau...”[25] Zugleich kamen die beiden Städte Auras und Dyhernfurth sowie eine beträchtliche Anzahl von Dörfern, Flecken, Gütern aus den Kreisen Breslau, Guhrau, Trachtenberg, Trebnitz zum Kreis Wohlau.[26] Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden das Rittergut Sophienthal und die Dörfer Sophienthal und Tscheschenheide, die bislang zum Kreis Wohlau gehörten, im Jahre 1818 dem Kreis Guhrau zugeordnet.[27] Der Kreis Guhrau war zwei Jahre vorher aus dem Regierungsbezirk Liegnitz ausgegliedert und in den Regierungsbezirk Breslau eingegliedert worden.

Das bedeutete, dass Tscheschenheide nach 500 Jahren wieder in seinen ursprünglichen schlesischen Heimatkreis zurückkehrte. [Siehe Abschnitt “1310”[28]] Von Tscheschenheide bis zur neuen Kreisstadt Guhrau waren ungefähr 14 km zurückzulegen, wenn man den Weg am Eichkretscham vorbei, Richtung Rützen benutzte.

Daten zur Grundherrschaft, zur Sozial- und Altersstruktur sowie zur Religionszugehörigkeit der Einwohner

Die im Jahre 1819 erschienene Publikation „Statistisch-topographische Uebersicht des Departements der Königlich Preußischen Regierung zu Breslau“[29] vermittelt – wie zu allen anderen Ortschaften des Regierungsbezirks Breslau – auch zu den Dörfern Tscheschenheide und Sophienthal außerordentlich detaillierte Informationen.

Grundherr war zu dieser Zeit immer noch Oberamtmann Gallinsky. In Sophienthal befand sich das herrschaftliche Schloss. Seit über 30 Jahren lag die Grundherrschaft in seinen Händen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es weder in Tscheschenheide noch in Sophienthal zur Einrichtung von Bauerngütern gekommen. Das Gerichtsamt, die grundherrschaftliche Gerichtsbarkeit über die Untertanen im Areal von Tscheschenheide und Sophienthal ließ Gallinsky von Herrn Schwarzenberger, Bürgermeister des benachbarten Köben, wahrnehmen.

Für das Dorf Tscheschenheide weist die „Statistisch – topographische Uebersicht“ von 1819 insgesamt 32 Feuerstellen (Wohngebäude) aus. Darunter befanden sich 17 Freigärtner-Stellen, 7 Dreschgärtner-Stellen, 1 Frei-Häusler-Stelle, 1 Kretscham (Wirtshaus) sowie weitere 5 Feuerstellen, die sich nicht eindeutig den in der Statistik aufgeführten Kategorien zuordnen ließen.

Zur Altersstruktur der 95 männlichen Einwohner von Tscheschenheide waren die folgenden statistischen Daten ausgewiesen: In der Altersgruppe von …1 bis 20 Jahre = 48 Personen, … 21 bis 25 Jahren = 9 Pers., …26 bis 32 Jahre = 4 Pers., …33 bis 39 Jahre = 6 Pers., …40 bis 60 Jahre 22 Pers., …über 60 Jahre = 6 Pers. Zur Altersstruktur der 93 weiblichen Einwohner wurden damals keine statistischen Erhebungen vorgenommen. In Tscheschenheide lebten demnach 188 Personen. Alle Einwohner waren religiös gebunden.187 Gläubige zählten zu den Lutheranern. Es gab einen Katholiken.

Im Koloniedorf und Gut Sophienthal zählte man 17 Feuerstellen  – darunter befanden sich: 8 Freigärtnerstellen, ein Haus eines Windmüllers, eine Schmiedewohnung, ein Kretscham und weitere 5 Feuerstellen ohne Zuordnungsmerkmale. Zur Altersstruktur der 36 männlichen Einwohner in Sophienthal wies die Statistik folgende Daten aus: In der Altersgruppe von …1 bis 20 Jahre = 16 Personen, … 21 bis 25 Jahren = 3 Pers., …26 bis 32 Jahre = 5 Pers., …33 bis 39 Jahre = 2 Pers., …40 bis 60 Jahre 9 Pers., …über 60 Jahre = 1 Pers. Dazu kamen 50 weibliche Personen (aller Altersgruppen). Die Einwohnerzahl im Dorf und Gut Sophienthal betrug somit 86 Personen. Von ihnen wurden in der Statistik 84 Personen als „Lutheraner“ und 2 als „Katholiken“ aufgeführt.

Aus den vorgenannten Daten ergibt sich, dass um 1818/19 im Areal von Rittergut und Dorf Sophienthal sowie Dorf Tscheschenheide 274 Personen lebten. Von ihnen gehörten 271 zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gimmel. Die 3 Katholiken hatten ihre Kirche in Köben.

Die „Statistische Übersicht“ vermittelt auch einen Einblick in die zahlenmäßige Stärke der ev.-luth. Kirchengemeinde Gimmel mit ihren eingepfarrten Grundherrschaften und Ortschaften (Gimmel, Neuvorwerk, Schmögerle, Sophienthal, Tscheschenheide und Tscheschen). Von den hier lebenden 1.139 Einwohnern waren 1.103 Lutheraner. Nur 36 Einwohner der genannten Ortschaften zählten zu den Katholiken und gehörten zum katholischen Pfarrsprengel Köben.

1833

Erdmann Hugo Hermann Renner - Besitzer von Sophienthal und Tscheschenheide

Das Rittergut Sophienthal und die Dörfer Sophienthal und Tscheschenheide gelangten im Jahre 1833 in den Besitz von Erdmann Hugo Hermann Renner. Er übernahm ein landwirtschaftliches Areal, das im „Schlesischen Güteradreßbuch von 1870“ [30] in einer Größe von 2352,41 Morgen (588 ha) ausgewiesen wurde, von Oberamtmann Gallinsky. Wie sich zeigen sollte, war der Herr Renner einer jener Grundherren in dieser Zeit, die mit großem Durchsetzungsvermögen, Sachverstand und wohl auch mit Unerbittlichkeit gegenüber ihren Untertanen das Rittergut über Jahrzehnte erfolgreich führten. Er hielt seinen Besitz zusammen und sicherte ein dieser Zeitperiode entsprechendes ökonomisches Vorankommen seines Rittergutes. Wie seine Vorgänger hielt er zu den evangelischen Pastoren in Gimmel wohl eine beträchtliche Distanz. Auch mit der staatlichen Obrigkeit im Territorium soll er nicht gerade kooperativ umgegangen sein.

Er kümmerte sich vor allem um das für ihn „Wichtige“: Ergebene und fleißige Untertanen, stabile Erträge, guter Gewinn! Eine Bedingung für seinen Erfolg war offenbar der Umstand, dass er am Ort seines Besitzes wohnte und alle Vorgänge unmittelbar beeinflussen konnte. Rittergutsbesitzer Erdmann Hugo Hermann Renner herrschte mehr als 40 Jahre in und über Sophienthal sowie Tscheschenheide. In dieser Zeit wurde eine Ziegelei und auch eine Brau- und Brennerei errichtet. Dadurch entstanden im Umfeld der dominierenden landwirtschaftlichen Arbeit einige neuartige, klein-industrielle Arbeitsplätze. Auch Handwerker wurden in dieser Zeit in Sophienthal und Tscheschenheide angesiedelt.

Die über Jahrhunderte allein durch die Landwirtschaft geprägte Sozialstruktur bekam neue Impulse, die für die ökonomische und längerfristig auch für die geistig-kulturelle Entwicklung im Gutsbezirk, in den Dörfern von Vorteil waren.

Das erste Schulgebäude in Tscheschenheide /Sophienthal

Das erste neuerbaute Schulgebäude in Tscheschenheide wurde 1838 eröffnet.[31] Das Schulhaus stand an der Wegekreuzung in Tscheschenheide, an der nach dem Dorf und dem Rittergut Sophienthal führenden Straße. Bei dem neuen Schulhaus handelte es sich um ein kleines Fachwerkgebäude, dessen Dach mit gebrannten Dachpfannen eingedeckt war. Die evangelische Dorfschule verfügt über einen Klassenraum (hinter den beiden Fenstern, links neben der Eingangstür des Hauses). Außerdem befand sich in dem Gebäude eine kleine Lehrerwohnung, bestehend aus einem Wohn-Schlafraum, einer Schlafkammer und einer Küche.

 Abb.8 -  Schulgebäude in Tscheschenheide/Sophienthal - eingeweiht 1838

Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Frau Friederike Kuhl geb. Baumert, Urenkelin des Lehrers Adolph Baumert.

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Die evangelische Schule wurde für die Kinder der Dörfer Tscheschenheide und Sophienthal gebaut. Schulpatron war der damalige Rittergutsbesitzer auf Sophienthal, Herr Renner. Die Schulaufsicht lag in den Händen des Pastors des evangelischen Kirchspiels Gimmel, der zugleich als Schulinspektor für die evangelischen Schulen im Bereich seines Kirchspiels wirkte. Diese Zuständigkeit lag für die neue Schule in Tscheschenheide von 1838 bis 1851 bei Pastor Christoph Pfennig und danach bei Pastor Ewald Klose.

Die Schule im Gutsbezirk Sophienthal dürfte wohl vor allem aus drei Gründen errichtet worden sein:

Erstens gab es die allgemein geltende Order des Preußischen Königs Friedrich II., das General-Landschulreglement für die evangelischen Schulen von 1763. Nach deren Grundsätzen erfolgte eine Reformierung des Schulwesens in Preußen. Die Schulzeit war von 6 auf 8 Jahre verlängert und der Bau neuer Schulen in allen größeren Dörfern angeordnet worden.[32] Die Verantwortung dafür fiel dem jeweiligen Gutsbesitzer zu. Er hatte auch die Kosten zu tragen.

Zweitens dürfte dem Rittergutsbesitzer Renner daran gelegen gewesen sein, dass die größeren Schüler ab dem 9. Lebensjahr nach den täglichen Schulstunden in dem 3 ½ km entfernten Nachbardorf Alt Neu-Heidau, nicht noch durch lange Schulwege von ihren Arbeitsverpflichtung für den Gutsherrn abgehalten wurden.

Drittens kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der schulpflichtigen Kinder in Sophienthal und Tscheschenheide unterdes eine Größenordnung erreicht haben dürfte, die ein eigenes Schulhaus am Ort notwendig erscheinen ließen. Seit 1839 galt die gesetzlich „eingeschränkte“Kinderarbeitszeit, wonach Kinder ab dem 9. Lebensjahr „nur noch“ 10 Stunden am Tag arbeiten durften.

Über die Anzahl der Schüler in der einklassigen Schule in Tscheschenheide um 1838 gibt es wenig zuverlässige Nachrichten. Bekannt ist jedoch, dass in den meisten Familien, die in den Wohnbehausungen auf dem Gutshof sowie in den Dörfern Sophienthal und Tscheschenheide lebten, eine „Schar“ von 8 bis 12 Kindern keine Seltenheit war. So ist es wohl nicht zu hoch gegriffen, wenn wir davon ausgehen, dass die Schülerzahl der Klassenstufen 1 bis 8, die zugleich in einem Klassenverband von einem Lehrer zu unterrichten waren, zwischen 40 und 50 Kindern lag. Gesicherte Daten liegen aus dem Jahre 1867 vor. Nach der Statistik “Zum evangelischen Schulwesen in Schlesien” besuchten 48 Schüler die Dorfschule in Tscheschenheide. In die Schule in Gimmel gingen 160 Schüler. Die Schule in Lübchen wurde von 135 Kindern und die von Hünern von 101 Schülern besucht.[33] In jener Zeit, - zumindest ab 1851 - sah die wöchentliche Stundenplanvorgabe für den durchzuführenden Unterricht in den schlesischen Dorfschulen 6 Stunden Religion, 12 Stunden Lesen, deutsche Sprache, Schreiben, 5 Stunden Rechnen und 3 Stunden Gesang vor.[34]

Der Heimatforscher Fritz Heinze würdigte rückblickend die Leistungen der damaligen Lehrer mit den Worten: „Und trotz der hohen Schülerzahl, trotz der unzureichender Klassenräume wurde doch etwas geleistet. Respekt vor der Arbeit dieser alten Lehrer! Natürlich war Religion Hauptfach. Es gab damals eine Katechismusbearbeitung mit Hunderten von Fragen und ebenso vielen Antworten, die auswendig gelernt wurden. Jede Woche wurden Evangelium und Epistel des Sonntags wortwörtlich gelernt. Und jedes Jahr war Schulprüfung durch den Ortsgeistlichen“[35]

Hatte in dieser Zeit eine Dorfschule keinen eigenen Lehrer, wie das auf Tscheschenheide in den Jahren 1838 bis 1844 offensichtlich zutraf, dann war es üblich, dass die Unterrichtsstunden von einem Lehrer einer nahe gelegenen anderen Dorfschule übernommen werden mussten. Diese zusätzliche Last dürfte der Dorfschullehrer von Alt Neu-Heidau getragen haben. Das war in den Jahren von 1840 bis 1844 der junge, noch ledige Lehrer Adolph Baumert. Es war sicherlich für ihn keine reine Freude, zusätzliche Fußwegezeiten (für die 3 ½ km hin und zurück) und doppelte Unterrichtsbelastungen übernehmen zu müssen. Allerdings hatte Baumert noch einen Hilfslehrer in Alt Neu-Heidau an seiner Seite, der eine Reihe von Unterrichtsstunden leitete. Hinzu kam noch, dass die Anleitung und Konferenzen der Lehrer in diesem Schulbezirk in Kaschewen, ca. 6 km von Gimmel entfernt, stattfanden. Auch für die Schüler war es kein Vergnügen, zu wechselnden Zeiten an den 6 Schultagen in der Woche, zum Teil in den Nachmittagsstunden bei „Komprimierung“ von Unterrichtsinhalten und „Minimierung“ von Unterrichtszeiten die Schule absolvieren zu müssen.

Doch muss Lehrer Adolph Baumert seine doppelte Lehrerarbeit wohl zur großen Zufriedenheit der Schulverwaltung in Lübchen, des Schulpatrons Gutsbesitzer Renner und des als Schulaufsicht wirkenden Pastors Pfennig aus Gimmel erfüllt haben. Immerhin wurde Adolph Baumert im Jahre 1845 die Leitung der evangelischen Schule in Tscheschenheide übertragen.

Dass er den Unterricht in der Dorfschule in Alt Neu-Heidau weiter durchführen musste, ist anzunehmen. Aus den überlieferten familiengeschichtlichen Unterlagen ergibt sich, dass der Umzug von Adolph Baumert und seiner Familie in die Lehrerwohnung der Schule in Tscheschenheide erst 1845/46 erfolgte. Lehrer Baumert (*1819) hatte im Jahre 1845 die aus Breslau stammende junge Rosalie Kattge (*1822), geheiratet. Bis zu seiner Heirat hatte die Schwester von Adolph Baumert, Agnes Baumert aus Breslau, den Haushalt geführt und für Ordnung und Sauberkeit im Schulhaus gesorgt.

Abb. 9 - Altes Schulgebäude in Alt Neu-Heidau um 1900

Vor dem Gebäude stehen Lehrer Georg Petzold und seine Schwester Rosa (Handarbeitslehrerin), sie arbeiteten vom 15. 10. 1900 bis 10. 10. 1902 in dieser Schule. Georg u. Rosa Petzold waren Enkelkinder von Lehrer Adolph Baumert. Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Frau Friederike Kuhl geb. Baumert.

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1845

Tscheschenheide und Sophienthal entwickeln sich erfolgreich - Lehrer Adolph Baumert übernimmt die Leitung der Dorfschule

Für das Jahr 1845 weist die offizielle Statistik für Tscheschenheide, für das Rittergut und das Koloniedorf Sophienthal eine Reihe von Daten aus, die Einblicke in den erreichten Entwicklungsstand und die soziale Struktur der Dörfer geben. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass alle drei Orte noch unter dem amtlichen Namen „Tscheschenheide“ in den topografisch-statistischen Dokumenten geführt wurden.[36]

Im Jahre 1845 wurden in Tscheschenheide 34 Häuser, zwei herrschaftliche Vorwerke, eine herrschaftliche Brau- u. Brennerei, eine Ziegelei, drei Höcker (Ziegeleiarbeiter), drei Hausierer (von Haus zu Haus ziehender Händler) gezählt. Es bestanden eine zum Gut gehörende Försterei und eine Windmühle.[37] Im Koloniedorf Sophienthal waren zu dieser Zeit bereits 16 Häuser errichtet. Hier wohnten außer einigen Freigärtnerfamilien ein Schmied, ein Schuhmacher und ein Höcker.[38]

Aus dieser Zeit sind nur einige Namen der in Sophienthal und Tscheschenheide lebenden Familien bekannt. Es sind dies die Namen der Familien Baumert, Fechner, Fischer, Goletz, Hübner, Jungmann, Kaiser, Kretschmer, Mühmel, Rose und Petzold. Es lebten ebenfalls zwei zunächst nicht miteinander verwandte Familien Petzold in Tscheschenheide. Aus jeder dieser Familien heiratete später ein Sohn eine der Töchter von Lehrer Adolph Baumert.

Zu den Einwohnern von Tscheschenheide gehörten in diesen Jahren auch Karl Friedrich Thomas und seine Ehefrau Anna Elisabeth geb. Werner. Ihre am 16. Februar 1826 geborene Tochter Christiane Louise Johanne Thomas vermählte sich am 09. Januar 1853 in der evangelischen Kirche in Gimmel mit dem am 04. April 1822 in Neuvorwerk b. Gimmel geborenen Gottlieb Wilhelm Helbig[ch].[39]

Die oben genannte Ziegelei lag rechts der Landstraße, die von Tscheschenheide nach dem 2 ½ km entfernten Dorf Gimmel führte. Sie wurde zu dieser Zeit von der Familie Hübner betrieben. Die in dieser Ziegelei hergestellten Ziegel fanden nicht nur im Bereich von Tscheschenheide und Sophienthal zum Neubau und Ausbau von Gebäuden Verwendung, sondern auch in den umliegenden Ortschaften.

Im Jahre 1846 zogen Adolph Baumert und Ehefrau Rosalie mit ihrer gerade geborenen Tochter - Ida Selma Maria (*1846) - nach Tscheschenheide. Die Lehrerfamilie richtete sich hier auf einen längeren Aufenthalt ein. Die Voraussetzungen von Adolph Baumert für eine längerfristige erfolgreiche Tätigkeit als Pädagoge und für das Sesshaftwerden der Familie in Tscheschenheide waren überaus gut.

Immerhin hatte er am traditionsreichen Elisabeth-Gymnasium in Breslau sein Abitur erlangt. Danach besuchte er das Königliche Schullehrer-Seminar in der schlesischen Landeshauptstadt und wurde dort 1838/39 zum Lehrer für die Elementarschulen ausgebildet. In diesem modernen Schullehrer-Seminar fand der junge Baumert damals vor allem in dem „Schüler und Gefolgsmann“ von Pestalozzi, Felix Rendschmidt, einen hervorragenden, modernen Lehrerbildner, der ihm offenbar Vorbild in seiner ganzen Laufbahn als Lehrer blieb. Über das Können des bedeutenden Pädagogen Felix Rendschmidt gibt es die folgende Einschätzung: „Von 1814 bis zu seinem Tode bildete er Lehrer in Breslau aus, denen er als begnadeter Lehrer sein reiches Wissen knapp und gemessen, gediegen, anschaulich und sehr gründlich vermittelte. Seine Schüler nannten ihn liebevoll ´Vater Rendschmidt´. Gleichzeitig war er Rektor der Übungsschule (Sandschule). Sein eigenes Streben galt der Bildung und Fortbildung. Außer den Grundfächern übernahm er auch den Naturkundeunterricht. Zu seinen Hobbys zählten die Botanik, Mineralogie, Entomologie. Eine Käferart, die er zuerst für Schlesien entdeckte, wurde ihm zu Ehren Abax Rendschmitii benannt.“[40]

Die fundierte Ausbildung an diesem Schullehrerseminar prägte die Persönlichkeit des nun in Tscheschenheide tätigen Schullehrers Adolph Baumert entscheidend. Sein im Lehrerstudium erworbenes solides, vielseitiges und modernes pädagogisches und didaktisches Ausbildungsprofil hatte er über fast 5 Jahre in der Schulpraxis erproben, festigen und durch vielfältige praktische Erfahrungen bereichern können.

Zu Tscheschenheide gehörte auch das abseits liegende Wirtshaus „Eichkretscham“. Das Anwesen lag etwa 1 ½ km von Tscheschenheide entfernt, an dem nach Rützen führenden alten Handels- und Verkehrsweg. Dieses Wirtshaus mit den dazu gehörenden Acker- und Wiesenflächen von  12 Morgen hatte Schullehrer Adolph Baumert schon 1845 aus der Subhastation, aus der Konkursmasse, gekauft. Offenbar konnten die damaligen Wirtsleute im Kretscham weiter verbleiben. Bekannt ist, dass Lehrer Baumert mit seiner sich rasch vergrößernden Familie in der kleinen, engen Lehrerwohnung im Schulhaus in Tscheschenheide wohnte.

Lehrer Baumert bearbeitete sein erworbenes Land mit Hilfe eines Kuhgespanns. Diese relativ große Nebentätigkeit musste Baumert ausüben, um seine rasch wachsende Familie einigermaßen gut ernähren, durchbringen zu können. Deputat, Schulgeld und geringfügige staatliche Besoldung reichten dazu nicht aus.

In Tscheschenheide erblickten weitere Kinder der Lehrerfamilie Rosalie und Adolph Baumert das Licht der Welt: Paul Georg Maximilian (*1848), Agnes Emma Bertha (*1850), Anna Emma Eleonore (*1852), Georg Ferdinand Moritz (*1854), Selma Emilie Henriette (*1858) und Gustav Friedrich Paul (*1856/+1856).

Der am 26. Mai 1854 geborene Georg Ferdinand Moritz Baumert verbrachte die ersten Jahre seiner Kindheit in Tscheschenheide. In einer Lehrerfamilie im Dorf aufzuwachsen, förderte Kontakte und Beziehungen zu den anderen Kindern und ihren Eltern. Dadurch bekam Georg Ferdinand Baumert schon als Kind vielseitige Einblicke in die Lebensführung, die Freuden, Sorgen und Nöte der anderen Familien des Dorfes. Er erlebte auch die bedrückenden Zwänge, die sich aus der Ungleichheit der Menschen in Bezug zum Besitz an Grund und Boden, an Eigentum ergaben.

Schon sehr früh hatten sich seine Eltern entschlossen, ihrem begabten, fleißigen und strebsamen Jungen eine höhere Schulbildung zu ermöglichen.  Georg Baumert hatte in seinem Vater einen ausgezeichneten Lehrer und Erzieher in der Lebensorientierung, in der Aneignung von Tugenden, in der Charakter- und Willensformung und vor allem im schulischen Lern- und Bildungsprozess. Seine Mutter begleitete ergänzend und auch manchmal ausgleichend diesen Prozess liebevoll.

Vom  ersten Tag des Schuleintritts in die einklassige Dorfschule in Tscheschenheide bis zum Abschluss der Volksschule in Lübchen bereitete ihn sein Vater Adolph Baumert auf den Besuch des Gymnasiums vor. Im traditionsreichen Elisabeth-Gymnasium  in Breslau erlangte Georg Baumert das Abitur. Anschließend studierte er an den Universitäten in Breslau und Berlin erfolgreich Jura und promovierte zum Dr. jur. Er arbeitete danach als Rechtsanwalt und Notar.

Im Verlaufe seines weiteren Lebensweges nahm er eine solche großartige Entwicklung, dass er im historischen Rückblick nicht nur als eine hervorragende Persönlichkeit aus Tscheschenheide, sondern auch als ein bedeutender Schlesier gewürdigt werden konnte. Die Verdienste des 1930 verstorbenen Justizrats Dr. jur. Georg Ferdinand Moritz Baumert wurden durch den Senat von Berlin im Jahre 1956 postum mit der Umbenennung einer Straße in Berlin-Spandau in “Baumertweg” gewürdigt.[41]

1856

Der Gutsbezirk Sophienthal-Tscheschenheide entsteht

In Durchführung der beiden Gesetze des Preußischen Staates vom 14. April 1856, „betreffend die Landgemeinde-Verfassungen“ und „die ländlichen Ortsobrigkeiten“[42]  wurden nun Tscheschenheide und Sophienthal - ebenso wie andere ländliche Gemeinden in den preußischen Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen - in Landgemeinden umbenannt. Die Dörfer Tscheschenheide und Sophienthal bildeten ab dieser Zeit zusammen mit dem Rittergut Sophienthal den Gutsbezirk Tscheschenheide-Sophienthal.[43] Mit diesen gesetzlichen Maßnahmen nicht nur in den genannten preußischen Provinzen die Macht des Preußischen Königs und seiner Regierung gestärkt, sondern auch die politische Obrigkeitsfunktion der Gutsbesitzer im monarchischen Machtverbund.

In der Position des Rittergutsbesitzers auf Sophienthal befand sich nach 23 Jahren immer noch der offenbar überaus erfolgreiche Gutseigentümer Erdmann Hugo Hermann Renner. Nicht alle schlesischen Gutsbesitzer konnten in damaliger Zeit auf eine solche lang anhaltende historische Schaffensperiode zurückblicken. Und für Renner war sie noch lange nicht beendet. Seine gutsherrschaftliche und administrative Rolle erfuhren durch höchste Königliche Order eine neue Dimension, die er auch nutzte.

Als Schulpatron der evangelischen Dorfschule in Tscheschenheide war er allerdings nicht sonderlich beliebt, da er seinen Verpflichtungen gegenüber der Schule und dem dort erfolgreich tätigen Lehrer Adolph Baumert nach den vorliegenden Überlieferungen wohl nur widerwillig nachkam. So erhielt Baumert das ihm für seine Lehrertätigkeit zustehende Deputat vom Gutsbesitzer selten gutwillig und termingemäß.[44]

Immer wieder musste Baumert deshalb beim Landrat darüber Beschwerde führen. Dieser schickte dann einen Beamten zu Gutsbesitzer Renner, um die Lieferung des ausstehenden Deputats von Amtswegen zu erwirken. So verlief die Abwicklung dieses Vorgangs über Jahre zugunsten des Dorfschullehrers und seiner großen Familie.

Allerdings führte das nicht gerade zu einem besseren Einvernehmen zwischen dem Schulpatron und seinem Dorfschullehrer. Das bekam Lehrer Baumert zum Beispiel zu spüren, als er von Gutsbesitzer Renner die Zustimmung erwirken wollte, hinter dem Schulhaus einen größeren Garten - unter Einbeziehung eines nahe gelegenen Sandbergs – anlegen zu dürfen. Dorfschullehrer Baumert hatte sich in den Kopf gesetzt, neben dem Anbau größerer Gemüsemengen und Obst für seine Familie just am Sandberg Weinreben zu pflanzen und Trauben zu ernten. Möglicherweise dachte er als Anhänger einer den Kindern im Preußischen Schlesien dienenden Schulreform auch daran, einen Teil der Fläche als Schulgarten zu nutzen. Doch mit seinem Ansinnen hatte Adolph Baumert bei Herrn Renner keinen Erfolg. Der Gutsbesitzer hielt seinen Besitz zusammen. Die Fläche, die um 1856 die Begehrlichkeit von Lehrer Baumert geweckt hatte, wurde auch in den folgenden Jahrzehnten nie vergeben. Diese unnachgiebige Haltung von Gutsbesitzer Renner und seinen Nachfolgern hatte so für Generationen von Kindern aus Tscheschenheide und Sophienthal eine überaus positive historische Wirkung. Sie hatten für fast 100 Jahre „ihren Hopseberg“, ihren Hügel zum vergnüglichen Spiel, zum Toben und Raufen und zum Schlittenfahren.

Lehrer Baumert legte sich nicht nur mit dem Gutsbesitzer und den Behörden wegen Unregelmäßigkeiten seiner Besoldung an, sondern sorgte auch durch sein Engagement für die Verbesserung der sozialen Belange seiner Schule, seiner Schüler und deren Eltern.

Durch die wiederholten Beschwerden des Adolph Baumert wurden nicht nur die Oberen des Kreises Guhrau, sondern auch die Schulbehörden in Breslau auf den hoch gewachsenen, furchtlosen „Rebellen“ und auf seine pädagogischen Neuerungen im fernen Tscheschenheide aufmerksam. Immerhin war es in dieser Zeit nicht üblich, dass die königlichen Untertanen unnachgiebig ihre Beschwerden schriftlich und kompetent vortrugen.

Lehrer Adolph Baumert gehörte in der damaligen Zeit zu jenen wenigen jungen Lehrern, die sich ernsthaft und ideenreich für eine moderne inhaltliche und pädagogische Ausgestaltung „ihrer“ Dorfschulen einsetzten. Für ihn war es selbstverständlich, die unterschiedlichen Begabungen seiner Schüler zu fördern. Es war sicher auch von Vorteil für seine Schüler, dass ihr Lehrer sich als ausgezeichneter Naturbeobachter betätigte und sie ebenfalls dazu motivierte und anleitete. So lernten sie nicht nur das Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern wurden durch Lehrer Baumert mit den Vorgängen in der Natur vertraut gemacht. Gerade letzteres war ungewöhnlich für den damaligen Schulalltag und musste gelegentlich mit den Unterweisungen in die Inhalte der Religion kollidieren. So blieb es nicht aus, dass es zwischen Lehrer Baumert mit dem evangelischen Pastor Klose in Gimmel, der als Schulinspektor die Schulaufsicht ausübte, des Öfteren zu Auseinandersetzungen kam.

Baumert soll ein ausgezeichneter Jugenderzieher gewesen sein. Überdies war er, wie überliefert ist, dichterisch und schriftstellerisch begabt. Die Schulchronik der Schule in Tscheschenheide wurde von ihm angelegt.

Es war für Tscheschenheide und Sophienthal in damaliger Zeit sicherlich ein großer Vorzug, über eine eigene Schule mit einem vorzüglichen Lehrer zu verfügen. Überliefert ist, dass er nicht nur seinen Sohn Georg in der Volksschulzeit erfolgreich auf einen weiterführenden Bildungsweg vorbereitete, sondern auch andere Schüler. So führte der Weg von Julius Hübner über das Abitur zur Ausbildung zum Lehrer. Später wurde dieser Rektor einer Breslauer Schule. Der ebenfalls aus Tscheschenheide stammende Wilhelm Petzold schaffte es,  ein angesehener Unternehmer in der Buchdruckerkunst zu werden. Im nahe gelegenen Winzig errichtete er seine Buchdruckerei und den damit verbundenen Buch- und Papierhandel am 1. April 1871. Er gab zugleich das „Winzig-Herrnstädter Stadtblatt“ heraus.[45]

Doch die Schulbehörden im Kreis Guhrau und in Breslau nahmen nicht nur aus der Ferne von der Tätigkeit des selbstbewussten, kritischen und auf Neuerungen bedachten Lehrer Baumert Kenntnis. Sie überprüften häufiger das Geschehen in der evangelischen Dorfschule Tscheschenheide. Dabei überzeugten sie sich offenbar von der herausragenden pädagogischen Befähigung, dem vielseitige Können und der fortschrittlichen Unterrichtsmethodik von Adolph Baumert.

Bei einer Revision der Schule in Tscheschenheide um 1860 durch den damaligen Schulrat Herrn Bellmann, unterbreitete dieser das Angebot, Baumert für die Übernahme einer Rektorenstelle an einer Breslauer Schule vorzuschlagen. Doch das lehnte Baumert ab. Aber in der Folgezeit bewarb er sich um die frei werdende, besser bezahlte Lehrerstelle in Lübchen. Der Landesvertreter der Schulbehörde, Herr von Frankenberg-Ludwigsdorf, der zugleich Sequester (Zwangsverwalter) von Lübchen war, genehmigte diese Stelle ab 1862/63.

  

Abb. 10 - Lehrer Baumert vor dem am 21. November 1871 eröffneten neuen Schulgebäude in Lübchen.

Er unterrichtete hier bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1883. Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Frau Friederike Kuhl aus Euskirchen.

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1874

Sophienthal und Tscheschenheide gehören zum Amtsbezirk Lübchen

Schon seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis Guhrau, so wie der Regierungsbezirk Breslau und die gesamte preußische Provinz Schlesien zum Norddeutschen Bund.

Für die Pflichten, Rechte und Aufgaben der Verwaltung der Landgemeinden und Gutsbezirke galten die Bestimmungen der beiden Gesetze über die Rolle der ländlichen Orts-Obrigkeiten und über die Landgemeinde-Verfassungen in den sechs östlichen Provinzen der Preußischen Monarchie vom 14. April 1856 in modifizierter Form weiter.[46]

Nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 kam es erneut zu Veränderungen in den politischen und verwaltungsmäßigen Strukturen in Deutschland und so auch in Schlesien. Zu diesen Maßnahmen gehören die Schaffung von Amtsbezirken innerhalb der Landkreise, von Landgemeinden und deren Einordnung in die bestehenden Gutsbezirke. Im Kreis Guhrau entstehen 29 solcher Amtsbezirke. Am 6. März 1874 wurde der Amtsbezirk Lübchen gebildet. Zu diesem neuen Amtsbezirk gehörten nun die Landgemeinden Corangelwitz, Lübchen, Sophienthal und Tscheschenheide sowie die Gutsbezirke: Corangelwitz, Lübchen und Sophienthal-Tscheschenheide.[47]

Wurde im „Güteradressbuch der Provinz Schlesien“ von 1870 noch Erdmann Hugo Hermann Renner als Besitzer von „Tscheschenheide-Sophienthal“ geführt, erscheinen im „Schlesischen Güteradressbuch“ des Jahres 1876 die nicht namentlich genannten Rennerschen Erben als neue Besitzer. Im Jahre 1870 umfasste der Grundbesitz des Rittergutes 2352,41 Morgen (588,1 ha) und der Grundsteuer-Reinertrag betrug 851,83 Thaler. Für das Jahr 1876 lauteten die Summierungen für die beiden Kategorien wie folgt: Fläche des Grundbesitzes = 601 ha und Grundsteuer-Reinertrag = 832 Thaler.[48]

Aus der Zeit um 1874 ist auch die Nachricht überliefert, dass die 1845 erstmals erwähnte zweite Windmühle in der Gemarkung Sophienthal-Tscheschenheide von Müllermeister Julius Baude betrieben wurde. Sie hieß sehr bald im Volksmund “Baude-Mühle”. Die Einwohner von Sophienthal und Tscheschenheide benannten sie nach dem Familiennamen dieser zweiten Dynastie der Mühlenbesitzer. So hatten sie zugleich eine eindeutige Unterscheidung zu der schon seit 1784 im Areal von Tscheschenheide/Sophienthal existierenden Windmühle der Müllerfamilie Rose, zu der „Rose-Mühle“. Der offenbar aus Schimanowo im Kreis Rawitsch stammende Julius Baude war mit Louise Hoffmann verheiratet.

Müllermeister Julius Baude betrieb diese Mühle in Sophienthal über Jahrzehnte und gab sie an die nächste Generation seiner Familie weiter.

1880

Besitzerwechsel auf Rittergut Sophienthal - eine neue Schule für Tscheschenheide und Sophienthal

Die Renner’schen Erben führten das Rittergut Sophienthal und den Gutsbezirk nur wenige Jahre weiter. Schon 1880 wird im „Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich“ Andreas Graeger als neuer Besitzer des Rittergutes Sophienthal genannt.

Die Gesamtfläche des Grundbesitzes hatte sich geringfügig von 601 auf 604,46 ha vergrößert. Diese Fläche gliederte sich in 251,65 ha Acker incl. Gärten, 31,41 ha Wiesen, 286,22 ha Wald, 30,23 ha Ödland/Unland/Wege/Hofräume und 4,95 ha Wasserflächen. Es existierten eine Brennerei und eine Ziegelei. Sechs Jahre später, im Jahre 1886 war Andreas Graeger noch in seinem Amt als Rittergutsbesitzer. In den zurückliegenden Jahren waren offensichtlich die Viehbestände vergrößert worden. In den Ställen des Gutes standen 8 Pferde, 53 Stück Rindvieh - davon 24 Kühe - und es gab eine Herde von 400 Schafen.[49]

Der Grundsteuer-Reinertrag wurde für das Jahr 1880 in Höhe von 2556 Mark (erstmals in Mark) ausgewiesen.[50] Die so von den königlich-preußischen Steuerbehörden in Schlesien festgesetzte Höhe des Grundsteuer-Reinertrages blieb in den nächsten Jahrzehnten unverändert.

In Tscheschenheide wurde im Jahre 1880 die neu errichtete evangelische Dorfschule eröffnet. Die neue Schule verfügte allerdings wieder nur über einen Klassenraum. Er war jedoch größer als jener in der alten Schule. Da das Dachgeschoss weitgehend ausgebaut war, verfügte die Lehrerfamilie über mehr Wohnraum. Wer die Lehrerstelle in dieser Zeit innehatte, ist nicht überliefert. Bekannt ist aber, dass Lehrer Reigber um 1895 nach Tscheschenheide kam und über einen längeren Zeitraum, bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges, die Dorfschule in Tscheschenheide erfolgreich leitete. Ab 1883 übte der neu im evangelischen Kirchspiel Gimmel tätige Pastor Johannes Fichtner die Ortsaufsicht über die evangelische Schule in Tscheschenheide aus.[51]

 

Abb. 11 - Lehrer Reigber mit Schülern vor der neuen Schule in Tscheschenheide (unten links)

Teil einer Ansichtskarte aus der Zeit um 1900 - aus dem Privatbesitz des in Tscheschenheide geborenen Horst Balden aus Bad Oldesloe.

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1892

Hermann Tschache aus Winzig übernimmt das Rittergut Sophienthal

Gutsbesitzer Andreas Graeger musste offenbar zu Beginn der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts sein Gut an Kaufmann Hermann Tschache verkaufen. Tschache setzte den Vorbesitzer, Andreas Graeger, als Administrator (Inspektor) des Rittergutes ein. Dieser Umstand spricht dafür, dass Graeger mit seinem Rittergut um 1890 in eine schwierige wirtschaftliche Lage geraten sein dürfte.

Der aus der benachbarten Stadt Winzig stammende neue Besitzer war der Sohn des seit 1857 in Winzig ansässigen Großhändlers für Getreide und landwirtschaftliche Produkte, der ebenfalls Hermann Tschache hieß.[52] Hermann Tschache jun. lenkte die Entwicklung des Rittergutes Sophienthal und des Gutsbezirks mehr als 15 Jahre erfolgreich. Es gelang ihm, die landwirtschaftliche Produktion des Rittergutes weiter zu entwickeln, auszubauen. Der Rittergutsbesitz in der Größe von 604,46 ha blieb erhalten. Zum Gut gehörten nach wie vor eine Dampfbrennerei und eine Ziegelei.

Für den Führungsstil des Herrn Tschache war kennzeichnend, dass er das nachgeordnete Leitungspersonal häufiger auswechselte. So berief Tschache seinen Administrator Andreas Graeger schon nach zwei Jahren Dienstzeit, im Jahre 1894 von seinem Posten ab. Er setzte Paul Baer als Nachfolger ein. Dessen Dienstbezeichnung lautet jedoch nicht mehr Administrator, sondern Inspektor. Im Jahre 1898 befand sich Gerhard Grosser in dieser Funktion. Er war der erste Inspektor, der einen Assistenten und einen Förster an seiner Seite hatte. Außerdem konnte er sich auf den Leiter der Dampf-Brennerei stützen. Die Anstellung eines Försters weist darauf hin, dass Rittergutsbesitzer Tschache der Entwicklung der Waldbewirtschaftung und der Holzvermarktung eine größere Aufmerksamkeit widmete, als seine Vorgänger. In der Viehwirtschaft erfolgt ab 1894 der Übergang zur Rindviehmast. Zugleich wurde die Gründüngung ausgebaut.

Als Nachfolger von Inspektor Grosser wirkte ab 1902 Herr August Scholz. Ab 1905 war es dann Herr Hubrich, der als Inspektor die Arbeitsabläufe des Sophienthaler Rittergutes leitete.

1908 - 1913

Eigentümerwechsel auf dem Rittergut – erfolgreiche ökonomische und soziale Entwicklung im Gutsbezirk Sophienthal

Nach der Umbenennung des Gutsbezirks Sophienthal-Tscheschenheide in Gutsbezirk Sophienthal umfasste der Amtsbezirk Lübchen ab 01. Januar 1908 die Landgemeinden Korangelwitz, Lübchen, Sophienthal und Tscheschenheide und die Gutsbezirke Korangelwitz, Lübchen und Sophienthal.

Im Jahre 1908 erfolgte auf Rittergut Sophienthal ein Eigentümerwechsel.[53] Neuer Gutsbesitzer war nun Johann Friedrich Hartung. Er setzte Hugo Wieck als Inspektor des Gutes ein. Der Grundbesitz wurde nun mit 617,5 ha ausgewiesen, d. h., er hatte sich um ca. 13 ha vergrößert.

Gutsbesitzer Johann Friedrich Hartung hielt durch die in Sophienthal und Tscheschenheide herbeigeführten weiteren Fortschritte in der landwirtschaftlichen Produktion mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in Schlesien in diesen Jahren Schritt. Die Erfolge die in den vier Jahren bis 1912 erreicht wurden[54], widerspiegelten sich vor allem darin, dass die bisher schon arbeitenden industriellen Anlagen erweitert wurden. Neben der Ziegelei und der Dampfbrennerei zur Alkoholgewinnung aus Kartoffeln entstand eine moderne Anlage zur Produktion von Kartoffelflocken. Außerdem erfolgte die Einrichtung einer Molkerei. Diese war jedoch nur wenige Jahre in Betrieb. In der Viehwirtschaft gab es ebenfalls Veränderungen. Der Schwerpunkt in der bereits existierenden Rinderzucht wurde nun auf die Zucht der Schlesischen Rotviehrasse gelegt. In der Schweinezucht konzentrierte man sich auf die veredelte Landschweinrasse.

Die Effektivität der landwirtschaftlichen Produktion und die wirtschaftliche Rechnungsführung erfuhren ebenfalls eine weitere Stärkung. Dem unterdessen neu eingesetzten Inspektor des Rittergutes, Herrn H. Musiol, wurde zusätzlich zu den anderen nachgeordneten Leitungskräften - wie der Assistent des Inspektors, der Brennereiverwalter, der Förster und der Ziegeleimeister - nun auch ein Assistent für Rechnungsführung zur Seite gestellt.

Die seit der Jahrhundertwende anhaltenden Fortschritte der landwirtschaftlichen Produktion im Bereich des gesamten Gutsbezirks Sophienthal waren eng mit der Entwicklung der sozialen Struktur und anderer Bereiche des Lebens der Einwohner von Sophienthal und Tscheschenheide verbunden. Die ökonomischen Fortschritte führten unter anderem zu einer Zuwanderung weiterer Arbeitskräfte, Handwerker und Siedler.

Im Jahre 1913 lebten in Tscheschenheide 138 Einwohner und in dem zu Tscheschenheide gehörenden Wirtshaus „Eichkretscham“ gab es 3 Bewohner. Im Dorf Sophienthal wurden 73 und auf dem Rittergut Sophienthal 18 Personen gezählt. Das bedeutete, dass im Dorf und auf dem Gut Sophienthal 91 Personen ständig lebten.[55] Insgesamt waren im Jahre 1913 im Gutsbezirk Sophienthal 232 Personen wohnhaft.

Bei dieser Personenzahl ist darauf zu verweisen, dass sich die Geburtenzahl in den Familien jedoch deutlich verringerte. In den beiden Dörfern, in dem fast nur evangelische Christen lebten, wurde die Familie mit 4 bis 5 Kindern zunehmend der „Normalfall“.

Wie in früheren Zeitabschnitten, so gab es auch zu Beginn des 20.Jahrhunderts den Zuzug von jungen Familien aus anderen Teilen Schlesiens oder anderen Provinzen, die bald für Nachwuchs sorgten. Dadurch führten Geburtenrückgang und Todesfälle nicht zu einer Verringerung der Dorfbevölkerung. Vielmehr wirkte eine Tendenz der geringfügigen Vergrößerung der Dorfbevölkerung bei einem sozial günstigen Durchschnittsalter. Das änderte sich auch in den folgenden Jahrzehnten nicht.

Zu beachten ist, dass das Rittergut den Mehrbedarf an Arbeitskräften während der Heumahd in den Oderwiesen, der Getreide- bzw. Hackfruchternte und bei anderen landwirtschaftlichen Arbeitsphasen durch die planmäßige Zuführung von überwiegend polnischen Saisonarbeitskräften absicherte. Überdies hatten nach wie vor alle Familien der beiden Dörfer, gemäß den verschiedenen Abhängigkeitszwängen, in den Arbeitsspitzen mit Arbeitskräften und Zug- sowie Transportmitteln zu Diensten zu stehen. Vorrang hatten immer noch die Bestell- und Erntearbeiten des Gutsherrn. Das führte nicht selten zu Ernteausfällen bei den „kleinen“ Leuten.

Zu den nach 1900 zuziehenden Personen bzw. Familien gehörte Karl Riegner. Er kam nach seinem Militärdienst in der Kaiserlichen Armee im Jahre 1909/10 aus Groß-Schmorgau bei Winzig nach Tscheschenheide und brachte seine junge Familie und einen Stellmachergesellen mit. Karl Riegner hatte zunächst das Ziel, sich in seinem Beruf als Stellmacher zu einem anerkannten und selbstständigen Handwerker zu entwickeln. So richtete er in Tscheschenheide seine Stellmacherei ein. Er arbeitete vor allem für das Rittergut Sophienthal. Aber auch für die aufstrebenden kleinen Landwirtschaftsbetriebe in den beiden Dörfern sowie in Nachbarortschaften war die Stellmacherei von Nutzen.

Zwischen der Stellmacherei von Karl Riegner in Tscheschenheide und der Schmiede von Karl Fischer im Dorf Sophienthal entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit. Karl Riegner fertigte alle Holzteile der Kasten- und Leiterwagen, der Fässer und der verschiedenen landwirtschaftlichen Geräte und Karl Fischer schmiedete die erforderlichen Metallteile. Gemeinsam fügten sie alle Teile zusammen, komplettierten sie diese. Arbeit gab es für die Handwerker auf dem Gut und in den Dörfern in diesen Jahren reichlich.

Neben seiner Tätigkeit als Stellmacher übernahm Karl Riegner sehr bald „Meier´s Gasthaus“ in Tscheschenheide, zunächst als Pächter. Außerdem begann er mit der Einrichtung einer kleinen Landwirtschaftstelle. Diese erweiterte er nach dem Ersten Weltkrieg.

Abb. 12 - Fotos aus der Familie Karl Riegner um 1905 und 1913

Foto (li.):Karl Riegner um 1905- Husar im I. Husarenregiment „König Albert“ Nr. 18 - Foto (re): Ehepaar Karl Riegner und Bertha geb. Flögel mit den Kindern Willi (*1911) u. Elisabeth (*1912) im Jahre 1913

Die Fotos stellte Elisabeth Hoffmann (geb. Riegner in Tscheschenheide) zur Verfügung.

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So gab es um 1913 in dem Gutsbezirk Sophienthal, mit seinen 232 Einwohnern, neben der Gastwirtschaft des schon längere Zeit in Tscheschenheide lebenden Fuhrunternehmers und Gastwirts Kretschmer, das Wirtshaus „Eichkretscham“, die Gastwirtschaft “Matzel“ in Sophienthal und das Gasthaus von Karl Riegner. Die Existenz von vier kleineren Gastwirtschaften spricht für sich! Zumindest zeugt sie von einer Besserung der Lebenslage der Dorfbevölkerung. Nach Überlieferungen kamen in diesen Jahren an den Sonntagnachmittagen des Öfteren Spaziergänger aus Gimmel und anderen Nachbarorten zur Einkehr in die reichlich vorhandenen Gaststuben.

Die Beziehungen zwischen Gimmel und den beiden Dörfern Tscheschenheide und Sophienthal gestalteten sich in diesen Jahrzehnten immer enger. Das Zusammenrücken dieser Ortschaften vollzog sich nicht nur auf Grund der gemeinsamen Zugehörigkeit zur evangelischen Kirchengemeinde, sondern zunehmend durch die arbeitsteiligen, wirtschaftlichen Verbindungen. Im Gutsbezirk Sophienthal gab es in diesen Jahren eine zunehmende Nachfrage nach handwerklichen Leistungen von Maurern, Zimmerleuten, Tischlern und Brunnenbauern. Diese Handwerkerleistungen wurden von Firmen aus dem nahe gelegenen Nachbarort Gimmel erbracht. Eine Reihe der dort angestellten Gesellen, Helfer und Lehrlinge kamen aus Familien, die in Tscheschenheide und Sophienthal lebten. Vor allem die Baufirma Röhricht in Gimmel hatte ständig mehrere Leute aus den beiden Dörfern unter Vertrag. In aller Regel ergriffen die Erstgeborenen der landwirtschaftlichen Betriebe, der Stellenbesitzer und Häuslereien einen handwerklichen Beruf.

Gimmel wurde mehr und mehr ein wichtiges Einkaufszentrum für die Bewohner dieser Gegend. Die 232 potenziellen Kunden aus Tscheschenheide und Sophienthal waren den Geschäftsleuten in Gimmel willkommen.

Nicht zuletzt gab es hier eine Arztpraxis und eine Hebamme. Die fachlich ausgebildete, erfahrene und resolute Anna Schönfelder, war die in allen Familien in Gimmel und Umgebung bekannte, hoch geachtete Hebamme. Man nannte sie in freundlicher Vertrautheit „Die Schönfelder“! Im Verlaufe von fast fünf Jahrzehnten half sie Hunderten Frauen, ihre Kinder zur Welt zu bringen und unterwies sie im richtigen Umgang mit den kleinen Erdenbürgern. Immer wieder hieß es in den Familien, wenn die Wehen des Geburtsgeschehens bei den werdenden Müttern einsetzten: „Es ist soweit, ´die Schönfelder´ muss geholt werden!“

Zu den Fortschritten im Gutsbezirk Sophienthal in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gehörte die Einrichtung einer Telegrafen- und Fernsprechstelle in Tscheschenheide im Jahre 1909.[56] Nun waren die Menschen dieses beschaulichen, abseits gelegenen Dorfes auch per Ticker und Fernsprecher direkt mit der „Welt“ verbunden. Wollten sie mit der Eisenbahn fahren, mussten sie sich allerdings zu dieser Zeit noch per Fußmarsch oder mit dem Fuhrwerk zum Bahnhof ins 11 ½ km entfernte Herrnstadt begeben.

Erst einige Jahre später, in den Jahren des Ersten Weltkrieges – um 1917 – wurde in Nieder-Gimmel ein Bahnhof an der fertig gestellten Nebenbahnstrecke der „Lissa–Guhrau–Steinauer Kleinbahn“ eröffnet. Die neue Möglichkeit, mit der Bahn in die Kreisstadt Guhrau, nach Krehlau oder nach Steinau fahren und so die Hauptstrecken der Reichsbahn  erreichen zu können, war eine Errungenschaft für die Bevölkerung in Gimmel und natürlich auch für die Einwohner von Sophienthal und Tscheschenheide.[57]

Abb. 13 - Gimmel mit evangelischer Kirche um 1910

Die Ansichtskarte wurde von Tomasz Mietlicki aus Glogów für diese Chronik zur Verfügung gestellt.

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 Jetzt war es nicht mehr so umständlich, wenn man nach Breslau, Liegnitz oder gar nach Berlin reisen wollte. Von Bedeutung war diese Streckenanbindung vor allem für jene Güter und Landwirtschaftsbetriebe, die ihre Produkte an die Obst- und Gemüse-Großmärkte in Breslau, Liegnitz und Berlin lieferten. Das wiederum war für die Frauen, für die Familien in den Dörfer wichtig. Der wachsende Gemüse- und Obstanbau in dieser Region schuf eine Vielzahl von Saisonarbeitsplätzen, die den Familien ein zusätzliches, dringend benötigtes Einkommen brachte.

1914 - 1919

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Der Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrach jäh den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, in Schlesien und auch in Tscheschenheide und Sophienthal. Zunächst verfehlte auch in den Dörfern im Nordosten Niederschlesiens die durch Kaiser Wilhelm II., die Reichsregierung und fast alle politischen Parteien entfachte „patriotische“ Begeisterungs- und Siegeswelle nicht ihre Wirkung. „Der deutschen Reichsleitung gelang es, ihre Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der Krieg dem deutschen Volk von seinen Gegnern aufgezwungen worden sei.“[58]

Auch in Tscheschenheide und Sophienthal waren nicht wenige Familien von dieser fatalen Stimmungslage erfasst. Sie folgten „ihrem“ Kaiser Wilhelm und seiner Aufforderung an seine Untertanen: das deutsche Vaterland gegen die Feinde, die französisch-britische Streitmacht im Westen und gegen die in Ostpreußen eindringenden russischen Armeen zu verteidigen und diese zu besiegen. Während ein größerer Teil der Söhne und Väter der beiden niederschlesischen Dörfer zu den Musterungsstellen des Kreises Guhrau, zu den ihnen zugewiesenen Regimentern eilten, übernahmen die zurückgebliebenen älteren Männer und vor allem die Frauen die nun noch größeren Lasten auf dem Rittergut, in den Gehöften – in der Vieh-, Feld- und Waldwirtschaft. Auch sie wollten in den nun angebrochenen Kriegszeiten nicht abseits stehen.

Rittergutsbesitzer Johann Friedrich Hartung konnte sich so unter den Bedingungen des Übergangs zu einer weitgehend staatlich zentralisierten Kriegswirtschaft[59] zumindest in den ersten Kriegsjahren in seinem Gutsbezirk auf eine willige und hart arbeitende Gemeinschaft stützen. Die staatliche Bewirtschaftung, die Zwangserfassung landwirtschaftlicher Produkte im Stall, auf den Feldern, im Gartenland, im Handel, die Rationierung der Nahrungsmittel und viele andere Maßnahmen bürdeten den Menschen größte Lasten auf. „Die Lebenswirklichkeit auf dem Lande war zwar nicht von Hunger und Armut, aber von härtester Arbeitsfron vor allem der Frauen bestimmt, dazu vom Widerstand gegen die Gendarmenkontrolle, die als Schikane erlebt wurde.“[60]

Hauptproduktionszweige im Rittergut Sophienthal waren in den Kriegsjahren die Kartoffelproduktion, die Brennerei und Kartoffelflockenerzeugung. Inwieweit sich hierauf die in den Jahren von 1915 bis 1917 in der deutschen Landwirtschaft eintretenden Missernten bei Kartoffeln in Sophienthal und Tscheschenheide auswirkten, ist nicht bekannt. Doch da man auch im Jahre 1917 nach wie vor bei diesen Hauptrichtungen der Pflanzenproduktion geblieben war und nicht den im amtlichen Trend liegenden Rübenanbau zum Haupterzeugungszweig gemacht hatte, dürfte man die Jahre der Kartoffelmissernten glimpflich überstanden haben.

Eine besondere Rolle nahm in den Jahren des Ersten Weltkrieges in Sophienthal und Tscheschenheide die Waldwirtschaft ein. Seit 1915 standen die 300 Hektar Waldfläche des Rittergutes unter der Verantwortung von Förster Hermann Fiebag (*1869). Der damals 46 jährige Forst- und Waidmann stammte aus einer Schafmeisterfamilie, die in dritter Generation in der Region Trachtenberg ansässig war und im Dienste der Fürsten von Hatzfeld stand. Hier begann der charakterlich starke, strebsame und rastlose Hermann Fiebag seine forstwirtschaftliche Laufbahn. Wie damals üblich, folgten den Lehrjahren die Wanderjahre, in denen er sich in den Forstrevieren verschiedener Rittergüter im Nordosten Schlesiens die Erfahrungen und die Reife für seine weitere Tätigkeit erarbeitete.

Hermann Fiebag und seine Ehefrau Alfonso geb. Neiße und die Kinder Bernhard, Walter, Herbert und Lucie fanden in der Wald- und Heidelandschaft um Sophienthal und Tscheschenheide eine fast unberührte Natur vor, in denen die damals schon seltenen Großtrappen noch ihren geschützten Lebensraum hatten, wie sich später Bernhard Fiebag erinnerte.[61]

Abb. 14 - Förster Hermann Fiebag mit Hilfsförster und Forstarbeitern bei der Arbeit in den Forstrevieren zwischen Sophienthal und Klein Wiersewitz um 1919/1920

Das Foto stammt aus dem Privatbesitz von Windfried Fiebag, Enkel von Förster Hermann Fiebag, aus Börnsen bei Hamburg.

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Doch diese Idylle wurde durch das Leid des Ersten Weltkrieges überschattet, das immer mehr Familien in Sophienthal und Tscheschenheide ereilte. Von den Fronten kamen die in pathetischen militärischen Mitteilungen über den „Helden-Tod“ von Söhnen, Vätern und Großvätern.

Ida Goletz geb. Fischer, war eine der ersten jungen Ehefrauen, die ihren Ehemann, Karl Adolph Goletz, auf den Schlachtfeldern vor Verdun in Frankreich im Jahre 1915 verlor. Sie trauerte mit ihren beiden kleinen Kindern, Alfred (*1912) und Frieda (*1915), um den geliebten Ehemann und Vater. Das gleiche Schicksal traf die Familien Baumert (Vater von Richard Baumert), Feld, Fischer (Vater von Hugo Fischer), Furchner, Heinrich (Vater von Emma und Ernst Heinrich), Reigber, Schumann und andere. Lehrer Reigber hinterließ Ehefrau und seine Kinder Hermann und Dorchen. Elisabeth Hoffmann aus Tscheschenheide schrieb die Namen dieser Toten zur „ewigen Erinnerung“ für diese Chronik auf.

Diese Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen wurden später in die Tafeln des Kriegerdenkmals auf dem evangelischen Friedhof des Kirchspiels Gimmel eingemeißelt. Sie überdauerten leider nicht allzu lange die Zeiten.

 

Abb. 15 - Kriegerdenkmal auf dem evangelischen Friedhof Gimmel

Fotografiert im Jahre 2004 von Tomasz Mietlicki aus Glogów.

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Andere ins Kaiserliche Heer eingezogene Männer aus Tscheschenheide und Sophienthal kehrten als Schwerverletzte von den „Schlachtfeldern“ des Ersten Weltkrieges zurück. Darunter befand sich auch der Landwirt Wilhelm August Baumert. Er musste nun trotz seiner schweren Beinverletzungen und der daraus resultierenden starken Gehbehinderung seinen Landwirtschaftsbetrieb aus den ruinösen Verhältnissen der Kriegswirtschaft herausführen. Seine Ehefrau hatte sich während der Kriegsjahre - ebenso wie viele andere Frauen im Dorf - alleine um das Vieh, den Hof, die Wiesen und Felder kümmern müssen. Zugleich musste sie ihre vier Kinder versorgen und erziehen. Wilhelm August Baumert und Bertha Pauline Kügler hatten 1902 geheiratet. Ihre Kinder wurden in den ersten Jahren ihrer Ehe geboren: Martin (*1905), Kurt (*1910), Gertrud (*1913) und Max (*1917).

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wollten Wilhelm und Bertha Baumert ihren Landwirtschaftsbetrieb so rasch wie möglich stabilisieren und ihn zugleich vergrößern. Nur so konnten sie künftighin die materiellen Existenzgrundlagen ihrer großen Familien sichern. Das gelang ihnen innerhalb weniger Jahre. Viele andere Familien trieb die gleiche Sorge ebenfalls zum Handeln. Die Bedingungen dafür waren zunächst günstig.

 

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[1] Winfried Irgang, Werner Bein, Helmut Neubach: Schlesien – Geschichte, Kultur und Wirtschaft, 1995 Köln, Verlag Wissenschaft und Politik, (Historische Landeskunde, Deutsche Geschichte im Osten, Band 4, Herausgegeben von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen), S. 118.

[2] Ebenda, S. 119 f.

[3]Richard Juhnke, Wohlau Geschichte des Fürstentums und des Kreises, 1965, Holzner Verlag, Würzburg, S. 205.

[4] Ebenda, S. 216 f.

[5] Siehe: Colmar Grünhagen, Schlesien unter Friedrich dem Grossen, Zweiter Band, 1756 – 1786, Verlag von Wilhelm Koebner, Breslau 1892, S135 f; Fedor v. Köppen, Die Hohenzollern und das Reich, Verlag von Carl Flemming Glogau, Band 2, S. 370; William Pierson, Preußische Geschichte, 9. verbesserte und vermehrte Auflage, Herausgegeben von Dr. John Pierson, Band 1, Verlag Gebrüder Paetel Berlin, 1906, S. 405.

[6] Historische Nachrichten von Gimmel. Gesammelt von Ernst Boy, ehemals Pastor in Gimmel, im Oktober 1804; in: Guhrauer Kreiszeitung, Goldammer Verlag, Würzburg, Nr. 4/2002.

[7] Ebenda.

[8] Ebenda.

[9] TABELE  PODATKU GRUNTOWEGO I LUDNOSCI SLASKICH Z OKOLO 1765 ROKU, OPRACOWALI ZBIGNIEW KWANY I JAN WOSCH, WROCLAW. WARSZAWA. KRAKOW. GDANSK, ZAKLAD NARODWY IMIENIA OSSOLINSKICH, WYDAWNICTWO POLSKIEJ AKADEMII NAUK; 1975 (Nr. 143).

[10] Ebenda, S. XX.

[11] Siehe: Zedlers Großes vollständiges Universial-Lexikon von 1732, in: http://www.zedleriana.de, Blatt 166.

[12] Hüfner nannte man die Besitzer von bäuerlichen Betrieben, deren landwirtschaftlichen Flächen ursprünglich z. B. nach dem Maß von fränkischen Hufen vermessen waren .

[13] Siehe: Historische Nachrichten von Gimmel. Gesammelt von Ernst Boy, ehemals Pastor in Gimmel, im Oktober 1804; in: Guhrauer Kreiszeitung, Goldammer Verlag, Würzburg, Nr. 4/2002.

[14] Siehe: Richard Juhnke, Wohlau Geschichte des Fürstentums und des Kreises, 1965, Holzner Verlag, Würzburg, S. 218 ff.

[15] Siehe: Statistisch – topographische Uebersicht des Departements der Königlich Preußischen Regierung zu Breslau, (Verfasst von Beyer), Breslau 1819, gedruckt bei Graß, Barth und Compagnie, S. 102 – 105, lfd. Nr. 3 u. 4.

[16] Siehe: Websites von Dirk Steindorf-Sabath –, Sophienthal u. Tscheschenheide – [http://dirk.steindorf-sabath.com ]

[17] Böhm-Chronik, Familienforschung in Niederschlesien, Stellenbesitzer in Schlesien: Bauern, Gärtner und Häusler, Beitrag von Alexander Blume, aus: Das schlesische Dorf Klein Ellguth „Oelßnischen Creyses“. Internet-Adresse: http://boehm-chronik.com

[18] Siehe: Richard Juhnke, Wohlau Geschichte des Fürstentums und des Kreises, 1965, Holzner Verlag, Würzburg, S. 232.

[19] Internetseiten von Wikipedia, der freien Enzyklopädie, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Patrimonialgericht .

[20] Siehe ebenda.

[21] Nach Überlieferungen aus den Familien Hermann, Walter, Fritz und Gerda Fischer sowie Ida Goletz geb. Fischer aus Tscheschenheide/Birkenhain.

[22] Siehe: Unterlagen der Familienchronik der Familie von Justizrat Dr. jur. Georg Ferdinand Moritz Baumert. Im Besitz von Frau Friederike Kuhl geb. Baumert, Euskirchen.

[23] Siehe: Siehe: Winfried Irgang, Werner Bein, Helmut Neubach: Schlesien / Geschichte, Kultur und Wirtschaft, 1995 Köln, Verlag Wissenschaft und Politik, [Historische Landeskunde – deutsche Geschichte im Osten; Bd. 4. Herausgegeben von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen], S. 148 ff.

[24] Siehe ebenda, S. 149.

[25] Richard Juhnke, Wohlau Geschichte des Fürstentums und des Kreises, 1965, Holzner Verlag, Würzburg, S. 249.

[26] Siehe ebenda, S. 249 f.

[27] Siehe: Rolf Jehke, Herdecke, Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945, Guhrau/Luebchen (1815/1818), in: http://www.territorial.de/ndschles/guhrau.htm

[28] Siehe diese Chronik, Abschnitt „1310  erste urkundliche Erwähnung des Dorfes ‚Tscheschenheide’ unter dem Namen ‚Slesow’ und als Teil des Weichbildes der Stadt ‚Guhrau’.

[29] Siehe: Statistisch – topographische Uebersicht des Departements der Königlich Preußischen Regierung zu Breslau, (Verfasst von Beyer), Breslau 1819, gedruckt bei Graß, Barth und Compagnie, S. 102 – 105, lfd. Nr. 3 u. 4.

[30] Siehe: Schlesische Güteradressbücher 1870-1937. Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte, Haus Schlesien - Königswinter.

[31] Siehe: Familienarchiv der Familie von Justizrat Dr. jur. Georg Ferdinand Moritz Baumert, bei Frau Friederike Kuhl geb. Baumert in Euskirchen, Briefe und Bild von Martin Petzold (Hauptlehrer an der Schule in Gimmel) aus dem Jahre 1936.

[32] Siehe hierzu: Ursula Walz, Eselsarbeit für Zeisigfutter/ Die Geschichte des Lehrers, Frankfurt/M. 1988, S. 69.

[33] Fritz Heinze, Heimatbuch des Kreises Guhrau/Schlesien, 1973, Verlag und Gesamtherstellung: Druckhaus Goldammer, 8533 Scheinfeld, S. 278/279.

[34] Siehe: Karl-Ernst Jeismann u. Peter Lundgreen, Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte Bd. III, 1800 -1870. Von der Neuordnung Deutschlands bis zur Gründung des Deutschen Reiches, 1987, München, S. 134.

[35] Fritz Heinze, Heimatbuch des Kreises Guhrau/Schlesien, 1973, Verlag und Gesamtherstellung: Druckhaus Goldammer, 8533 Scheinfeld, S. 277.

[36] Siehe: J. G. Knie, Alphabetisch-topographische Übersicht der Dörfer, Flecken, Städte und anderen Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, ... Zweite vermehrte und verbesserte Auflage, 1845 Breslau, Druck und Verlag von Graß, Barth und Comp., S. 695 f , 644.

[37] Ebenda.

[38] Ebenda.

[39] Die Familiendaten zu den Namen Thomas, Werner und Helbig[ch] stellte für diese Chronik Dr. Bernd Helbich aus 32791 Lage zur Verfügung.

[40] Siehe: Klaus Kischnick (OGP 56-57/ lato 2003), http://ogp.cocon.pl/archiwum/arch223.html.

[41] Siehe hierzu den Abschnitt dieser Chronik: 1930 – Ein bedeutender Sohn des Dorfes Tscheschenheide und Schlesiens stirbt in Berlin.

[42] Siehe: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 - 1945:
Rolf Jehke, Herdecke. Zuletzt geändert am 23. 1. 2004. Kreis Guhrau, in: http://www.territorial.de/ndschles/ndsl.htm .

[43] Dokumentierte Aussagen von Rolf Jehke zu den Veränderungen im Kreis Guhrau. Siehe ebenda.

[44] Die Darstellungen zu Schullehrer Adolph Baumert und seiner Familie stützen sich auf Unterlagen aus der Familienchronik der Familie von Justizrat Dr. jur. Georg Ferdinand Moritz Baumert - im Besitz von Frau Friederike Kuhl geb. Baumert, Euskirchen.

[45] Siehe: Heinrich Schubert, Chronik der Stadt Winzig, 1914 Winzig, Druck von W. Petzold - Inh. Fritz Petzold, Verlag: Magistrat, S. 100.

[46] Siehe: http://www.territorial.de/ndschles/ndsl.htm.(Niederschlesien/Landkreis Guhrau71867)

[47] Siehe: Rolf Jehke, Herdecke, Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945, Guhrau/Luebchen (1815/1818), in: http://www.territorial.de/ndschles/guhrau.htm

[48] Die Rittergüter und selbständigen Gutsbezirke in der Provinz Schlesien, 1870 Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn, S. 16; Schlesisches Güter-Adreßbuch…1876 Breslau, S. 110. In: Schlesische Güteradressbücher 1870 – 1937,Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte, Hrsg. vom Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien Königswinter-Heisterbacherrott/ Martin Opitz-Bibliothek Herne; 2004, CD 1 von 2.

[49] Schlesisches Güter-Adreßbuch, 1886 Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn, S. 42. In: Ebenda.

[50] Siehe ebenda. Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche…I. Das Königreich Preußen, VI. Lieferung, Die Provinz Schlesien, Oktober 1880 Berlin, Verlag des Landwirtschaftlich-Statistischen Bureau, H. Lodemann &Cle, S. 418 f.

[51] Siehe: Internetseiten von Dirk Steindorf-Sabath, Stadt und Kreis Guhrau, Die Dörfer, Gimmel (1883), in: http://dirk.steindorf-sabath.com/guhrau.html .

[52] Siehe: Heinrich Schubert, Chronik der Stadt Winzig, 1914 Winzig, Druck von W. Petzold, Verlag: Magistrat, S. 107 u. 187.

[53] Siehe: Schlesisches Güteradressbuch, 1909, Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn, S. 53; Schlesisches Güteradressbuch, 1912, Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn., S. 54. In: In: Schlesische Güteradressbücher 1870 – 1937,Digitale Quellen zur schlesischen Kulturgeschichte, Hrsg. vom Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien Königswinter-Heisterbacherrott/ Martin Opitz-Bibliothek Herne; 2004, CD 1 von 2.

[54] Schlesisches Güteradressbuch, 1912, Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn., S. 54. In: Ebenda.

[55] Siehe: Schlesisches Ortsverzeichnis, Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Städte, Flecken, Dörfer und sonstiger Wohnplätze der Provinz Schlesien…auf Grund amtlichen Materials neu zusammengestellt, 7. Auflage, 1913 Breslau, Verlag von Wilh. Gottl. Korn, S. 52, 244, 262.

[56] Siehe: Internetseiten von Dirk Steindorf-Sabath, „Stadt und Kreis Guhrau/Die Dörfer/Tscheschenheide“, in: http://dirk.steindorf-sabath.com/guhrau.html .

[57] Siehe: „Stadt und Kreis Guhrau / Die Eisenbahnen im Kreis Guhrau“, in: http://dirk.steindorf-sabath.com/guhrau.html .

[58] Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte, In Zusammenarbeit mit Karl Friedrich Krieger, Hanna Vollrath und Meyers Lexikonredaktion, Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage, 1990 Bonn, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, © Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG und Mannheimer Morgen Großdruckerei und Verlag GmbH, Mannheim, S. 211.

[59] Siehe: Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte, 1866 – 1918, zweiter Band, Machtstaat vor der Demokratie, Verlag C. H. Beck München, 1992, S. 788 ff.

[60] Ebenda, S. 793.

[61] Siehe: Bernhard Fiebag, Erinnerungen eines Förstersohnes, Eigenverlag, S. 3.